24. Februar 2017 um 12:17 Uhr

Schwarzes Licht – eine Horrorgeschichte.

Nach 10 Jahren schaffe ich es endlich, diese alte Geschichte aus der Versenkung zu holen. Viel Spass!


Angelise Regardoé stand auf der Brücke über dem feuerrot eingefärbten Bach gleich neben ihrem Haus. War das wirklich Blut? Sie fühlte das zerbrochene Salienit in ihrer Manteltasche, ohne zu wissen, dass man dieses Material einst so nennen würde. Tropfen dicker, dunkelroter Flüssigkeit fielen vom Himmel auf ihre Wangen. Sie rochen metallisch; schmeckten ebenso. Genauso wie die Flüssigkeit, die aus ihren verletzten Händen quoll. Aber existierten Sie überhaupt? Angelise konnte sich diese Frage gar nicht stellen. Ihre Gedanken waren mit etwas anderem beschäftigt. Ihr oberster Fokus sollte eigentlich die Flucht sein, doch die Angst lag tiefer, drückte sich stets in den Vordergrund. Jenes Wesen, zu welchem ihr Freund geworden war, verfolgte sie. Eigentlich war sie über die Brücke gerannt um von ihm wegzukommen. Eigentlich musste sie schnell die zerbrochene Konstruktion in ihrer Tasche verkaufen. Doch etwas im Augenwinkel liess sie abrupt stehen bleiben. Es war nicht das Interesse an der unbekannten Sache, das sie stehen und sich umdrehen liess. Angelise war das noch nicht klar, aber ihr Unterbewusstsein wusste bereits, was sie gesehen hatte. Es war die Angst, die sie einfrieren liess. Sie hatte die Gefahr gespürt, konnte sich dennoch nicht bewegen.

Ihr Kopf drehte sich langsam nach der Sache um, die aus dem surreal blutroten Wasser herausstach. Es war dunkelbraun, glänzend und das Wasser spülte immer wieder darüber. Langsam bewegte es sich nach oben. Alles in Angelise schrie danach, loszurennen. Ihre Muskeln reagierten nicht. Das Ding tauchte auf, und Angelise sah, was sie schon zuvor in ihrer Wohnung gesehen hatte.

Nur wenige Stunden zuvor war alles noch in Ordnung gewesen. Angelise und ihr Freund Fred genossen ein wunderbares Mittagessen. Fred berichtete von seinem ersten Tag zurück auf der Arbeit und wie schwer es war, wieder in all das reinzukommen. Angelise blieb noch ein Tag, bevor auch bei ihr der Alltag wieder einkehren würde. Sie hatte den ganzen Vormittag aufgeräumt und ausgepackt. Bei letzterem hatte sie auch alle Souvenirs ausgepackt. Unter anderem auch die wunderbare Kristallöllampe vom Merkato Lilipino auf den Philippinen.

Fred war natürlich gleich aufgefallen, dass sie die Lampe in der Mitte des Esstisches platziert hatte. «Es nimmt mich wirklich wunder, was das für ein Material ist», hatte er erneut gesagt. Schon als Angelise die sonderbare Leuchte aufgefallen war, hatte er sich das gefragt. Der Kristall erinnerte an Selenit, war jedoch mit Fasern in allen Farben durchzogen. Der Verkäufer nannte sie nur wunderbare, magische Lampe und meinte das Material sei nicht von dieser Welt. Sie war vergleichsweise teuer aber Angelise wollte sie wirklich unbedingt.

Noch bevor Angelise den Nachtisch bereitmachen konnte, wurde es aber plötzlich dunkel im Wohnzimmer. Eine dicke Sturmwolke hatte sich vor die Sonne gelegt. «Oh, es wird romantisch», flüsterte Angelise lächelnd und verführerisch bevor sie die Lampe entzündete. Fred lachte erstaunt auf. «Und was ist mit der Warnung, Madame?» Louise zwinkerte Fred verschwörend zu. «Er hat bei Tageslicht gesagt, nicht AM Tag!»

