30. März 2015 um 12:19 Uhr

Warum mein Job auch anstrengend ist.

Ich spiele meinen Job oft runter. Wenn mich jemand danach fragt, erzähle ich immer, dass ich halt einfach ein bisschen vor dem Computer sitze und ein vor mich hin klicke. Gleichzeitig bin ich immer beeindruckt, wenn mein Gegenüber irgendeinen Job macht, der körperlich anstrengend ist. Da schäme ich mich dann oft sogar für meinen «easy-job». Dennoch bin ich an vielen Abenden total müde und erschöpft und kaum mehr zu gebrauchen. Woran liegt das, wenn meine Arbeit doch so easy ist?

Letzte Woche – aufgrund unseres neuen Webauftritts – wurde ich konzentriert mit einigen der schwierigsten und gleichzeitig häufigsten Herausforderungen meiner Arbeit konfrontiert. Diese möchte ich hier mit euch teilen. Vielleicht ein bisschen, um mich zu rechtfertigen. Vor allem aber, um mich selber davon zu überzeugen, dass mein Job wirklich auch nicht Ohne ist.

Tausend verschiedene Dinge

Das generell Schwierigste an meinem Job ist wahrscheinlich, dass man niemals nur an etwas arbeitet. Das ist herausfordernd, weil es immer so ist. Andere Schwierigkeiten, wie ihr noch sehen werdet, kommen und gehen, diese ist immer gleich. Man hat seinen Kopf bei der aktuellen Aufgabe A. Gleichzeitig denkt man im Hinterkopf über die auch akuten Projekte X und Z nach und wünscht sich vielleicht, lieber an denen zu arbeiten. Dann kommt eine E-Mail mit zwei roten Ausrufezeichen und das Telefon klingelt. Am Telefon wird einem von einem schlimmen Fehler in Projekt F berichtet. Die E-Mail erzählt von einem anderen genauso schlimmen Fehler in Projekt E. Die Pendenzen sind kaum zu bewerten und priorisieren. Es sind beides Fehler, beide von Projekten die man seit Wochen oder Monaten oder Jahren nicht mehr angeschaut hat. Man wählt ziemlich zufällig, worum man sich zuerst kümmert und wird dann mitten drin von einem lieben Arbeitskollegen unterbrochen, der sich hingestellt und «chasch mal schnell» gesagt hat.

Ich möchte mich darüber nicht beschweren. Ich hatte schon «grosse» Projekte, die sich ununterbrochen über Monate hinzogen und das hat mich (gelinde gesagt) gelangweilt. Eigentlich bin ich also wirklich froh, dass es so ist. Aber es ist wie das Wetter: Manchmal ist es angenehm und manchmal ist es viel. Letzte Woche war es einmal so viel, dass ich einen armen Kollegen anfauchte, weil er sich einfach mit einem Stuhl neben mich gesetzt hat. Tja, Kollateralschaden.

Übrigens: An Aufgabe hat man dann etwa drei Stunden lang nicht mehr gearbeitet und alles wieder vergessen.

Tausend unerwartete Probleme

Auch eigentlich ein Vorteil meines Jobs sind die kniffligen Probleme die einen stets begleiten. Und mit stets meine ich wirklich ununterbrochen. Es gibt Tage, da kann ich nicht mal eine einfache Textänderung ausführen, ohne dabei einen Fehler auszulösen. Bei der schrecklichen Firma, in der ich vorher gearbeitet habe, hat man mir dies oft vorgeworfen. Inzwischen weiss ich jedoch, dass es total normal ist. (Nein, das rede ich mir nicht nur ein haha). Programme und seien es auch «nur» doofe, einfache Websites, sind so oft so seltsam miteinander verknüpft, dass die einfachste Änderung A einen unerwartete Fehler auf der Seite Z auslösen kann. Das ist unprüf- und unvermeidbar. Man kann so «alles» wie möglich prüfen – irgendwas geht einem immer durch die Lappen. Oft ist es, weil man am Projekt einer anderen Person arbeitet. Aber da selbst die einfachsten Projekte sehr komplex sein können, verliert man schnell den Überblick, was wie warum wo verbunden ist. Selbst bei den eigenen Projekten.

