27. Dezember 2006 um 1:05 Uhr, 3 Kommentare

Der Zug – Eine kleine Geschichte…

Hallo Liebe Leser…
… Heute mal was ganz neues. Und zwar will ich euch eine kleine Geschichte erzählen. Sie handelt von Simone. Simone ist eine nette junge frau, welche sich auf eine Zugfahrt begibt, auf welcher ganz seltsame Dinge vor sich gehen…
Es ist eine Kurzgeschichte, welche ich am 2. juni 2006 geschrieben habe.
Wer sich dafür interessiert… kann ja auf folgenden Link drücken…

Der Zug

Simone wusste nicht, dass die nächste Reise ihre letzte hätte sein können. Doch sie spürte, dass etwas nicht stimmte. Deshalb freute sie sich auch nicht so sehr. Obwohl. Sie würde danach Paul wieder sehen. Aber tat sie das auch wirklich?
Sie betrat den Zug mit gemischten Gefühlen. Sie freute sich auf das Ziel. Sie freute sich auf Paul. Doch es war der Weg, der ihr Sorgen bereitete. Sie wusste nicht warum, doch sie spürte die Angst, als sie den Zug betrat.
Es klingelt. Ihr Handy klingelt. Paul. „Warum bist du nicht da? Ich hätte dich mit dem Wagen holen sollen…“, „Es ist schon gut“, sagt sie ihm. „Bitte vergib mir..“, sie will noch etwas sagen, doch die verbindung reist ab. Sie hat keinen Empfang mehr. Sie betritt das Zugabteil und setzt sich auf einen freien Platz. Es sitzt ihr eine Frau gegenüber. Sie ist ungefähr 80 jahre alt. „Oh junges Mädchen“, sagt sie zu ihr und lächelt, „ist schon schade, dass du auf diesem Zug bist, nicht wahr?“. „Nein, ich werde am Ende der Zugfahrt meinen Geliebten wieder sehen“. „Oh ist er denn auch schon dort?“, fragt die Alte und fügt hinzu, „Wie alt ist er denn?“. Paul war 28, aber warum fragte die Alte das? „Oh, auch so jung. Aber du machst diesen Weg doch nicht wegen ihm, oder?“, sie wirkt nachdenklich, „Wie lange ist er denn schon dort?“. In diesem Moment fährt der Zug los. Simone schaut sich um. Das seltsame Gefühl packt sie wieder. Die Frau war nett aber es wimmelte in diesem Zug nur so von alten Menschen. Es hatte nur vereinzelt jüngere.
„Wie bitte? Was haben sie gefragt?“, fragt Simone die Alte. Die Alte wiederholte und fragte, wie lange Paul schon dort wohne. „oh, seit seiner Kindheit, er ist dort aufgewachsen“. „Aufgewachsen? Er ist einer von ihnen?“, fragt sie. „Wen meinen sie mit «Ihnen»?“, fragt Simone. „Na «Sie» eben. Die welchen, die dort leben…“. Simone will darauf reagieren, doch ihr Mobiltelefon klingelt. Es ist ihre Mutter. Es war ihre Mutter. Sie weinte. „Was ist los Mutter?“, fragte Simone. „Simone, warum musste das nur geschehen? Womit haben wir das verdient? Warum bist du gegangen?“ Simone war durcheinander, ihre Mutter wusste doch, dass sie für eine Woche zu Paul gehen würde. „Ach, das geschieht manchmal.“, meint die alte Frau, „wenn sie uns rufen, können wir das eben manchmal hören.“ Simone will etwas dazu sagen, doch die Alte fährt fort. Während der Zug in einen Tunnel fährt, spricht die Alte weiter. „ich höre meinen Mann auch andauernd. Er ist auch immer noch Zuhause.“ Der Zug hält im Tunnel. „Wo sind wir? Ich kann mich an keine Haltestelle in einem Tunnel erinnern“. „Erinnern? Sie haben diese Reise schon einmal gemacht? Ich weiss nur, dass diese Station nicht die meine ist, aber ich nehme mal an, dass ich weiss, welcher Ort es ist.“ Simone will nachfragen, als der Zug mit einem starken ruck zu fahren beginnt. „Wann ist es bei Ihnen geschehen?“, fragt die alte. „Was denn?“, fragt Simone zurück. „Na das Ende natürlich…“, meint die alte nur. Simone schaut einen kurzen moment aus dem Fenster und überlegt, was diese Frau wohl meinen könnte. Sie schaut aus dem Fenster, sie sieht eine Wiese und Berge, welche sie aber noch nie gesehen hat. Sie bekommt es mit der Angst zu tun. „Könnten sie mir bitte mal sagen, wo dieser Zug hinfährt?“, fragt Simone die alte.
Paul verlässt mit gemischten Gefühlen das Haus. Konnte es wirklich sein? Sie hatten ihn angerufen, nachdem sie von der Polizei informiert wurden. Sie würden in dreissig Minuten dort sein. Er würde eine Stunde brauchen. Er setzt sich in seinen Wagen. Er wollte sie doch eigentlich mit dem Wagen holen. Doch sie wollte die Reise alleine machen, sie wollte ihn entlasten. „Warum bist du nicht da?“, sagt er leise, “Ich hätte dich mit dem Wagen holen sollen…“ Er macht eine Pause. „Bitte vergib mir..“, sagt er und fährt los.
Susanne und Alexander kommen am Ort ihrer schlimmsten Befürchtungen an. Ihre Tochter sei tot. Das konnte doch nicht sein. Ein Zugunglück. Das Konnte doch nicht sein. Und nun. Sie mussten bestätigen dass sie es war. Das schlimmste was sie sich je vorstellen konnten. Sie betraten den Leichenraum. Sie sehen sie. Es ist Simone. Susanne bricht zusammen. „Simone, warum musste das nur geschehen? Womit haben wir das verdient? Warum bist du gegangen?“, weint sie. Alexander nimmt sie in den Arm und sie gehen auf den Flur und warten auf Paul.
Als Paul ankommt sind sie beide auf dem Flur eingeschlafen und er geht leise an ihnen vorbei. Er betritt den Leichenraum und sieht sie. Seine Liebe. Simone. Sie liegt da. Sie ist tot. „Paul?“ Es sind Susanne und Alexander. Sie sind aufgewacht. Er dreht sich nach Ihnen um. Die trauernden Blicke treffen sich. Er dreht sich wieder zu Simone. Doch es ist nicht Simone. Es war nie Simone. Susanne und Alex treten heran. „Das ist nicht meine Tochter!“, sagt Alexander. In diesem Moment klingelt das Handy von Paul.
„In den Tod, dieser Zug fährt in den Tod.“, sagte ihr die Alte. Simone versteht das nicht, „Wie «in den Tod»?“. „Du bist tot Mädchen, weißt du das nicht? Ich hatte einen Zugunfall, wir sind hier alle tot“ – „Aber Paul!?“ – „Er lebt wohl noch. Warum weißt du nicht, dass du tot bist?“ – „Ich bin nicht tot! Ich werde bei der nächsten Station aussteigen“ – „Das werden wir alle, Liebes“ Simone steht auf und rennt zum Ende des Abteils. Sie öffnet die Tür und betritt den Eingangsbereich. Sie öffnet die Waggontür und sieht aus dem fahrenden zug. Was sie sieht ähnelt einer Winterlandschaft. Doch es sind Wolken. Als sie genauer hinsieht, erkennt sie, dass sich in den Wolken eine Art Bild projiziert. Sie sieht Paul. Ihr Paul. Er betritt einen Raum. Es ist eine Leichenhalle. „Was tust du da?“, fragt die alte, welche auf einmal hinter Simone steht. „Ich weiss nicht, ich verlasse den Zug!“ – „Warum? Haben sie sich nicht mit ihrem T… ist das mein Haus?“ die Alte schaut auf die Wolken, sie sieht das Haus, in welchem sie mit ihrem Mann Fred lebte. Bis sie starb. Sie schaut in Simones Augen und steht neben sie. Sie schaut in die Wolken. Und dann springt sie. Sie fällt in die Wolken, sie fällt und fällt. Das Bild ihres Hauses umgibt sie. Simone steht immer noch im Waggon, sie sieht immer noch Paul. Er sieht ihre Leiche. „Paul?“, sie hört die Stimme ihrer Mutter. Paul dreht sich um. Simone springt. Sie fällt in die Projektion von Paul. Sie fällt und auf einmal wird alles Schwarz.
Paul dreht sich wieder zu Simone. Doch es ist nicht mehr Simone. Es war nie Simone. Susanne und Alex treten heran. „Das ist nicht meine Tochter!“, sagt Alexander. In diesem Moment klingelt das Handy von Paul. Es ist Simone.
Ein Mann läuft an Geleisen entlang, seine Frau starb an diesem Ort. Die Trümmer des Zugunglücks liegen herum. Es ist dunkel. Vor ihm sieht er den umgekippten Zugabteil, in welchem seine Frau gefunden wurde. Sie war sofort tot. Auf einmal sieht er, wie jemand aus dem Zugabteil klettert, er ist zu weit weg um nähere Details zu erkennen. Er sieht wie diese Person einer zweiten Person aus dem Waggon hilft. Die erste Person holt ein Mobiltelefon hervor und tritt etwas von der zweiten Person weg. Er ist in dieser Zeit einiges näher gekommen und erkennt, dass es sich um zwei Frauen handelt. Er kommt immer näher und auf einmal erkennt er die Frau, welche auf dem umgekippten Abteil steht. Er beginnt zu rennen, er rennt auf die Frau zu. Ausser Atem kommt er beim Abteil an. Aber trotzdem schafft er es noch, dieses eine Wort zu sprechen, diese eine Frage, welche ihm im Moment die ganze Welt bedeutet. „Anna?“, fragt er. Sie schaut ihn an und ruft, „Fred?“

– Ende –

Ich hoffe, die kleine Geschichte gefiel.
Viele Grüsse, euer Pfoffie

3 Gedanken zu „Der Zug – Eine kleine Geschichte…“

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