«Huwag gamitin ito habang sikat ng araw» hatte der freundliche Verkäufer gewarnt. Es sei ein Fluch «at day’s lights» fügte er in gebrochenem Englisch hinzu. Darauf eingehen, was er damit gemeint hatte, wollte oder konnte er nicht. Weder Fred noch Angelise glaubten ihm. Solche Dinge sollen nur den Preis rechtfertigen. Das wurde noch klarer, als der Mann ihnen erklärte, dass man die Lampe immer teurer verkaufen musste, um sie los zu werden.

So sassen die beiden dann am Esstisch und bewunderten das Glitzern der Lampe. Wunderbar und in allen Farben funkelte es auf dem Tisch, den Wänden und ihren Gesichtern. Es war in der Tat wunderbar; zumindest Angelise hatte noch nie so etwas schönes gesehen. Auch Fred sah total fasziniert aus. In ihm ging jedoch etwas ganz anderes vor sich. Etwas kroch durch das Licht in sein Gesicht. Die Farben fokussierten sich auf ihm und in seinen Poren. Angelise bemerkte das nicht, sie war zu fasziniert. Das Licht begann zu flackern, wurde immer roter und ging schliesslich aus. Im Raum war es wieder dunkel. Dunkler jedoch als zuvor; dunkler als es sein sollte. Angelise schaute zum Fenster, draussen war es wieder hell geworden. Die dicke Wolke hatte die Sonne längst wieder freigegeben.

Plötzliche Panik überrannte sie. Sie drehte sich zurück zum Esstisch und erkannte, dass die Dunkelheit von der Lampe ausging. Das Licht war schwarz. Angelise rief nach Fred, doch er antwortete nicht. Durch die Dunkelheit konnte sie ihn auch gar nicht mehr sehen. Sie hörte ein tiefes, krankes Schnaufen. Es schien von einer massiven Person zu kommen. Das konnte nicht Fred sein. Ihr erster Reflex war Flucht. Fred war ihr beinahe egal, sie wollte Hilfe holen; und vor allem raus da. Doch jegliche Flucht führte am Tisch vorbei und somit durch diese verfluchte Dunkelheit. Das konnte sie nicht, es war unmöglich. Ohne darüber nachzudenken, was sie wirklich vor hatte und ob das überhaupt funktionieren konnte, ging sie einige Schritte auf den Tisch und das Zentrum der Dunkelheit zu. Sie schlug zu, traf nichts als Schwärze, die sich ausser etwas kühler, nicht anders anfühlte als die Luft. Sie holte zu einem zweiten Schlag aus.

Dieses Mal traf sie die Lampe, welche in lautem Klirren zu Boden fiel und in einige grosse, scharfe Brocken zerfiel. Die Dunkelheit war sofort aus dem Raum verschwunden. Angelise hätte sogar schwören können, dass es bereits einen Augenblick bevor sie die Lampe berührte wieder hell geworden war. Sie starrte nun auf die Scherben und war erstmal beruhigt. Im Augenwinkel sah sie Fred noch immer am Tisch sitzen. «Was war denn das?», sagte sie gepresst witzelnd und hob einige der Scherben hoch. Erst da bemerkte sie, dass das schwere, laute atmen noch immer da war. Ihr Blick wanderte zu Fred. Doch was da am Tisch sass und sie breit anlächelte war nicht mehr Fred. Es trug seine Kleider aber es war etwas anderes. Der Anblick war so grauenvoll, dass es Angelise das Blut aus allen Gliedmassen zog. Sie konnte sich kaum noch auf den Füssen halten. Ein abgewürgtes «Oh mein Gott» entfloh unkontrolliert ihrem Mund. Das Ding öffnete ebenfalls seinen Mund, zeigte seine Zähne und begann gurgelnd und tief zu sprechen. «Fick deinen Gott, Angelise!», schrie es und stand auf. Es war mindestens doppelt so gross wie Fred, musste sich an der Decke bücken. Freds Kleider waren lose an dem Wesen drappiert. Es sah beinahe lustig aus. Hätte Angelise das in einem Film gesehen, hätte sie wohl darüber gelacht. Jetzt war alles in ihrem Kopf auf blanke Panik gestellt. Die Absichten des Wesens waren eindeutig.

