17. Februar 2017 um 12:00 Uhr, 1 Kommentar

Die Geschichte des Eis

Ein Tatsachenbericht, überraschender als alle M. Night Shyamalan Filme zusammen.

Prolog: Zwei Wochen zuvor verspricht die Frau einen Pausensnack.

Wie jede wichtige Reise, beginnt auch diese mit einer Geburt in einem Stall. Doch ein echtes Leben mit Gefühlen und Wahrnehmungen wird diesem Charakter niemals vergönnt sein. Diese Tatsache war bereits vor seiner Erschaffung in Stein gemeisselt und es gab kein entrinnen. Die Alternative zum Entrinnen war Gerinnen und das stand ihm schon sehr kurz nach seiner Geburt bevor. Denn unser Protagonist ist ein Ei.

Seine leblose Proteinreise war nur sehr kurz. Es holperte, wurde heiss, sehr heiss. Ihn umzingelten weitere, tausende Eier. Sie alle schienen um die Wette zu brutzeln. Hätte das Ei ein Bewusstsein gehabt, hätte es wohl geglaubt, an einem Wettbewerb teilgenommen zu haben. Wer gerinnt gewinnt. Das Eis gerann tatsächlich. Nicht, dass dies jemals zur Debatte stand, aber das wusste das Ei ja nicht. Ihm war ja generell kein Wissen vergönnt.

Schliesslich landete es mit fünf Freunden zuerst im Blister und dann im Eierregal. Nur kurz warteten sie dort bevor sie von einem freundlichen, attraktiven und dazu auch noch überaus jungen Mann aufgenommen wurden. Sie dachten nicht daran, dass sie bald bei gekochtem Leibe verspeist werden würden. Dachten nicht daran, wie die Zähne des Mannes sie bestialisch halbieren und seine Magensäure sie langsam und qualenfrei auflösen würde. Sie dachten gar nicht.

Drei von ihnen verschwanden schon kurze Zeit später. Doch das protagonisten Ei blieb mit zwei anderen zurück und wurde in den Kühlschrank gesteckt. Was am nächsten Tag passieren würde, war schon ganz klar geplant. Der junge Mann würde eines der Eier frühstücken und die andern würden dem Frühstücksei am Abend in die Verdauung folgen. Doch es kam ganz anders. Viel zu früh blitzte das Kühlschranklicht wieder auf. Jemand riss die Tür und den Blister auf. Die Hand eines Diebes tastete sich durch die drei übrigen Eier und holte sich schliesslich den Protagonisten. Es war nicht dieser attraktive Mann, der sie gekauft hatte, sondern jemand anderes. Eine düstere, unheimliche, böse Person. Die Eier konnten aber nicht sehen, wer es war. Als Eier waren sie ohne Augen geboren worden.

Als der freundliche Mann am nächsten Tag fröhlich den Kühlschrank wieder öffnete, war er mehr als nur schockiert. Ein Ei fehlte. Jemand hatte es gestohlen, womöglich als Geisel genommen und würde ihn nun damit erpressen oder, wahrscheinlicher noch, es einfach genommen und gefressen. Angeekelt schloss er den Kühlschrank wieder. Was die Eier nicht wissen konnten war, dass der freundliche, junge, überaus wunderbarst attraktive Mann ein weiteres Adjektiv sein eigen nennen konnte: Seltsam. Insbesondere war er seltsam, wenn es um seine harten, dicken Eier ging. Aus unerfindlichen Gründen ekelten ihn Hühnereier gleichermassen, wie er sie mochte. Eigentlich waren sie eine seiner Leibspeisen, doch der kleinste Makel führte bereits dazu, dass es ihm unmöglich wurde, sie zu essen. Und dass sie womöglich über Nacht von einer ekligen Person berührt worden waren reichte schon. Enttäuscht und wütend schrieb er einen netten Zettel, mit welchem er die potentiell eklige Diebesperson darauf hinwies, doch die beiden anderen Eier auch noch zu essen.

