Nach einer Party bei einem Kumpel am Freitag Abend fuhr ich nach Hause und hatte eigentlich vor, währenddessen im Internet mit irgendwem zu chatten – aber irgendwie war keiner da. Ein paar auf tausend Einheiten Alkohol im Blut, eine Idee für eine Szene und die zufällig passende Musik liessen mich dann aber zwischen 0:45 und 2:50 Uhr eine Geschichte in mein iPad tippeln. Diese Geschichte habe ich dann Gestern und Heute (Samstag und Sonntag) korrigiert, erweitert, korrigiert und dann wohl noch einmal etwas verändert. Und natürlich will die Geschichte mit euch teilen!

Für alle Benutzer von Apple-Gerätern (mit aktuellem Update und der «iBooks»-App) habe ich sogar etwas supertolles und neues zu bieten. Einfach auf den folgenden Link klicken und die Geschichte als (natürlich kostenloses) eBook direkt auf dem iPhone, iPod Touch oder iPad lesen! Hier klicken für «In keinem Universum» als eBook! Es lohnt sich nach dem Lesen noch einmal hierher zurückzukehren.

Wer das nicht will, darf gerne auf «Read More» klicken und die Geschichte Lesen.

In keinem Universum

Ein warmer Sommerabend. Eindeutig die falsche Kulisse für die Ereignisse die ihn erwartet hatten. Eine Fehlentscheidung und sein Schicksal war besiegelt. Selbst eine Warnung hätte ihn nicht von dieser Reise abhalten können. Jetzt, wo er sich dem Ende so nah fühlt, beginnen seine Gedanken klarer zu werden.

Es ist unwahrscheinlich, dass dieser bizarre und verhängnisvolle Hergang seltsamer Ereignisse ein geplanter war. Trotz und auch gerade aufgrund dieser Erkenntnis  weiss er, dass es kein Szenario für diese Nacht hatte geben können, in welchem ihn jemand gewarnt hätte. Wo ihn jemand zurückgehalten, gerettet hätte.

In keinem Universum

Der Abgrund vor, hinter und neben ihm fällt in unsichtbare Tiefen. Er kann ein leises grollen hören und fühlt ein Licht, eine Wärme, die vom scheinbar schwarzen Grund empor zu steigen scheint. Das Licht fühlt sich rot an. Selbst nach den unglaublichen, wirren und vollkommen irrealen Geschehnissen dieser Nacht ist ihm klar, dass dieses rote Licht nicht existiert. Der Versuch, eine Farbe zu fühlen muss ein verzweifelter Versuch seiner Gedanken sein, Leben in diese monochrome Unwirklichkeit zu pressen.

Das Gras unter seinen Füßen fühlt sich trocken an. Es muss grün sein, zeigt sich seinen Augen aber nur in einem unklaren, dunklen Grauton. In der Nacht sind wohl auch alle Gräser grau.

Ein Windstoß, unerwartet kraftvoll, weckt ihn aus seiner träumenden Beobachtung. Während der Wind immer heftiger wird, scheint seine kleine Insel in den Wolken zu schrumpfen. Die Ränder brechen in sich zusammen und fallen in die Tiefe. Er torkelt, schaut sich um und versucht sich festzuhalten. Kein Strauch, kein Baum mehr. Auch er fällt.

Vor nur zwei Stunden war alles noch anders. Verrückte Musik, verrückte Leute, verrückte Party. Da war alles noch gut. Alles noch real. Er war noch real.

Und dann war da dieses Mädchen. Jung, schön und offensichtlich bereit. Wofür auch immer. Mit ihren grossen, blau und fast grell leuchtenden Augen schaute sie ihn an.“Zeige mir etwas neues, überraschendes“, flüsterte sie. Sie wollte raus. Diesem verrückten Trott entfliehen. Es schien ihr sehnlichster Wunsch zu sein. Ihm war klar: Er musste ihr dabei helfen.

Er griff nach ihrer Hand und führte sie durch die Mengen. Die Lichter, die Rhythmen, alles zog an ihnen vorbei. Es war, als ob die anderen gar nicht mehr da waren. Die Rhythmen verschwanden und die Lichter durchzogen die Räume wie zähe Flüssigkeiten. Vermischten und verloren sich.

Sie Sprachen nicht miteinander. Nicht im Club, nicht auf der Strasse und auch nicht auf dem Weg durch den Wald. Mit dem ersten schritt auf dem Trampelpfad schien die ganze Zivilisation weg zu sein. Keine Autos mehr, keine synthetischen Lichter. Nur die Sterne, der Himmel, die Glühwürmchen und das Licht am Horizont, das sich nicht entscheiden konnte, ob es tiefblau oder doch fast pink wabern wollte. Er musste bei diesem Anblick an die Polarlichter denken und wusste, das war nichts neues, nicht überraschendes.

Mit einem mal blieb sie stehen, drehte ihn nah zu sich und presste ihren Kopf an seine backe. Ihr Atem strich warm, zart und voller leben seinen Nacken entlang. „hier soll es sein.“

Ein Rauschen kam auf. Es zischte um die Bäume, rieb Äste an Blättern und aus der Entfernung sah er ein Licht auf sie zukommen. „Das ist er“, meinte sie nachdenklich und kaum hörbar. „unser Zug!“ Das grosse, starke Gefährt grub sich seinen Weg direkt durch das Dickicht dieses Waldes. Die Pflanzen schienen der Lok selbständig, freiwillig und sogar ehrenvoll auszuweichen. Der Zug hielt neben ihnen.

Irgendwie war das alles seltsam, so seltsam. Ein Gedanke flatterte in seinen Gedanken auf. Es war alles wie in einem Traum.

Nach dem Betreten des Abteils schlossen sich die Türen und der Zug raste wieder weiter. Das Mädchen sass auf einen Platz, er setzte sich ihr gegenüber. Wiederum fiel kein einziges Wort. Sie schauten sich nur an und das genügte. Ihr langes, dunkelrotes  Haar fiel in grossen Schrauben neben ihrem Gesicht auf die Schultern und darüber hinweg auf den Rücken. Ihr lockeres, schwarzes Kleid mit den freien Schultern flatterte im Wind. Einem Wind, den es in diesem geschlossenen Raum gar nicht gab. Der Moment war perfekt, sie war es und er war es auch.

Ein hoher, klingelnder Ton zog sich unerwartet durch den Waggon. Sie war verschwunden. Er schaute sich um in der Furcht, sie verloren zu haben. Sie stand jedoch einfach wieder draussen vor dem Zug, im Wald und beobachtete ihn durch die offene Tür. Sie lächelte sanft und er konnte einige ihrer perfekten, weissen Zähne sehen. Ihre Augen waren entspannt, fast schläfrig und sie drehte sich langsam von ihm weg.

Mit einem Ruck fuhr die Eisenbahn wieder langsam weiter. Das Mädchen bewegte sich noch immer wie im Schlaf wandelnd von ihm weg. Ihre Hand erhob sich langsam und schien ihm zuzuwinken. Eine Verabschiedung, ein Ruf? Er wusste und verstand es nicht.

Die Tür schloss sich nicht. Der Zug raste wieder durch die Nacht, der warme Fahrtwind schoss durch die Öffnung und brachte Laub und waldigen Dreck mit sich. Blättrige Äste kratzten am Waggon entlang und stiessen durch die offene Tür wie gierige Hände. Es war, als würden sie ihn zu sich rufen. Versuchen, ihn aus dem Zug zu locken und ihn beim Namen nennen.

In diesem Moment wurde es ihm plötzlich bewusst: Er hatte keinen Namen.

Wie aus einer Trance drückte er sich schwerfällig aus dem Polstersessel und stolperte unerklärlich benommen zur offenen Tür. Noch immer zischte ihm der Wind, die Äste und das Laub entgegen. Doch schon mit dem ersten, kurzen Blick aus dem Zug veränderte sich sein Verständnis der Situation vollkommen.

Die Bahn stand still. Der Wind war kein Fahrtwind. Es war einfach nur ein starker Wind. Dieser war zwar wirklich unglaublich stark, aber trotzdem nur ein Wind. Er beugte sich durch den Eingang nach draussen, schaute dem Zug entlang und versuchte dessen Anfang auszumachen. Offensichtlich waren die Wagen entgleist und durch den Wald irgendwo in einen Baum gerast. Er erkannte keine Lok. Die Waggons vor ihm waren auf bizarrste Weise zerknüllt und schienen sich etwas weiter entfernt in einen grossen, schattigen Baumstamm zu graben. In den Stamm eines Baumes, der sich offensichtlich nicht voller Ehre wegdrehen wollte.

Ein Blick in die andere Richtung zeigte wieder dieses Mädchen. Engelsgleich erschien sie fast leuchtend und weit entfernt vor seinen Augen. Er sprang auf den kühlen, erdigen Waldboden und begann ihr nachzugehen. Sie folgte ihrerseits offenbar dem Weg zurück, den sie mit der entgleisten Bahn zuvor gekommen waren. Er erkannte in der Dunkelheit, wie sich die tiefen, von den kantigen Zugrädern gegrabenen Furchen durch den Wald zogen. Anscheinend war dieser tonnenschwere Metallwurm schon die ganze Zeit ohne Gleise unterwegs gewesen.

