28. Oktober 2015 um 12:07 Uhr, 1 Kommentar

Der englische Friedhof

Mein Bruder erzählte mir einst von einem unheimlichen Geisterfriedhof in Meggen. Irgendwann nahmen wir allen Mut zusammen und gingen auch dort hin. Es war anders als erwartet.halloween3

Ich weiss nicht genau wie lange es her ist, aber ich war so um 18 Jahre alt. Damals verbrachte ich viel Zeit mit Caroline und ihrem damaligen Freund. Wir liebten alles übernatürliche und schauten Horrorfilme am laufenden Band. Natürlich erzählte ich ihnen also vom «englischen Friedhof» über den mir mein Bruder Jahre zuvor schon berichtet hatte. Sie waren total fasziniert. Damals war’s mit dem Internet und GPS noch nicht so toll und einfach wie heute und es stellte sich als überraschend schwierig heraus, diesen englischen Friedhof zu finden. Ich erinnere mich, wie wir sogar auf einer echten, gedruckten (auf Papier!!) Karte nachschauten.

Wir irrten also durch Meggen und fuhren gefühlte hundert mal an einem wirklich extrem gruseligen Haus vorbei (wo heute «Exklusive und priviligeirte 2.5 bis 4.5-Zimer-Wohnungen» stehen). Wir verzweifelten fast und waren kurz davor einfach den normalen Friedhof in Meggen zu besuchen. Aber das wäre natürlich total enttäuschend, weil ein normaler Friedhof ist ja nicht gruselig um Mitternacht. haha. Schliesslich erkannten wir, dass wir ganz genau die Strasse hätten nehmen sollen, die am gruseligen Haus vorbeiführte und erreichten irgendwann endlich den Friedhof.

Wir erkannten den Friedhof aus zwei Gründen: Mein Bruder hatte gesagt, dass eine Strasse ihn in zwei Teile teile und er deshalb «entweiht» sei. Der Friedhof, den wir gerade gefunden hatten, war tatsächlich durch eine Strasse geteilt. Das zweite Indiz war eine Bushaltestelle mit dem Namen «Englischer Friedhof». Eigentlich hätten wir beim betreten des Friedhofs die brennenden Kerzen zählen sollen. Das Gerücht war, dass die Geister Grablichter anzündeten #gruseligesGeisterhobby. Aus irgendwelchen Gründen hatten wir das aber vergessen.

Die Stimmung war sehr unheimlich. Wir hatten so viele Geschichten von diesem Ort gehört. Es gäbe ein Grab mit der Inschrift «Satan» und all so Zeug. Natürlich war es stockfinster, was auch sehr viel zur aufkommenden Angst beitrug. Plötzlich hörte ich ein unheimliches Stöhnen. Caroline drückte meinen Arm. «Was war das?», fragte sie erschrocken. Das Stöhnen erklang erneut. Es schien sehr weit weg zu sein und trotzdem beängstigend. Ich war aber auch ein bisschen verwundert: Von Zombies hatte niemand etwas gesagt. Mein erfinderisches Gehirn hatte aber natürlich gleich eine Lösung für diesen Missstand: «Keiner hatte je die Begegnung mit den Zombies überlebt!»

Das Stöhnen ging weiter und wir blieben noch einige Momente voller Furcht auf dem Friedhof. Schliesslich verliessen wir ihn und es dämmerte mir, dass das Stöhnen höchstwahrscheinlich von Kühen kam. Beruhigt aber noch immer total vergruselt stiegen wir ins Auto und fuhren zurück. Ich versuchte die anderen (und mich) davon zu überzeugen, dass das Stöhnen wirklich von Kühen kam.

Beim gruseligen alten Haus mussten wir wegen einer roten Ampel kurz anhalten. Da huschte etwas weisses hinter dem Auto vorbei. Ich dachte es sei irgendeine Person und drehte mich danach um, aber da war niemand. Ich schaute wieder nach vorne und sah wie mich Carolines Freund durch den Innenrückspiegel anstarrte. Schliesslich sagte er: «Du hast es auch gesehen, oder?»

Cheers, Pfoffie

One thought on “Der englische Friedhof”

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.