9. Mai 2007 um 21:01 Uhr, 6 Kommentare

Leuchtenzyklus 1: Das Licht

Hallo ihr Lieben,
Nun, den ersten von 3+1 Teilen des Leuchtenzyklus (so nenne ich meine 3 bzw. 4 Teilige Kurzgeschichte über diese Glücklichen) habe ich gerade fertiggeschrieben. Wie gesagt, ich will bei diesem Projekt nur den Grundgedanken aufzeigen und für einen kurzen Moment festhalten, deshalb werden es auch nur 3 (4) ganz kurze Kurzgeschichten sein.
lest lest leeest…

Das Licht

Ich hatte Zweifel. Ich tat den Schritt nur zögerlich. Doch woher ich komme und wohin ich kam, ist jetzt nicht wichtig, denn eigentlich bin ich noch immer am selben Ort. Am selben Ort, an dem ich geboren wurde. Am selben Ort, an dem ich meine Familie verlor.
Licht, alles war voller Licht. Es blendete mich am Anfang und es blendet mich noch immer. Ich bin jetzt in einem hell erleuchteten Raum, es ist eine Toilette. Ja. Draussen sind einige von ihnen. Ihnen, denen Anderen, welche mich für den Anderen halten. Es sind die letzten, sie werden sterben. Es kümmert sie nicht.
Ja, alles war voller Licht. Das erste was ich sah, war eine hell erleuchtete, weisse Stadt. Meine Stadt. Ein blauer Himmel und eine unendlich beruhigende Stille. Ich hielt es für den Himmmel. Oh ja, der Himmel. Ich begann vom Hügel zur Stadt zur wandern. Die Stille blieb. Keine Stimmen, kein Geräusch.
Auch jetzt habe ich ab und an das Gefühl, etwas zu hören, doch ist es immer nur Einbildung. Immer nur Einbildung…
Gut, es war Still. Aber nicht unheimlich Still. Ich begegnete den ersten Menschen. Sie waren alle weiss gekleidet. Mit weissen Haaren. Ich traf niemanden, der Jünger als vierzig jahre alt war. Alle lächelten zufrieden. Ich musste im Himmel sein. War mein Ziel also erreicht?
Es ist die Hölle. Eine Hölle aus Zufriedenheit und Glück. Es vergingen Jahre bis ich mit ihnen zumindest leichte Kommunikation aufnehmen konnte. Keiner von ihnen sprach. Sie konnten sich kaum an ihre Sprache erinnern. Es war und ist ihnen auch egal.
Ich habe von ihnen herzlich wenig erfahren. Ausser dass es ihnen gut geht und sie glücklich sind, konnten diese Anderen nicht viel berichten. Mit den Jahren haben sie sich immer weniger bewegt, sind nur noch gesessen und haben zufrieden ins Nichts des Weiss gestarrt.
Ich habe nach Bildern gesucht. Kunst brauchen sie aber keine, sie sind ja bereits glücklich. Ich habe nach Texten, Zeitungen gesucht. Informationen brauchen sie aber keine, sie sind ja bereits glücklich.
Und trotzdem habe ich Aufzeichnungen gefunden, sie sind vom letzten der Anderen, der noch so war, wie ich jetzt bin. Sie hatten einen Weg gefunden, unendliches Glück zu erreichen. Eine Maschine. Es war genau das, wonach wir suchten.
Ich werde nie an den Ort dieser Maschine gehen. Ich werde hier bleiben, bei diesen Anderen. Ich werde nicht zulassen, dass in meiner Stadt, auf meinem Planeten, dasselbe passiert.
Ich bin auf der Toilette und schreibe auf Toilettenpapier. Das habe ich bereits einmal getan. Wenn ich meine alten Aufzeichnungen anschaue, weiss ich, dass ich von Anfang an Zweifel hatte. Ich werde das Toilettenpapier in meine Jackentasche stecken und zu den Anderen im Nebenraum gehen. Bald werden sie auch tot sein. Ich werde alleine sein. Wie lange werde ich alleine sein? Wird jemand meine Aufzeichnungen finden?
Ich versuchte sie damit zu konfrontieren, dass sie bald alle tot wären und nichts zurückliessen, als eine leere, tote Welt. Es kümmerte sie nicht, die Maschine hatte sie gelehrt, mit dem Tod umzugehen. Sie brauchen kein Ewiges Leben, sie sind ja jetzt bereits glücklich. Sie brauchen keinen Sex, sie sind ja jetzt bereits glücklich. Sie brauchen keine Kinder, sie sind ja jetzt bereits glücklich.
Es hatte alles keinen Sinn, ich habe und hatte nie eine Chance. Wie schnell wird mich die Stille erdrücken, wenn ich erst einmal ganz alleine bin?
Ich habe Angst.

Nun, wie fandet ihr den „Auftackt“ zu meinem „Kurzgeschichtenepos“? 😀 hehe…
Nun, ich freue mich über jegliche kritik und so 😉 aber sagt nicht, es sei zu kurz, wer das sagt, hat’s nicht verstanden 🙂
euer pfoffie

6 Gedanken zu „Leuchtenzyklus 1: Das Licht“

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