27. November 2015 um 12:00 Uhr, 1 Kommentar

Am Mittwoch war ich nach Jahren mal wieder beim Arzt

Ich hatte Angst, war aufgeregt, fühlte mich unsicher. Vermutlich aus einem anderen Grund als ihr denkt. nodoc

Seit einigen Monaten habe ich ein komisches Drücken irgendwo im Fleisch zwischen meinen Kieferknochen. Es ist schwierig zu beschreiben, wo es genau ist, da ich dafür kein Wort kenne. Das richtige Wort dafür wäre aber wohl Glandula sublingualis. Aha! Das Drücken kam und ging, wurde manchmal schlimmer und manchmal merkte ich es kaum. Am Wochenende wurde der Druck aber echt so stark, dass es an Schmerz grenzte. Das bereitete mir dann schon ein bisschen Sorgen. Man weiss ja nie! Und ich bin ja auch keine zwanzig mehr. Aus diesem Grund vereinbarte ich einen Arzttermin – nach acht geschlagenen Jahren zum ersten Mal wieder. In der Zwischenzeit hatte ich einen Arzt in Olten bei dem ich NIE war.

Der Tag kam und ich musste mich auf den Weg machen. Ich hatte ein total mulmiges Gefühl… Nicht, weil ich Angst vor einem Tumor oder etwas Ähnlichem hätte, sondern vor dem Arzt. Beziehungsweise vor dem dorthin Gehen. Seit Ewigkeiten schleppe ich eine latente Sozialphobie mit mir mit. Früher bereitete es mir nur schon grosse Schwierigkeiten, Läden, Restaurants und all sowas zu betreten. Doch eines Morgens wachte ich auf und hatte keine Lust mehr. Keine Lust mehr darauf, Angst zu haben aber vor allen Dingen keine Lust mehr darauf, eingeschränkt – quasi behindert – zu sein. Und so zwang ich mich in immer mehr unangenehme (für andere Leute total normale, tagtägliche) soziale Situationen. Auch heute spüre ich diese irrationale Angst noch oft. Vor allem bei Restaurants. Aber ich kann sie kontrollieren, beziehungsweise akzeptieren und mich nicht mehr übermannen lassen.

Es gibt aber einige Hürden, die ich noch immer vor mir herschiebe, hinauszögere. Zum Beispiel ein Arztbesuch. Ich wünschte ich könnte sagen «Ich geh‘ nicht zum Arzt, weil ich so hart im Nehmen bin!» aber es wäre gelogen. Klar würde ich auch sonst nicht wegen jeder Kleinigkeit gleich zum Doktor rennen. Aber ich würde sicher nicht mehr 8 Jahre warten. Nun, am Mittwoch habe ich es nun endlich getan.

Ich machte mich auf zum Arzt, der im selben Gebäude ist, wie ich wohne. Stand 2 Minuten später am Empfang, weitere 5 Minuten später im Untersuchungsraum und nach 20 Minuten war ich wieder draussen mit der angenehmen Diagnose «Nichts». Meine Angst? Die war ununterbrochen an vorderster Front aber ich habe es einfach getan. Es gab sogar eine unangenehme, peinliche Situation: Nach der Untersuchung wusste ich nicht, ob ich jetzt einfach die Praxis verlassen darf oder noch etwas am Empfang machen muss. Da habe ich dann irgendeine total bescheuerte Frage gestellt um das abzuchecken. Früher hätte mich das Wochen- oder Jahrelang verfolgt. Am Mittwoch bin ich fröhlich und über mich selber lachend in den Lift gestiegen und habe gedacht: Das ist perfekt für meinen Blog.

Ich wünsche euch ein wunderbares Wochenende!

Pfoffie

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