2. November 2014 um 12:43 Uhr

Zeichen Gottes und Inspiration

Am 18. Oktober, einem Samstag, radelte ich bei wunderschönstem Wetter von Ebikon nach Luzern. Einige riesige Wolken zogen langsam vor dem ansonsten stahlblauem Himmel. Da kam mir ein Gedanke: «Endlich verstehe ich, was der Weg ist das Ziel bedeutet». Ich fühlte mich richtig gut. Beim Blick in den Himmel sah ich eine ganz kleine Öffnung in den Wolken, durch welche ein dünner Sonnenstrahl auf die Erde fiel. Als Kind sagte man mir, dass Gott durch diese Strahlen auf wichtige Menschen schaut und sie berührt. Wenige Sekunden später fuhr ich mit meinem Rad genau durch diesen hellen Strahl hindurch. Hat mich Gott angeschaut oder sogar berührt? Nun, es hat mach zumindest zu einer tiefgreifenden Erkenntnis über Zeichen Gottes inspiriert.

Im neuen Noah-Film sind Gottes Zeichen und Visionen total ambivalent. Diese Darstellung gefiel mir sehr gut. Der Film zeigte nämlich nicht einen Gott, der Noah einfach vorplappert, was er bauen soll. Nein, Noah «spürt» irgendwas und reagiert darauf.  Aber wie soll man ein Zeichen Gottes überhaupt erkennen? Es gibt Dinge, die fühlen sich wie Zeichen an, aber man weiss sie nicht zu deuten. Sie könnten «tu es» oder «pass auf» bedeuten. Warum sagt Gott mir nicht genau, was ich tun soll, warum schickt er verschlüsselte Hinweise? Wenn ich so etwas wie Noah träumen würde, wüsste ich nicht, was ich machen sollte. Wüsste nicht, was Gott von mir wollte. Und genau das ist der Punkt meiner Erkenntnis.

Ich bin absolut einer dieser Zeichen-Menschen. Ich sehe in allem ein Zeichen für irgendwas und benutze diese «Zeichen» oft auch als Entscheidungshilfen. Konträr dazu bin ich quasi Atheist. Wie kann ich also glauben, dass irgendwas Überwissendes mir Zeichen schickt? Aus diesem Grund versuche ich eigentlich, die Zeichen zu ignorieren.

Als ich vor Jahren beim Dreamdancer einen Crafting-Kurs gemacht habe, haben wir auch verschiedene Arten von Wahrsagen angeschaut. Der Dreamdancer erklärte uns, dass man mit Tarot (und so) nicht in die Zukunft schaut, sondern das Jetzt und seine Folgen analysiert. Man liest das heraus, was einen gerade beschäftigt und man vielleicht gar nicht wahrhaben will. Aber wenn man es sieht, weiss man es sofort. Ich interpretierte daraufhin für mich selbst hinein, dass es eigentlich vollkommen egal ist, was man zieht oder legt. Die Hauptsache ist, dass die Karten (oder Runen, oder Kaffesatz- oder Wolkenbilder) irgendwas aufzeigen, das man mit seinem eigenen Gefühl abgleichen kann. Einen anderen Blickwinkel bieten.

Abendstimmung

An jenem Samstag fuhr ich also durch diesen Lichtstrahl. Während er mich berührte, dachte ich daran, wie gerne ich Rad fahre. «Das ist bestimmt ein Zeichen, dass ich noch weiter radeln soll!» Ich fragte mich plötzlich, wie ich wohl bei anderer Verfassung auf den Lichstrahl reagiert hätte. Was, wenn ich müde, wütend oder an Schmerzen leidend gewesen wäre? Womöglich wäre mir das tolle Wetter gar nicht aufgefallen, vielleicht hätte ich gedacht «nicht mal dieser wunderschöne Sonnenstrahl kann mich aufheitern». Ich hätte mich mit Sicherheit nicht so inspiriert gefühlt.

Da kam mir die Idee, dass solche «Zeichen» ständig da sind. Die Frage ist nur, ob wir sie als solche anerkennen. Wahrscheinlich können wir allem irgendeine Bedeutung einhauchen. Aber das ist eine Sache des Unterbewusstseins. Vielleicht weiss man, dass eine Entscheidung die richtige ist, aber man vertraut sich selber nicht genug. Wenn dann aber irgendein ein positives Omen auf uns leuchtet «wissen» wir, dass wir das Richtige tun. Sind göttliche Zeichen also nur ein Trick unseres Gehirns um uns Dinge die wir wollen schöner zu reden?

Beim Lesen meines Textes merke ich, dass ich nicht wirklich vermitteln kann, was ich eigentlich sagen will. Unter’m Strich will ich sagen, dass ich an «göttliche Zeichen» glaube, aber ich glaube nicht, dass sie wirklich von einem übermächtigen Wesen kommen. Ich denke, sie kommen von mir selbst um mich selbst im Guten zu bestärken und im Schlechten zu warnen. Das ändert aber nichts daran, was ich von Ihnen halte. Was es ändert ist, dass ich nun ohne schlechtes Gewissen wieder auf die Zeichen achte.

Jetzt gehe ich noch ein bisschen die Sonne geniessen und hoffe, dass ich mich davon nicht noch mehr erkälte.

chee*hust/keuch*… cheers, Pfoffie.

 

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