6. Februar 2017 um 12:00 Uhr

Mys schrecklich vermuislete Schwyzerdytsch

Ich komme aus Luzern, dem Aargau, Nidwalden, Wallis und Ungarn. Das kann nur schief gehen.

Also aufgewachsen bin ich ja in Nidwalden. Da spricht man schon mal ganz seltsam. Ich kann es kaum nachmachen, aber es hat zumindest nach vielen U gleich ein I. Verstehst dui? Angenommen habe ich das aber nie. Vielleicht, weil Stansstad beinahe bis quasi an der Grenze zu Luzern und deshalb auch von dort noch viel Einfluss hat. Womöglich aber auch, weil in meinem Elternhaus niemand so gesprochen hat. Meine Mutter kommt aus dem Aargau, mein Vater aus Luzern. Interessanterweise habe ich aber bei meinem Bruder trotzdem das Gefühl, dass er nidwaldnert.

Weitere Wurzeln habe ich anhand meines Heimatorts und Nachnamen im Wallis. Ein weiterer Dialekt, den ich zum Teil kaum verstehe und schon gar nicht nachmachen kann. Auch hier weiss ich aber, was mit dem U passiert: Es wird ziemlich generell zu einem Ü. Wenn es keine Walliser in der Nähe hat, mache ich es gerne nach. Für Nichtmuttersprachler klingt es dann dem Klischee entsprechend und deshalb richtig; richtig lustig. Mit gefällt Walliserdeutsch im Gegensatz zum Nidwalder sehr. Aber damit sind wir ja noch lange nicht am Ende der Geschichte.

Wie gesagt, mein Vater kommt aus Luzern und anscheinend habe ich auch gewisse luzerner Tendenzen in meiner Sprache. Wirklich dingfest machen kann ich die aber nicht. Das Luzerner Klischeewort «rüdig» sage ich rüdig selten. Wahrscheinlich sage ich tendenziell eher «ech» als «ich». Aber ob’s daran liegt? Jedenfalls gibt es anscheinend Menschen, die trotzdem einen Luzerner bei mir raushören.

Nicht aber Luzerner. Die finden ich spreche etwas anderes, komisches. Womöglich wäre das dann der Aargauer der durch meine Mutter aus mir spricht? Ich mag es, wie man im Aargau die Vokale viel voller sagt als in der Innerschweiz. Manchmal sage ich als Witz, je weiter man in die Alpen hinein wandert, um so mehr wird aus dem O ein U, aus dem U ein Ü und aus E & Ü ein I. Aber so sprechen tue ich nicht … vielleicht heute etwas mehr, weil ich im Aargau arbeite. Aber dennoch, ich habe nicht das Gefühl, dass man dort gleich redet wie ich.

Zusammengefasst passt mein Dialekt eigentlich nirgendwo rein. Ich bin sprachlich also total fremd. Das kann nur eines bedeuten: Es ist der Ungare der aus mir spricht! Mit einem Ur-Ur-Irgendwas-Grossvater mütterlicherseits bin ich ja quasi Secondo und deshalb ist es auch total logisch, dass ich mich auch sprachlich nicht integriere, oder? 😀

Meine Mutter könnte aber in der Tat eine gute Spur sein. Ich könnte nämlich nicht sagen, was für einen Dialekt sie spricht. Sie ist da sehr wandlungsfähig und nimmt auch gerne Mal den Dialekt ihrer Gesprächspartner an – bzw. macht ihn nach. Manchmal besser und manchmal schlechter. Ich erinnere mich, wie ich oft gemerkt habe, mit wem sie gerade am Telefon spricht – ausschliesslich anhand der Art wie sie sprach.

Diese Superheldenkraft habe ich auch, versuche sie aber nicht all zu oft einzusetzen. Gerade Leute mit einem sehr ausgeprägten, exotischen Dialekt sind ja sehr oft gekränkt wenn man sie imitiert – und sei es noch so aus Versehen. Dennoch habe ich mir diese Fähigkeit zu nutze gemacht und binde diverse Dialekte in meinen Sprachgebrauch ein. So sage ich oft «när» anstatt «nachher» oder sage dank meines Mannes Bündnerdeutsch «kriegen» anstelle von «bekommen».

Es gibt viele Wörter, für welche ich diverseste Arten sie auszusprechen oder aufzuschreiben habe und ich benutze sie stets reflexartig ohne ein erkennbares Muster. Ich bin wie Japaner.

Eigentlich wollte ich noch auf mein schweizerdeutsches Schreiben eingehen. Aber das ist wie mein Deutsches: Gespickt mit wirren seltsamen Schreibweisen und Fehlern. Nur sind sie beim Schweizerdeutsch vorsätzlich und eine Art Spott auf den Fakt, dass wir keine wirklich korrekten schweizerische Schreibweisen haben, was zu sehr seltsamen Formen des Ausdrucks führen kann. Im Gegensatz zu mir, meinen die anderen das aber ernst.

ych wynsche oich en wuindärscheny wuche
pfoffyyyyyyy

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