22. Mai 2017 um 12:00 Uhr

Die Blicke sind dieselben

Ich glaube ich habe jemanden bodyshamed. Aber es war keine Absicht.

Am Wochenende im Gym, in der Garderobe als ich mich umzog. Mir gegenüber war ein Mann, der dasselbe tat. Ich fand ihn sehr attraktiv. Womöglich habe ich ihn ziemlich auffällig angeschaut. «Aber» er war ziemlich dick.

Ich hatte den Eindruck, dass er sich nicht sehr wohl gefühlt hat. Dass das an mir liegen könnte, wurde mir erst später in der Sauna bewusst. Schliesslich hatte ich ihn wahrscheinlich wirklich zu offensichtlich beobachtet. Ich selbst schaffe es ja schon nicht, Blicke von Menschen richtig einzuordnen. Wenn mich jemand anschaut, interpretiere ich das immer negativ. Was lustig ist, wenn man bedenkt, dass meine Blicke meistens positiver Natur sind. Menschen die mir nicht gefallen, schaue ich tendenziell ja eher nicht nach.

Aber wahrscheinlich ist das eben genau normal, wenn man ein von der Gesellschaft als unattraktiv definiertes Attribut mit sich trägt. Irgendwann gewöhnt man sich daran, dass «die meisten» einen unattraktiv finden. So ist es dann auch klar, dass die Blicke der anderen nichts positives bedeuten können. Gerade beim Übergewicht kommt dann ja noch ein Mass schlechtes Gewissen dazu. Weil man ja «selber schuld» daran ist, oder die anderen das zumindest denken. Oder man eben einfach denkt, dass die andren das denken.

Man regt sich ja immer über die «unrealistischen Schönheitsstandards» in den Medien auf. Aber da frage ich mich, was sind denn realistische Schönheitsstandards? Kann man nicht die Menschen in der Werbung einfach als das betrachten, was sie sind? Mannequins. So etwas wie einen Standard bei Attraktivität gibt es nicht. Es gibt sogar kaum etwas individuelleres als das, worauf man steht.

Dieser Fakt muss vor allem uns «Unattraktiven» klar werden. Sodass wir uns nicht mehr wegen jedem Blick schlecht fühlen müssen. Es wäre doch toll, wenn wir wie selbstbewusste Menschen in jeden Blick etwas positives interpretieren könnten. Schliesslich sieht man es ja den Blicken nicht an, wie sie gemeint sind.

Bald ist ja wieder Badezeit … Da werde ich dann auch wieder mit viel zu vielen Blicken kämpfen müssen. Was schwierig wird, denn die meisten bilde ich mir ja eh nur ein.

Ich wünsche euch eine schöne Woche.

Pfoffie

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