Unerwartet hastig drehte sie ab und begann zu rennen. Er versuchte ihr zu folgen bemerkte aber, dass er immer weiter zurückfiel. Ihre wirre Reise führte durch den Wald, hinaus auf eine weite Wiese. Über ihnen zogen schwarze, fransige Wolken vor dem sonst klaren und tiefen Sternenhimmel. Die hohen Pflanzen und Gräser bewegten sich wellend im Wind. Böen von links, rechts und von vorne. Ein wunderbares Gefühl, ein wunderbarer Anblick.

Sie blieb abrupt stehen, schien etwas zu beobachten. Er hatte sie schon fast aufgeholt als sich vor ihr plötzlich eine grosse, weiss leuchtende Kugel vom Horizont in den Himmel riss. Er wusste, das war der Mond. Als aber eine zweite, dritte und noch weitere Sphären auftauchten war dieses Wissen plötzlich so falsch, wie alles andere in dieser Nacht. Die perfekt runden Gebilde stiegen weit in den Himmel auf und rasten über seinen Kopf. Er drehte sich nach ihnen um, folgte mit den Augen und bemerkte schlussendlich, dass sich hinter ihm ein scheinbar unendlicher Abgrund aufgetan hatte. Kein Wald mehr, kein Zug mehr.

Plötzlich stand sie neben ihm, nahm seine Hand und schaute ihm tief und voller Liebe in die Augen. Ihr Gesicht war perfekt. Sie war die Frau seiner Träume. Die Schönste, die Perfekteste. Er zog sie an sich und spürte wie sich ihre Körper berührten. Er spürte, wie weich und zart sie war. Es schien, als wäre ihr Körper selbst eine dieser entfernten, dunklen Wolken.

Ihr Lippen kamen seinen immer näher und er spürte, wie sie beim Kuss verschwanden. Sie war weg, verschwunden im Nichts dieser Nacht. Und er stand alleine auf diesem kleinen Grasfleck mitten im Nirgendwo umrahmt von Unendlichkeit.

Jetzt, während er in genau diese Unendlichkeit stürzt, sieht er wieder eine dieser Kugeln. Sie strahlt hell und weiss in der Mitte des Himmels. Er spürt noch immer diese Wärme und er scheint ihr näher zu kommen. Im Augenwinkel erkennt er, wie der Morgen anbricht. Der helle, wolkenlose Himmel ist so blau wie die Augen des Mädchens. Wie ein futuristischer, riesiger Scheibenwischer schabt sich der Tag über das Firmament. An seinem Rand bohren sich riesige, spitzige Kegel verbogen in die Tiefen des Weltraums. Die weisse Kugel wird schwarz.

Es ist ein Auge.

Und mit dem letzten Augenblick seiner Existenz wird ihm, über jeden Zweifel erhaben, bewusst, dass dies alles nur ein Traum war.

Ihr Traum.

Ende.

 

So, das war sie nun, meine neue Geschichte. Was haltet ihr davon? Sie gefällt mir persönlich sehr gut (haha, Eigenlob!). Ich freue mich über jegliches Feedback! Ich sagte eingangs, dass es sich lohnen wird, nach dem Lesen hierher zurückzukehren. Und das tut es auch!

Ich habe nämlich Heute nicht nur die Geschichte tausend mal durchgelesen, sondern auch noch ein schönes, dazu passendes Stimmungsbild kreiert. Es zeigt das Mädchen vor den Monden. Daraus habe ich ein Teaserbild für die Startseite zusammengestellt (wer das noch nicht gesehen hat, unbedingt schnell auf www.enjor.ch nachschauen gehen – es sieht Amazing aus! [Oh, das Eigenlob wieder]). Für die eBook-Datei habe ich ein Cover erstellt und das alles will ich nun in der folgenden Galerie für euch bereitstellen:

Und was haltet ihr davon? (Ich weiss, einige Proportionen sind etwas seltsam… hihi)

Cheerio, Pfoffie

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7 Kommentare

  1. René Du hast wieder eine wunderbare Geschichte geschrieben! Ich bin ja nicht eine grosse leserin, aber wenn ich bei Deinen kurz Geschichten anfange zu lesen, dann packt mich das so, ich muss fertig lesen weil da bin ich mitten drinn, und sehe die Bilder vor mir und erlebe es mit!
    Ich wünsche Dir viel Glück bei der bewertung! Du schreibst so gut, dass es einem gerade mitreisst!!!… das Buchcover sieht auch super aus, gerade so habe ich es Bildlich vor mir gesehn!Mach weiter so, Du wirst noch ein guter Buchautor!
    Liebs Grüessli und noch ein schöner Ostermontag!

