29. April 2015 um 12:21 Uhr, 2 Kommentare

In Japan stehen sie verkehrt herum an

Dies und weitere erste Eindrücke, die wir in Tōkyō hatten.


tokyo

Wir stiegen aus dem Flugzeug und schon bei der ersten Rolltreppe fiel uns auf, dass irgendwas falsch war. Wir konnten es zuerst nicht genau ausmachen. Ich glaube sogar, dass es uns erst Stunden später klar wurde: Die Rolltreppen waren verkehrt herum. Die Linke führte uns weiter, die Rechte fuhr uns entgegen. So exotisch! Was aber noch viel exotischer war: Die Menschen standen/gingen auch verkehrt herum auf den Rolltreppen. Rechts gehen, links stehen. Es war schwer, sich daran zu gewöhnen und genauso schwer, es sich jetzt wieder abzugewöhnen. Aber nicht nur das. Alle Arten von Anstehen waren linksherum. Mir war nie bewusst, dass wir ungeschriebene Anstehregeln haben. Erst als wir in Japan immer falsch anstanden, wurde mir das klar. Selbst auf dem Trottoir passierte es viel öfter, dass wir fast die Entgegenkommenden rammten. Sie wollten umgekehrt ausweichen. Am Anfang fanden wir das etwas seltsam. Aber schliesslich wurde uns klar, dass das logisch ist: Wenn die Autos umgekehrt fahren, sollte man auf der Strasse auch umgekehrt ausweichen. Und daraus kann man logisch ableiten, dass auf natürliche Art alle Dinge «linkslastig» werden sollten. Somit ist Grossbritannien ab jetzt komisch 🙂

Dann können sie tatsächlich kaum Englisch. Oder sie haben angst es anzuwenden. Das fand ich sehr interessant. Gerade in Tōkyō hatte ich schon erwartet, dass man dort Englisch versteht. Tut man hier in Zürich ja schliesslich auch und in Hotels und an Bahnhöfen sowieso. Aber die Antwort auf meine – auf japanisch – gestellte Frage, ob sie Englisch könnten, war immer nein. Natürlich ein japanisches Nein im Sinne von «ja also hmm ja hm also eigentlich irgendwie englisch also hmmm ja naja hmmm also sorry sorry sorry». Aber mit Zeigen, rudimentären Japanischkenntnissen (die ich ja zum Glück habe) und rudimentären Englischkenntnissen, die unser Gegenüber dann doch plötzlich hatte, ging alles sehr gut. Lustig war das beim ersten Restaurant: Die Frau kam gleich mit uns wieder hinaus und zeigte auf die Plastikversionen ihrer Menükarte. Ich sagte dann auf Japanisch «Das, das und das bitte». Es hat funktioniert.

Am zweiten Tag waren wir übrigens bereits in Shibuya und somit an der berühmtesten und bevölkerungsreichsten Fussgängerkreuzung der Welt. Und ja, es hatte viele Menschen. Wirklich sehr viele Menschen. Obwohl uns das wirklich auffiel, war es trotzdem nicht schlimm. Ich fühlte mich weniger bedrängt, als ich es mich in Zürich fühle. Was uns das wohl sagt? Ich hatte allgemein oft ein starkes Gefühl von Platz und Freiheit. Was eigentlich schräg ist, bedenkt man, dass in Japan alles viel verbauter ist als hier bei uns. Aber anscheinend hat – zumindest bei mir – das Gefühl von Dichtheit weder etwas mit der wirklichen Bevölkerungs- noch mit der Bebauungsdichte zu tun. Vielleicht hat es auch mit der komplett anderen Mentalität zu tun. Japaner scheinen viel zurückhaltender zu sein – auf sehr viele Arten. Wahrscheinlich fühlt man sich deshalb auch weniger bedrängt in grossen Menschenmengen.

Was mich zum wichtigsten aller ersten Eindrücke führt: Japaner sind so nett und hilfsbereit. Ich kann das gar nicht genug betonen. In der Schweiz würde ich niemals irgend jemanden nach irgendetwas fragen. NIEMALS. Schon gar keine Unbekannten. In Japan mussten wir das gezwungenermassen ab und zu tun und es gab keine einzige negative Situation (ah doch, die böse Frau in Kyōto. Aber dazu später). Es ist mir unter’m Strich sogar egal, ob die Freundlichkeit echt ist. Man hört ja über Asiaten (vor allem Thailänder) immer, wie nett sie sind aber hinter dem Rpcken schlecht über dich reden. Aber selbst wenn das in Japan auch so ist, habe ich es nicht gespürt und das ist die Hauptsache. Ihr wisst ja wie ich zu Freundlichkeit stehe und die japanische Freundlichkeit hat bei mir keine negativen Gefühle ausgelöst. Wahrscheinlich weil ich mich nie «falsch» befreundlicht fühlte.

Und die letzte erste Erkenntnis: Diese blöden Blüten sind doch nicht so koordiniert wie alle immer sagten. Am zweiten wie auch am vorletzten Tag unserer Ferien sind wir noch auf wunderschön blühende Hanami-Bäume gestossen. POW!

Pfoffie

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