20. Januar 2016 um 12:00 Uhr, 1 Kommentar

Quallen sind Anemonen, denen es gereicht hat

Beim Mittagessen sprachen wir gestern über Tiere, die schwer als solche zu erkennen sind. Was ich dann herausfand, erweiterte mein Verständnis für so ziemlich alles.

anemone

Ein Kollege hatte nicht gewusst, dass Austern beim Verzehr noch leben. So fing das Gespräch an. Ich sagte etwas wie «es ist für uns auch schwierig zu verstehen, dass etwas, was sich vor unseren Augen kaum bewegt, ein Tier sein kann» und eines führte zum andern. Schliesslich gab ich zu, dass ich lange dachte, Seesterne seien Pflanzen.

Dies führte natürlich zum Gespräch über Seeanemonen und ob diese nun Tiere seien oder nicht. Es gibt wohl kaum ein Tier, das mehr wie eine Pflanze aussieht, sich mehr wie eine verhält. Wir waren uns nicht mal sicher, ob sie nun wirklich Tiere waren oder nicht. Wie immer in solchen Fällen, konnte ich keinen klaren Gedanken mehr fassen bevor ich es nicht herausgefunden hatte. Also googelte ich. Haltet euch fest.

Es stellt sich also heraus, dass Anemonen Korallen der Tierart «Blumentiere» sind. Nur schon dies ist ja total lustig: Es ist also nicht nur pure unwissenschaftliche Ignoranz – nein die Dinger werden ganz wissenschaftlich auch mit Blumen verglichen. Es gibt etwa 7500 verschiedene Arten der Blumentiere und bilden die grösste Art innerhalb der Nesseltiere. Ich las, dass Blumentiere primär durch das Fehlen des Medusenstadiums charakterisiert werden.

Bei Medusa klingelte es in meinen Ohren. Seit einem Jahr (WTF!?) lese ich ja «Der Schwarm» und dort fällt das Wort «Medusa» ziemlich oft und jedes Mal muss ich schmunzeln. Ich wusste also, dass Medusen Quallen sind, aber nicht, was ein «Medusenstadium» ist. So klickte ich auf den Wikipedia-Link und sah sofort die Antwort auf eine Frage, die ich nie gestellt hatte: Den kompletten Lebenszyklus einer Schirmqualle.

Sie startet ihr Leben als Larve und setzt sich irgendwo fest. Danach wächst sie zu einem Polypen heran, der den Anemonen sehr ähnlich ist. Irgendwann entscheidet sie sich dazu, sich «fortzupflanzen» und erzeugt durch einen Strobilation genannten Prozess freischwimmende Medusen. Diese Quallen wiederum treffen sich, haben sex und erschaffen neue Larven. Quallen sind somit nur ein Teil einer unglaublich komplexen Lebensform. Sie sind quasi nur der Blütenstaub.

Immer wenn ich so viel in so kurzer Zeit lerne, löst das in mir eine gewisse Ehrfurcht aus. Unsere Heimat bietet eine so unfassbare Vielfalt. Wie soll man jemals im Ansatz alles verstehen?

Pfoffie

One thought on “Quallen sind Anemonen, denen es gereicht hat”

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