  2. Sie ist toll, spannend, überraschend, phantasievoll, schön!
    Wie sich der Tag übers Firmament schabt…wie die dunkelroten Locken in grossen Schrauben fallen….
    Ich gebe Bernadette Recht: Schreib weiter!
    Die Bilder gefallen mir auch. Der dunke Wald könnte noch drauf.
    Du hast so viel Phantasie! 🙂

  3. Hallo Zusammen 🙂
    Vielen dank für das tolle Feedback 🙂 Freut mich sehr, dass es euch so gefallen hat! :))

    lg Pfoffie

  4. Bitte ist gern geschehn, ich freue mich immer, wenn ich wieder eine Geschichte von Dir lesen kann!Bin nicht so eine lese Ratte aber Deine Geschichten reissen mich mit!
    Lg. Bernadette

  5. So nun bin ich endlich dazu gekommen, deine Geschichte zu lesen. Mir gefällt die Geschichte sehr gut. Sie entwickelt sich schnell, nimmt überraschende Wenden und zeugt von grosser Fantasie und Kreativität des Schreibers.
    Der letzte Abschnitt mit der eigentlichen Auflösung des Traumes und des Auges, etc. wirft mir aber Fragen auf. Ich verstehe diesen Abschnitt nicht wie wahrscheinlich von dir beabsichtigt. Vielleicht kannst du mir diesen Abschnitt noch einmal in anderen Worten zu schildern versuchen (den Scheibenwischer verstehe ich als Augenlid, beim Öffnen des Lids wird schlagartig bzw. „wischartig“ der Tag sichtbar; doch was meinst du mit den Kegeln? Beginn und Ende des Auges? Warum bzw. woran erkennt er, dass es ein Auge ist? Warum wird die weisse Kugel schwarz? Wenn es ihr Traum war, sieht der Erkennende von aussen auf sie herab, oder wie kommt er in ihren Traum bzw. träumt er nun ihren Traum, oder träumt sie von ihm und er [im Traum] erkennt dies, oder wie war das genau angedacht?).

    Also zusammenfassend finde ich die Geschichte sehr interessant und spannend, besonders der Zug-Part im Wald ist mitreissend geschrieben und schön fantasievoll. Der letzte Abschnitt müsste meiner Meinung nach deutlicher umschrieben werden, da ich persönlich nicht komplett verstehe, was nun genau passiert ist… Gerne höre ich mir deine Schilderung dazu an! 🙂

    Nicht so toll ist die Rechtschreibung. 😛

    1. Vielen Dank für dein Feedback! Ich freue mich, dass dir die Geschichte gefällt.

      Ich muss gestehen, die «futuristischer Scheibenwischer»-Sache gefällt mir auch gar nicht. Es ist so, dass dieser tatsächlich das Augenlied darstellen soll, die Kegel sollen die Wimpern sein. Die Kugel wird schwarz, weil sie zur Pupille wird. Woran er erkennt, dass es ein Auge ist, ist eine sehr gute Frage. Womöglich weiss er es einfach, womöglich sieht es auch einfach wirklich genau so aus wie ein Auge und die erste Umschreibung ist nur ein Versuch es zu erklären bevor er versteht was es ist.

      Der Hauptcharakter ist eigentlich ein Nebencharakter. Er ist eine Erfindung des Mädchens und existiert nur in ihrem Traum. Ich hatte die Idee einen Traum aus der Perspektive eines Traumcharakters zu schreiben, der gar nicht wirklich existiert. Beziehungsweise die Frage aufzuwerfen, ob Wesen, die wir im Traum treffen, vielleicht doch für die kurze Zeit des Traumes existieren, denken und leben. Deshalb hört er am Ende auch auf zu existieren.

      Hat das etwas geholfen? Bei weiteren Fragen freue ich mich, mir weitere Gedanken zu machen :)))

      Und bezüglich der Rechtschreibung … ich war schon immer jemand der eher originell als richtig schreibt. Eine Lehrerin meinte einst, ich sei ein sehr kreativer Mensch – insbesondere auch was Orthographie angehe. Die Geschichte ist aber auch aus 2011, damals achtete ich noch weniger auf sowas als heute. Zumindest bilde ich mir das ein. haha… Ich hoffe es war trotzdem einigermassen lesbar.

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