Und zwischendurch entscheidet sich auch noch der Adobe Dreamweaver dazu, einfach die aktuell bearbeitete Datei zu zerstören.

Tausend gleichzeitige Deadlines

Es gibt Zeiten, da schiebt man eine ruhige Kugel. Diese Zeiten sind zwar nervig, aber auf keinen Fall anstrengend. Doch dann rufen die Kunden A-Z an und sagen «ah übrigens, das muss dann nächste Woche fertig sein». Projekt A nimmt man auf Montagmorgen, B auf den Nachmittag, C auf Dienstag und so weiter. Aber eine Woche hat nur sieben Tage und man sollte auch nicht mehr als 8.4 Stunden arbeiten pro Tag. Doch dann kommt der Montagmorgen und mit ihm «Tausend verschiedene Dinge» und «Tausend unerwartete Probleme» und ehe man sich versieht, ist Montagnachmittag und man hat nicht das kleinste Bit bei Projekt A verschoben. Man versucht dann alles am Nachmittag zu machen, schafft einen Teil, arbeitet länger und muss trotzdem irgendwas auf den nächsten Tag verschieben. Dann ist natürlich von Anfang an der Wurm drin. Projekt A verschiebt B-Z und weil auch B-Z immer wieder mit «Tausend verschiedenen Dingen» und «Tausend unerwarteten Problemen» gepaart sind, wird immer mehr und weiter verschoben. Diverse Deadlines werden nicht eingehalten werden können. Erneuter Kollateralschaden. Früher habe ich mich bei Softwareherstellern immer gefragt, warum die es nie schaffen, ihre Deadlines zu halten. Heute weiss ich es. Viele Denken übrigens, dass das inzwischen besser geworden ist, ist es aber nicht. Die verschobene Deadline wird inzwischen einfach mit einem BETA-Banner verhindert.

Tausend komplexe Zusammenhänge

Das habe ich schon ein bisschen angesprochen. Aber es geht nicht nur um die Zusammenhänge, die man nicht kennt und Fehler auslösen, sondern auch um die, die man kennt. Kein Projekt ist wie das Andere. Natürlich gibt es Ähnlichkeiten und Überschneidungen, aber dennoch hat man im Gehirn für jede Aufgabe, jedes Projekt, jede Einzelheit irgendwas gespeichert. Ja, man könnte es aufschreiben, aber das würde den Platz im Gehirn auch nicht freigeben. Kein Wunder fühle ich mich, als ob ich verdumme, wenn mein Gehirn ständig mit solchen Dingen überfüllt wird.

Unter’m Strich liebe ich meinen Job für seine schwierigen Phasen, auch wenn ich sie währenddessen verdamme. Und ich denke, das ist in den meisten Jobs so. Ich bin mir nicht sicher, ob ich nun wirklich beantwortet habe, warum mein Job auch anstrengend ist. Wahrscheinlich ist der Kopf, das Gehirn, genau wie ein Muskel. Wenn man es benutzt, verbraucht es Energie und das ist wohl genauso erschöpfend, wie wenn man die richtigen Muskeln braucht. Deshalb gibt es wohl auch keine Jobs, die Kopf und Muskeln gleichzeitig benötigen… Oder gibt es das doch und ich weiss es einfach nicht?

muskel

An den Umkehrschluss, dass das Gehirn stärker wird, wenn man es öfter benutzt, glaube ich übrigens nicht. Wie gesagt: ich wärde imer dühmer. Vielleicht brauche ich es aber einfach wirklich zu wenig.

Cheerio und eine gute Woche,
Pfoffie

 

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