Natürlich befragte Mr. Seltsam sein nächstes Umfeld nach Hinweisen auf den Verbleib des Eis. Niemand wusste etwas oder wollte etwas zugeben. Man versuchte abzulenken indem man auf die Lächerlichkeit der Eigenheit des attraktiven Mannes hinwies. Der Mann war sich sicher, dass sich der Täter niemals finden würde. Niemals. Wegen dieser unverschämten Ungerechtigkeit konnte er kaum einschlafen. Die Küken wären für nichts gestorben, wären die Eier befruchtet gewesen. Dass sie es natürlich nicht waren, linderte seinen Verlustschmerz kaum. Sein unruhiger Schlaf wurde geplant von dunklen, bösen, roten Händen. Voller Viren und Bakterien und kleinen, total herzigen Lachsfischlein.

Der nächste Tag kam und noch immer betrübt betrat er das Büro. Schon von Weitem sah er den suspekten Plastiksack auf seinem Bürotisch. Vorsichtig näherte er sich und schaute hinein. Zwei Eier und ein Sandwich. Da hatte jemand offenbar ein wirklich sehr schlechtes Gewissen. Freudig ass er die Eier und fragte im Büro, ob sich jemand für das Sandwich interessierte. Niemand wollte es und so legte er es in den Pausenbereich.

Das Sandwich wäre total traurig ob des Generalverschmähens gewesen; wäre in eine tiefe Depression versunken. Doch bevor es überhaupt ein Ich-Verständnis entwickeln konnte, wurde es bereits wieder vom Tisch in ein Büro mitgenommen worden. Obwohl das Tier, aus welchem der Inhalt hergestellt wurde, einst Augen hatte, konnte das Sandwich weder sehen noch erkennen von wem es mitgenommen wurde. Es war keine Minute vergangen und schon wurde das fleischige Brötchen wieder ausgepackt und in einige Teile zerschnitten. «Ich habe im Pausenraum ein Sandwich gefunden, nehmt ruhig alle davon!», verkündete die Person, die das Eingeklemmte gerade zerteilt hatte. «Das war mein Sandwich», sagte der Seltsame, «vor einer Minute wolltest du das noch nicht.»

Stunden später klopfte es an die Tür. Es war Jacqueline. «Und wie waren sie?», fragte sie freudig. Der Attraktive war verwirrt. Wovon sprach sie? «Na die Eier!», klärte sie freundlich auf. Da fiel es dem Jungen wie Schuppen von den Augen: Es war Jacqueline. Jacqueline hatte sein Ei gestohlen! Wie bei jedem Menschen war natürlich sein erster Reflex der Griff zur Gewalt. Doch er konnte es unterdrücken und fragte schockiert und ungläubig: «Das warst du!?»

«Natürlich!», sagte sie ohne jegliche Reue.

«Natürlich!?»

«Ich habe ja zwei Wochen von nichts anderem geredet!»

«Zwei Wochen? Was?» Der Seltsame verstand weder Jacqueline noch die Welt mehr.

Jacqueline verstand die Welt ebenso wenig wie der Freundliche. Noch einmal erklärte sie, dieses Mal ganz ruhig und ohne Umschweife: «Ich hatte euch doch einen Pausensnack versprochen und du hattest doch gesagt, dass du am liebsten Eier hättest.»

Lachend fiel Pfoffie vom Stuhl in eine Mania Cumlaborem.

Ende.

Moral von der Geschicht
Eierdiebe kommen nicht
vor Gericht

Ganz genau so und nicht anders, womöglich etwas weniger dramatisch, ist das übrigens wirklich tatsächlich und ohne Lügen passiert. Wie in der Geschichte konnte bis heute der Dieb nicht dingfest gemacht werden. Wie in der Geschichte bin ich auch in echt total Seltsam wenns um Eier jeglicher Art geht.

Die Sache erinnert mich übrigens an das schreckliche Schicksal von Familie Gelbfaltenschirmling. Warum passieren mir immer so schreckliche Dinge im Büro?

Mit dieser Geschichte hätte ich dann den Realweltbericht geschrieben. Fehlt noch die Fanfiction.

Schlaft gut und habt ein tolles Wochenede!

Cheers
Pfoffie

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