10. Februar 2015 um 14:14 Uhr, 3 Kommentare

Manchmal hasse ich mein aktuelles Ich.

Das Schlimmste an meinem aktuellen Ich ist, dass es anscheinend NICHTS aus seinen früheren «Fehlern» gelernt hat.

Wenn ich den gestrigen Post mal schnell überfliege, fallen mir gleich einige Dinge auf, die sich in keiner Weise geändert haben. Ich tue mich noch immer total schwer damit, meine Arbeit zu kontrollieren. Vor allem wenn es um solche Dinge geht, wie das hier. Texte lesen und korrigieren. Oh mein Gott. Oder auch mein fehlendes Verlangen, Karriere zu machen oder sonstwie erfolgreich oder ehrgeizig zu sein. Manchmal stelle ich mir vor, wie es wäre, etwas Grossartiges zu erschaffen, zu tun. Dann tue ich es dann aber doch nicht. Viel zu anstrengend.

Etwas, das mich fast am meisten stört, ist mein stetiger und offenbar ungewinnbarer Kampf gegen das Chaos. In meinem Kopf, aber auch physikalisch. Immer wieder nehme ich mir vor, aufzuräumen und die Ordnung zu halten. Aber ich habe keine Chance. Es gibt immer Wichtigeres zu tun als aufzuräumen. Zum Beispiel: Bloggen. Und ich wende hierbei die genau gleichen Schemata an, wie ich das schon früher getan habe: «Ach, so lange meine Wohnung, mein Zimmer nicht aussehen, wie das dieser schrecklichen Messies aus dem TV, ist ja alles in Ordnung.»

Aber es gibt auch neue Macken. Zum Beispiel mein grosses Problem mit Freundschaften. Womöglich hätte ich diese Probleme auch früher schon gehabt. Aber damals hatte ich wohl einfach noch zu wenige Freunde, oder sie waren einfach auch ähnlich «asozial» wie ich. ODER: Ich hatte einfach gar nichts anderes vor, als mich mit ihnen zu treffen. Heute ist eine Woche, in welcher ich jeden Tag mit anderen Menschen verplant habe, ein Graus. Auch schaffe ich es manchmal nicht, den Erwartungen meiner Freunde gerecht zu werden. Ich wäre gerne eine Person, die sich gerne ständig mit anderen trifft. Aber ich bin es nicht.

ich_hasse_mein_neues_ich

Auch neunervig sind meine Stimmungsschwankungen. Früher war ich wohl einfach generell melancholisch oder nahm ganz einfach alles so hin, wie es war. Irgendwann hat es Klick gemacht und ich habe mich für mich selber eingesetzt. Wie bei jedem Polsprung hat sich die Lage nicht einfach verändert oder verbessert, sondern ist vom einen Extrem ins Andere gesprungen. Jetzt bin ich launisch, habe, wie letzte Woche berichtet, immer mal wieder kurze, jähzornige Ausraster.

Die dümmste neue blöde Verhaltensweise ist mein Narzissmus. Aus dem (noch immer) schüchternen, dicken Mauerblümchen ist ein beizeiten ziemlich eingebildeter Besserwisser geworden. Nicht nur dränge ich allen immer meine Meinung auf, ich halte sie auch generell für richtiger als die der anderen. Natürlich bin ich noch immer leicht von einer Wahrheit zu überzeugen, sofern die Fakten gegen mich sprechen. Mein Umfeld hat es mir aber immer wieder leicht gemacht, weil sie halt einfach weniger googlen und wikipedialesen als ich. Und ich nutze das extrem aus. Aber es ist nicht nur das. An guten Tagen schaue ich in den Spiegel und finde mich selbst unglaublich attraktiv. An solchen Tagen kann mir niemand was ab. Natürlich ist das auch irgendwie eine gute Errungenschaft, bedenkt man meine Vergangenheit. Aber endlich mal eine Mitte, einen Boden zu finden, das sollte das Ziel sein. Ein gesundes Selbstbewusstsein zwischen den beiden Extremen.

Wahrscheinlich ist genau dies das zentrale Problem: Ich war schon früher und bin noch immer sehr extrem und niemals richtig ausgewogen.

Meine aller aller aller schlimmste schlechte Eigenschaft ist aber, dass ich ab und zu noch immer Dinge tue und dabei denke: «Das wird dann das Problem meines Zukunfts-Ichs.»

Bis Morgen und danke für’s Lesen.
Pfoffie

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