Vibe Coding: die neuen Frameworks

Vibe Coding. Der Hype klingt nach LinkedIn-Posts mit Raketenemojis, nach dem nächsten Ding, das wieder Mal alles verändern wird. Aber dahinter steckt etwas, das wir Tech-Brosis schon erlebt haben. Und für viele – wenn auch nicht mich – hat das funktioniert.

Dieser Beitrag ist kein KI-Evangelismus. Es ist eine pragmatische Einordnung.

Frameworks

Es gab eine Zeit, da haben alle alles von Hand gebaut. Layouts, Routing, State Management, Formulare. Jedes Projekt begann bei null. Vielleicht beim kopierten Ordner eines letzten Projekts. Beides nicht das Wahre.

Dann kamen Frameworks. React, Vue, Angular, Bootstrap, Rails — egal welches. Sie alle versuchten dasselbe Problem zu lösen: Menschen sind zu langsam und es ist ineffizient, bewährte Muster immer wieder neu zu erfinden.

Frameworks geben Bausteine, damit man sich auf das Wichtige konzentrieren kann. Ich widersetz(t)e mich dem ja bekanntlich, aber das bedeutet nicht, dass ich den Sinn nicht sah oder verstand.

Niemand sagt «Ich habe ein Grid-System gebaut», wenn Bootstrap im Einsatz ist. Weil das Framework nur die Basis ist und nicht alles erledigt.

LLMs als nächste Abstraktionsebene

Large Language Models lösen ein ähnliches Problem. Sie wiederverwenden nicht nur Patterns, sie generieren komplette Projekte, basierend auf dem trainierten Wissen. Sie sind schnell, breit aufgestellt und unermüdlich.

Das erschafft das Gefühl, dass sie die ganze Arbeit abnehmen. Der Fakt, dass sie sogar ganze Frameworks aus dem «Nichts» erschaffen können, steigert dieses Gefühl noch.

Aber LLMs sind probabilistisch. Sie halluzinieren. Sie haben Wissenslücken. Sie sind also ein Werkzeug mit Unschärfe.

Wer das ignoriert, baut auf Sand.

Einführung: Framed Vibe Coding

Hier wird es interessant. Es gibt zwei Arten, mit diesem Werkzeug umzugehen:

Reines Vibe Coding: Prompt rein, Code raus, shippen. Das funktioniert für Prototypen, MVPs, Wegwerfprojekte. Wird aber mehr und mehr, wie Bild oder Textgenerierung, blind und für alles verwendet.

Framed Vibe Coding: Eine Person, die programmieren versteht und kann, nutzt KI als Ausgangspunkt. Sie lässt generieren, liest, versteht, passt an. Am wichtigsten: Sie greift ein, wenn es Gespür, Erfahrung oder Innovation braucht. Die KI liefert Rohmaterial. Der Mensch macht es zu etwas, das hält.

Das ist natürlich kein neues Konzept. Eine reflektierte und ehrliche Benennung halte ich aber für wichtig. Nicht nur beim Coden. Es kann und sollte, wenn KI eingesetzt wird, überall passieren. Texter:innen sollten «Framed Vibe Texten». Kunstschaffende sollten «Framed Vibe Schöpfen».

Als Beispiel: Meine Portfolio-Website pfoffie.dev ist bei einigen Bereichen so entstanden. Generierter Code als Fundament, menschlich überarbeitet und ergänzt. In diesem Fall, weil ich ausnahmsweise tatsächlich Zeit dafür hatte, sogar transparent kommentiert im Code. Schau es dir an : )

Menschen bleiben unverzichtbar

Innovationen und falsche richtige Entscheidungen lassen sich nicht prompten.

1997 kehrte Steve Jobs zu Apple zurück. Damals ein Unternehmen wie ein Schiff mit Leck: sinkend, orientierungslos. Was tun? Ein LLM, gefüttert mit dieser Situation, hätte wahrscheinlich optimiert. Priorisiert. Die vernünftigste aller vernünftigen Antworten ausgespuckt.

Jobs hat das gesamte Produktportfolio gekillt und auf vier Produkte reduziert. Das war kontraintuitiv. Riskant. In keinem Trainingsdatensatz als „richtige Antwort“ vorhanden. Und es hat Apple gerettet.

Natürlich ist das eine anekdotische Evidenz und natürlich ist Apple ein abgedroschenes Beispiel. Aber in einer Welt ohne Rad kann ein LLM kein Rad erfinden.

Wir können nicht genau definieren, wann menschliches Eingreifen nötig ist. Aber genau dieses Gespür für den Moment ist, was uns von Opfern zu Held:innen machen kann.

Die Einordnung

Nichts davon behandelt die bekannten Probleme von KI: Bias, Halluzinationen, Energieverbrauch, ethische Fragen. Das alles bleibt und ich bin selbst eher negativ der KI und diesen Veränderungen gegenüber eingestellt.

Aber wir leben in einer Realität, in der Wettbewerbsfähigkeit zählt. Vibe Creating ist ein Weg wirtschaftlich zu bleiben. Wenn wir es mit fähigen Menschen umrahmen, werden wir nicht überflüssig und schaffen obendrein Potential für Innovation. Es verschiebt, wofür wir unsere Zeit und unser Gespür einsetzen.

Langer KI-Gedankenstrich.

Die Frage ist nicht, ob du Vibe Coding nutzt. Die Frage ist, ob du die Person bist, die weiss, wann du aufhören musst, der KI zuzuhören.


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert