14. Oktober 2010 um 12:59 Uhr, 1 Kommentar

«Säure» – Eine ewige Erinnerung

Hoi zäme! 🙂
Ich will gar nicht viele Worte darüber verlieren. Es ist die vierte von vier Kurzgeschichten. Mehr Infos dazu und Links zu den anderen Geschichten gibt’s auf diesem Post.

«Säure» – Eine ewige Erinnerung

Ich stehe auf einem Betongebilde und vor mir rotiert eine riesige Schaufel. Die Schaufel dreht sich in einer ebenso beeindruckenden  Vertiefung im Boden. Es ist ein Sonntag und es muss um das Jahr 1997/98 herum sein. Ich bin nicht alleine. Jemand anderes steht neben mir. Er hatte mir versprechen müssen, dass wir uns die grossen Löcher im Boden anschauen gingen. Das war meine einzige Bedingung gewesen. Er ruft meinen Namen und ich drehe mich nach seiner Stimme um. Meine Augen finden ihn nicht, er ist verschwunden. Ich suche mit einem schnellen Blick die grosse Wiese ab, drehe mich zur nahe gelegenen Strasse aber kann ihn auch dort nicht finden. Ich gehe davon aus, dass er sich bei einem dieser Gebäude versteckt. Jenen Gebäuden, die die Schaufeln betreiben. Ich gehe auf eine nahe gelegene Säule zu und mustere Sie. Sie ist hoch und befindet sich unter einer art geschlossener Passerelle zwischen zwei der Gebäude. Ich schaue suchend um mich, finde ihn weder bei der Autobahn noch bei dem Bächlein. Jenem kleinen Dorfbach, über welchen wir überhaupt erst hier einbrechen konnten.

Neben mir bewegt sich etwas. Der säulenförmige Turm hat eine Tür, welche sich langsam öffnet. Ich sehe mich schon erwischt und will mich schnell von diesem Acker machen. Schnell erkenne ich jedoch, dass nur er es ist, der sich im Turm versteckt hat. „Wir müssen hier hoch!“, sagt er freudig und ich betrete nach ihm den Turm. Vor mir steigt er eine Sprossenleiter empor, während unter mir braune Jauche durchrauscht. Ich beginne zu klettern, er schaut runter und mahnt mich, aufzupassen. Würde ich nach unten und in die dreckig-braune Flüssigkeit fallen, würde ich sofort sterben. Oben angekommen erkenne ich, welchen Plan er verfolgt. Er ist mir schon voraus und durch den Tunnel gekrochen, der sich vor meinen Augen ausbreitet.

Der Tunnel ist genau jene Passerelle, die mir vorhin schon auffiel. Als ich von unten schaute, erkannte ich jedoch nicht, dass deren Boden nicht durchgehend , sondern nur ein Gitter ist. Ich kauere auf der einen Seite und beobachte, wie er erwartungsvoll am Boden auf der anderen Seite sitzt. Ich habe angst. Es ist zu hoch. Ich fürchte mich, herunter zu fallen. Ich sage ihm, ich hätte angst vor der Höhe. Er sagte, ich solle nicht nach unten schauen. Alles zureden seiner Seite half jedoch nicht und ich konnte mich nicht durchringen, über diese löchrige Brücke zu kriechen. „Stell dir einfach vor“, begann er, „ich hätte hier einen Hamburger für dich!“ Ich drehe mich wütend und meine, dass er mich mit einer Beleidigung schon gar nicht dazu bringen kann. „Warte“, sagt er und wiederholt seine vorherige Aussage. Dieses mal jedoch, ersetzt er Hamburger mit Computer und – warum auch immer – es funktioniert.

Wenige Minuten später bin ich über diese schreckliche Hürde gekrochen und klettere mit ihm aus der Passarelle heraus. Wir befinden uns in einem grossen Raum mit einer eben so grossen Tür. Ich sehe einen Warnhinweis: Man muss beim Betreten dieses Raumes Ohrenschützer tragen. Er geht auf die Tür zu, öffnet sie leicht und schaut mich ernst an. „Du musst dort drin die Ohren geschlossen halten, sonst wirst du radioaktiv verstrahlt!“ Ich halte mir die Ohren zu, er reisst am braunen Türflügel. Der Durchgang steht offen und wir rennen durch einen Raum voller wirrer Rohre und anderen Dingen, die wir weder erfassen, noch verstehen können. Auf der anderen Seite stehen wir in einem Treppenhaus und wissen genau, wo wir hin müssen.

Einige Augenblicke später stehen wir im Labor. In der mitte hat es einen Tisch mit Labordingen drauf. Wir suchen etwas, ich bin mir nicht sicher, wonach ich ausschau halte aber es muss in jedem Fall etwas mit Kieseln oder Ameisen zu tun haben. Ich finde nichts und schaue mich nur um. „Da, das ist es!“ Ich erwache aus meinen Gedanken und gehe auf ihn zu. Er dreht sich zu mir um und hält eine styropor-Box in den Händen. Mein Bester Freund und die styropor-Box, die unser heiliger Gral zu sein scheint. „Da ist sie drin“, sagt er mit einem unglaublichen glanz in den Augen. „Die Säure!“

Ende

Ich muss sagen, das war wohl einer der aufregendsten Tage in meinem Leben. Die „Geister im Schlafzimmer, Haus oder auf dem Friedhof „-Tage kitzelten die Nerven natürlich auch ganz schön, aber der Säuretag, ja der bleibt ungeschlagen. Diese latente Gefahr erwischt zu werden, die höhenangst, die natürlich nicht vorhandene, radioaktive Strahlung. Ein Tag aus Angst, Spannung und Hoffnung. Und ja, wir waren wirklich dort, um Säure zu stehlen. Und nochmal ja, es hatte auch wirklich Säure in jenen styropor-Boxen.

Ich glaube es waren acht oder zehn Reagenzgläser, die mit einer gelben Flüssigkeit gefüllt waren. Wir holten alte Konfitüre-Gläser bei meiner Mutter und gingen in jene Halle, die ich in der ersten Geschichte erwähnte, mit de Säure spielen. Wir wollten herausfinden, welche Art von Säure es ist und unser Ergebnis war: Es war keine Kieselsäure, sondern Ameisen-, Käfer-, Blatt- oder Erdensäure. Wie wir das herausfanden will ich jetzt nicht erzählen. *haha*

Weiter ist auch noch interessant zu erwähnen, dass wir einer latenten Gefahr ausgesetzt waren, welcher wir uns gar nicht bewusst waren. Wir wollten unsere Experimente eigentlich mit Jogurt-Bechern machen. Zum Glück hatte es nur Konfitüre-Gläser.

Kleine Kinder und Säure, was für ein Spass das war – hui! Und wer mir nicht glaub, darf gerne die wahrscheinlich noch Heute vorhandenen,  Bodenverätzungen anschauen gehen, die unsere Ameisenkäferblatterdensäure gemacht hat, nachdem sie uns gelangweilt hat und wir sie einfach auf den Boden gekippt haben.

So, das war’s mit den Geschichten. Vielleicht werde ich morgen noch ein kleines Resumee diesbezüglich posten. Ja, das wäre eigentlich eine gute Idee.

Ich hoffe, ihr hattet euren Spass oder auch euer Mitgefühl an den Geschichten. Jegliche Kommentare, Kritiken und so weiter sind natürlich sehr willkommen.

Cheers, euer Pfriter

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