Manchmal ist Knigge eben doch unser Freund.

rechts

Manch einer fragt sich vielleicht, ob ich vom Autofahren spreche. Davon habe ich aber überhaupt rein gar keine Ahnung. Trotzdem denke ich zu wissen, dass einem beim Auto kaum eine andere Möglichkeit bleibt, als nach rechts auszuweichen. Andere denken dies sei ein politischer Beitrag. Aber auch da kann ich euch beruhigen: Es geht wortwörtlich um die rechte Seite.

Als Fussgänger ist das etwas anders. Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten, wenn einem jemand entgegenspaziert kommt: Entweder man weicht nach rechts, nach links oder gar nicht aus. Letztere Option wird sehr gern offensiv von unserer höchstgeliebten Jugend angewandt. Ich denke wir sind uns alle einig, dass dies in jedem Fall die falsche Art zu handeln ist. Aber warum macht es einen Unterschied, ob man nun nach links oder rechts ausweicht?

Nun, der Reflex vieler beim Ausweichen auf dem Trottoir ist «von der Strasse weg». Das macht aus diversen Gründen Sinn. Häufig gehen besagte Personen bereits so weit wie möglich von der Strasse entfernt an ihr entlang. Das machen sie, weil sie Angst vor dem Verkehr haben. Natürlich bleibt diese Angst auch beim Ausweichen akut und man drängt sich so weit von der Strasse weg wie möglich. Das ist eigentlich eine gute Idee, denn an der Strasse ist es tatsächlich gefährlicher als davon entfernt. Dumm nur, dass nicht beide «weg von der Strasse» ausweichen können.

Aber wer hat denn nun das Anrecht auf den «sichereren Weg»? Die ältere Person? Die femininere? Beim Treppensteigen ist die Regel einfach: Der Mann geht vor. Beim hochgehen, damit er der Frau nicht unter den Rock schauen muss, beim runtergehen, damit er sie auffangen kann. Aber solch Gender ungleiche, sexistische Regeln mag ich nicht. Auch das mit dem Alter ist problematisch: Nicht immer weiss man, ob die entgegenkommende Person älter ist. Es muss also eine einfache Regel her und die gibt es auch: Die Person, die den entgegenkommenden Verkehr sieht, nimmt den gefährlicheren Weg. Natürlich könnte man ganz kompliziert jedes Mal geometrisch zu eruieren versuchen, welche Person das denn nun wäre. Oder man merkt sich einfach, nach rechts auszuweichen – da stimmt das nämlich immer automatisch.

Ihr werdet jetzt sagen: «Aber Pfoffie! Wegen einer so seltenen Sache wie ‹auf dem Trottoir kreuzen› möchte ich nicht mein KOMPLETTES Leben umkrempeln!» Damit habt ihr natürlich vollkommen recht und deshalb gibt es noch einen zweiten Grund für das Rechtsausweichen: Wenn alle immer nach rechts ausweichen, gibt es nie mehr ein Problem beim Ausweichen (dem schlimmsten Problem unserer Gesellschaft, könnte man wohl dank dieses Artikels meinen). In Japan übrigens ist es (fast überall) aus denselben Gründen genau umgekehrt.

Ich hoffe ihr seid jetzt überzeugt und ich hoffe auch, dass einige von euch zu den vielen Fieslingen gehören, die mir täglich den Weg mit falschem Ausweichen versperren. Am liebsten in Vierergruppen. Gruml.

Cheers, Pfoffie

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5 Kommentare

  1. Ich habe mal gelernt, dass man es auf dem Trottoir gleich handhabt, wie auf der Strasse. Ist rechts Verkehr, wie bei uns, dann weicht man auf dem Trottoir rechts aus, was dann auch mit deiner Theorie übereinstimmen würde, dass der, welcher den entgegenkommenden Verkehr sieht, näher an der Strasse ist.

    Ich denke, weil in Japan links Verkehr herrscht auf der Strasse, ist es dort auch üblich, auf dem Trottoir links auszuweichen 😉 aus den selben, von dir genannten Gründen.

    Grüessli

  2. Oh doch. Auch schon geradeaus gelaufen an entgegenkommenden Vierergruppen. Und sie haben Platz gemacht. Aber nur an mutigen Tagen ausprobiert. Frau, unter 1.60.

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