7. November 2016 um 12:00 Uhr

Neues aus der Ecke Techno-Esoterik

Womit gewisse Leute Geld machen ist wirklich bedenklich.i9bottle

Letzte Woche habe ich bei einem Freund auf Facebook eine neue Glasflasche gesehen. Sieben farbige Gummiringe und eine komische Münze schmückten die Flasche. Dazu kommentiert wurde erklärt, dass es sich um eine i9-Flasche in den Chakra-Farben handle und sich darin informiertes Wasser befinde. Diese ganze «informiertes Wasser»-Geschichte ist ja nichts Neues, dennoch hatten sie nun mein Interesse an der Leine.

Ich ging also auf die Website dieser Flasche um mich (wie das Wasser hihi) zu informieren. Da steht was von Technologie und Wissenschaftler, Experten und Institut. Laut der Beschreibung habe der angesehene Physiker Yuri Yatsko erklärt, dass man mit einem Gerät genannt Chembuster Informationen (unter anderem Gedanken) auf andere Objekte übertragen kann. Die i9Bottle verwende diese Technologie, um mit Zahlencodes nachweislich die molekulare Struktur des Wassers zu verändern. Sodass es wieder so gut wie direkt aus dem Fluss wird. Bestätigt (und zertifiziert) werde all dies vom deutschen Institut für Elektrophotonik.

Klingt alles total krass wissenschaftlich. Dann analysieren wir das mal und fangen mit Yuri Yatsko an. Leider finde ich über ihn nichts in einer mir verständlichen Sprache. Klar geht es etwas weit, eine Sache als Humbug darzustellen, nur weil es keine anerkannten Aufzeichnungen auf Deutsch, Englisch, Japanisch oder Französisch gibt. Womöglich ist Yuri tatsächlich angesehen und wichtig in der Ukraine. Dennoch ist es etwas seltsam, dass es nicht mal einen Wikipedia-Artikel gibt.

Die «Technologie» müssten wir natürlich nicht mal genauer anschauen, denn sie wird auf der Website vollumfänglich erklärt: Sie sei eine Kombination «Diverser wissenschaftlicher Prozesse» die nicht genauer erläutert werden. Vollkommen klar und gar nicht schwammig. Übertragen würden die Informationen mit einem Chembuster, ein Schlagwort, das man einfach googeln kann. Es führt einen auf Websites, die erklären, wie man aus ein paar Metallstangen, weiterem Altmetall und Kristallen ein Ding baut, das unter anderem das Wetter beeinflusst. Deshalb wird er unter anderem auch Cloudbuster genannt. Das Chem- kommt vom gerade sehr populären Glauben an Chemtrails, vor welchen der Buster auch schützt. Also nicht im geringsten irgendwie anerkannt fundiert. Ich habe da auch irgendwas von Orgon-Energie gelesen aber nicht ganz verstanden, ob die nun gut ist oder tödlich. Naja. Die akademische Wissenschaft anerkennt diese Energie sowieso nicht.

Kommen wir schliesslich zum Institut. Ich befürchtete bereits, das existiere gar nicht erst. Aber siehe da: Es existiert und macht auch Dinge. Auf den ersten Blick sieht die Website zwar billig aber trotzdem glaubwürdig aus. Nach etwas lesen und scrollen merkt man aber, dass es sich bei der Elektrophotonik um dieses Ding handelt, dass einige für «Aurafotographie» benutzen. «Koronaentladungsfotografie» ist tatsächlich eine existierende Sache, die aber bisher keine sinnvolle Anwendung gefunden hat.

Das Institut hat es sich offenbar zur Aufgabe gemacht, für diese Technologie irgendeine Relevanz zu finden. Sie hat sogar einige wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht, die beim ersten Blick vielversprechend aussehen. Mein Freund Saša hat sich aber etwas reingelesen und gemerkt, dass alles immer nur wieder zurück auf andere Arbeiten genau jenes Instituts führt. Leider also auch dies eine Sackgasse. Denn auch wenn dieses Institut die Wasserflasche anerkennt, so erkennt leider niemand das Institut an.

Wir müssen aber gar nicht weit suchen, um herauszufinden, dass die Sache wohl kaum etwas richtiges ist. Denn das traurigste ist, dass auf der Flaschen-Website selbst steht, dass die Wasserflasche den Inhalt chemisch nicht verändert. Wahrscheinlich müssen sie das aus Lauterkeitsgründen tun. Denn wenn die Flasche nichts nachweisliches macht darf bestimmt auch nicht proklamiert werden, dass sie es tut. Lustigerweise steht am Anfang der Erklärung, dass die «molekulare Struktur nachweislich verändert wird» und dann einen Absatz weiter, dass die Flasche die biocheminschen Eigenschaften nicht beeinflusst.

Nun nimmt es mich wunder, ob die tatsächlich daran glauben, tatsächlich einen Aufwand in die Erstellung dieser Flasche stecken, der CHF 58.– rechtfertigt. Oder ob man weiss, dass es Humbug ist und einfach die dummen Menschen gerne ausnimmt. Die eigentliche Frage ist aber welches von beidem schlimmer wäre. Mir macht dieser Trend, esoterische Abzocke mit wissenschaftlichem Jargon zu maskieren, grosse Sorgen.

Das Schlimmste ist aber, dass ich nun auch noch für diesen Schmarren Werbung gemacht habe. Fuck.

Habt eine gute Woche und bitte kauft auf keinen Fall dieses Ding. Wenn ihr an informiertes Wasser glaubt, gibt es andere Wege.

Cheers
Pfoffie

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