3. Dezember 2014 um 13:28 Uhr

Erwartungen von damals verglichen mit den Erfahrungen von heute

Ich fuhr Fahrrad, wie so oft in letzter Zeit. Es war Nacht, etwas neblig und regnerisch aber warm. Die Stimmung war total geil und ich hörte Musik. Plötzlich spielte Robert Miles seinen Children-Song. Macht euch auf einen leicht ziellosen Beitrag gefasst! 🙂

Children war in meiner Kindheit eines meiner Lieblingslieder. Was sehr schlimm war, denn ich besass die CD/Kassette nicht und war darauf angewiesen, den Song im Radio zu hören oder auf einem der Musiksender zu sehen, die damals noch Videoclips abspielten.

(Ganz schlimm, diese Zeit damals, wo man nicht einfach IMMER ALLES JETZT GLEICH haben konnte)

Mädchen schaut aus dem Auto
Mädchen schaut aus dem Auto

Im Videoclip, den ich liebe, fährt ein kleines Mädchen auf dem Rücksitz eines Autos herum. Die Bilder flackern vor ihrem Fenster vorbei. Der Song und das Video wirkten auf mich immer sehr mystisch und mysteriös. Etwa gleichzeitig war auch ein Remix vom X-Files-Soundtrack aktuell. Die beiden Videoclips (auch die Musik) sind sich sehr ähnlich. So ähnlich, dass ich sie immer miteinander vermischt habe. Erst dieses Jahr wurde mir überhaupt klar, dass es zwei unterschiedliche Lieder sind. Im Videoclip zum X-Files Song, fährt auch ein kleines Kind umher. Es fährt hier aber nicht im Auto, sondern selber mit dem Fahrrad.

Diese beiden Songs haben mich sehr geprägt! Ich stellte mir immer vor, wie ich – wenn ich dann mal gross bin – alleine durch die Nacht radeln und dabei solche Musik anhören würde. Leider hat es nun fast 20 Jahre gedauert, bis ich das wirklich gemacht habe.

Es war schon schön. Ja, der Song hat zur Stimmung gepasst und es war auch irgendwie «unterhaltsam», obwohl dieses Wort eigentlich gar nicht beschreibt wie es war. Aber das Gefühl, das ich mir erhofft hatte, blieb aus. Dieses spezielle irgendwas, das ich mir früher immer gewünscht hatte und doch auch so genau wusste, wie es sein würde, kam nicht.

Ach, ich weiss gar nicht mehr, was ich überhaupt schreiben wollte. Genauso wie mir jenes Gefühl – in jeder Form – abhanden gekommen ist, ist mir auch der eigentliche Sinn dieses Posts abhanden gekommen. Wollte ich sagen, dass alte Erwartungen niemals erfüllt werden können? Ob ich wohl zu meinem früheren Ich zurückkehren und es warnen würde? «Achtung, kleiner René, freu‘ dich nicht auf das Gefühl, es existiert nicht!» Oder war die Erwartung an das Gefühl schon bereits das Gefühl selbst? Und jetzt, wo ich die gewünschte Sache wirklich haben kann, ist sie wertlos geworden?

Womöglich wünsche ich mir in Wahrheit gar nicht das, was ich damals erwartet hatte.
Eher wünsche ich mir wohl einfach das Gefühl von damals zurück.

Man sagt ja, Vorfreude ist die beste Freude. Weil sie unmotiviert und bedingungslos ist? Alles was von der Theorie zum Fakt wird, verliert seinen Reiz. Es ist wie mit Ängsten oder Zaubertricks. Wenn man erst mal fällt, hat man keine Höhenangst mehr. Und wer Zaubertricks versteht, sieht in ihnen nichts magisches mehr.

Ich drehe mich inhaltlich im Kreis 🙂 Dieser Post ist ja unglaublich… Manchmal schaffe ich es halt einfach nicht, meine Gedanken zu entwirren. Ich frage mich nun, ob ich den Post überhaupt veröffentlichen soll. Ach! Ich veröffentliche ja eh alles 🙂

Es ist, wie wenn man sich immer immer immer etwas wünscht und wenn es irgendwann in Erfüllung geht, ist es doch nicht so toll. Wie Stars, Filme, Musikalben die nicht den Erwartungen entsprechen. Oder was auch immer: Das Realwerden ist in der Regel enttäuschend.

Genauso ist es – eigentlich glücklicherweise – auch mit diesem Beitrag. Als ich Fahrrad fuhr und mir Children anhörte dachte ich: «Darüber muss ich bloggen! Ein Beitrag über die Erwartungen von früher verglichen mit den Erfahrungen von Heute. Das kann nur ein krassgrandiosgrossartiger Post werden!» Ich war mir sicher, ich würde viel tolles darüber schreiben können. So sicher! Und jetzt ist dieser wirre, zusammenhangslose Salat dabei rausgekommen. Das ist so ironisch, dass es schon fast wieder sinn macht.

—> Erkenntnis des Tages und Notiz an mich selber: Ich muss neue Erwartungen schaffen und darauf achten, sie unerfüllt zu lassen.

cheers, pfoff.

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