Schliesslich schaffte sie es, doch noch einen klaren Gedanken zu fassen und loszurennen. Direkt zur Tür. Gerade als sie sie öffnen wollte, erinnerte sie sich an die Worte des Verkäufers. Man solle die Lampe teurer verkaufen um sie los zu werden. Es erschien ihr gleichermassen blöd als auch die einzige Möglichkeit dieses Ding wieder loszuwerden; womöglich sogar Fred retten zu können. Sie hatte bereits drei Scherben in ihrer Tasche, auf dem Boden lagen noch zwei beieinander.

Das Wesen kämpfte währenddessen mit seiner enormen Grösse gegen die vergleichsweise beschränkten Verhältnisse der Wohnung. Angelise rannte an dem scheusslichen Kopf vorbei, der nach ihr zu schnappen versuchte. Sie schaffte es aber unverletzt zu den Scherben. Zurück würde es aber nicht mehr so einfach sein. Das Monster hatte sich vor die Tür gestellt und versperrte ihr den Weg. «Du verdammte Dreckschlampe», fluchte es fröhlich, «Du kommst hier nicht vorbei!» Doch Angelise musste es versuchen. Sie rannte auf ihn zu, schlug auf ihn ein. Die Gliedmassen des Wesens waren weich und feucht. Ein fauliger Geruch drang aus ihn heraus und rötliche Nebeltropfen strömten aus den Stellen, auf die Angelise geschlagen hatte. Das Wesen wehrte sich natürlich, verbiss sich mit seinen scharfen Zähnen in ihre Schultern und warf sie zurück in den Raum. Benommen vom Schmerz versuchte Angelise wieder aufzustehen. Als sie sich wieder gefangen hatte, kroch es bereits wieder auf sie zu. Dank dem adrenalingeschärften Sinn fokussierte sie sich nur auf die nun wieder freie Tür und konnte schliesslich fliehen.

Sie hatte es nun auf ebenjene Brücke geschafft und beobachtete, wie das Wesen aus dem Wasser aufstieg. Es trug Freds Kleider nicht mehr. Sein ganzer Körper war rostig braun und von wulstigen Geschwüren übersät. Sein Kopf besass weder Augen, Ohren noch eine Nase. Alles was da noch war, war ein riesiger, mit Zähnen gespickter Mund. Auf seiner Brust prangte ein grosses, schwarzes Zeichen. Womöglich eingebrannt oder tätowiert. Angelise erkannte es eine Art seltsames Dreieck. Das Ding lachte und etwas weiches traf schnell und hart auf Angelises Rücken. Sie wollte sich gerade danach umdrehen, da traf sie ein zweites, weiches Geschoss von der Seite. Dann ein Drittes und ein Viertes. Es waren Augen. Ausgestochene, eiskalte Augen, die vom Himmel fielen wie Hagel. Da war es mit Angelise zu Ende. Sie schrie, unkontrolliert, sackte in sich zusammen. Das Wesen stand schliesslich neben ihr.

Man fand Angelise Stunden später tot im Wohnzimmer. Sie hatte Bissspuren von einem unbekannten Tier am ganzen Körper. Auf ihrem Rücken war ein seltsames Symbol eingebrannt. Die Polizei nahm es in ihre Akten auf als ein durchgestrichener Buchstabe L. Von Fred fehlte jegliche Spur. Die Lampe wiederum, stand unversehrt auf dem Tisch und wurde wenige Wochen später verkauft. Ohne Warnung und zu einem horrenden Preis.

Ende.

Vor 10 Jahren habe ich Tomb Raider Anniversary gespielt und wollte deshalb eine «Remastered Version» davon schreiben. Ich habe mir sogar ganz tolle Titel überlegt für die einzelnen Kapitel. Aber wirklich geschrieben habe ich nie mehr irgendwas. Vor ein paar Tagen aber wurde ich plötzlich von dieser ur alten Geschichte wieder inspiriert. Genauer gesagt eigentlich nur vom ersten Kapitel und irgendwie wollte ich das neu schreiben. Was ich somit getan habe. Endlich. Mehr wird’s davon aber wohl nicht geben.

Leider muss ich erneut feststellen, dass mir das Schreiben von «unheimlichen Horrorgeschichten» einfach wirklich so gar nicht liegt. Wieso? Du böse Welt, wieso!? Warum kann man immer das, was man am meisten möchte, am wenigsten gut?

Ich wünsche euch ein tolles Weekend!

Pfoffie

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