21. Oktober 2016 um 12:00 Uhr

Irrationale Ängste

Ein Versuch zu verstehen, warum Spinnen mich ekeln, Ameisen aber nicht.img_0587

Ich verhalte mich ja bekanntlich sehr gern irrational. Da dies weniger freiwillig als man mir manchmal unterstellen will, möchte ich gerne meinem irrationalen Verhalten auf den Grund gehen. In diesem Beispiel geht es um Ekel und Angst.

Meine Angst vor Spinnen scheint angeboren. Ich kann mich an keine Zeit «vor» meiner Spinnenangst erinnern. Schon in Kindergarten und Schule war sie ein steter Begleiter über den alle bescheid wussten. Die Scharen an von meinen Freunden erfundenen Spinnen machten mir wahrscheinlich sogar mehr Angst als die echten.

Wie auch immer. Wenn man mich fragt, warum ich Angst habe, versuche ich Gründe zu finden. Aber an der Erziehung kann es nicht liegen: Meine Mutter packt die Viecher furchtlos und bringt sie ins Freie. An der Beinzahl kann es auch nicht liegen: Heuschrecken ekeln mich ebenso und die haben nur etwa 6 Beine; Vogelspinnen wiederum machen mir gar nichts aus. Auch an den Augen kann es nicht liegen: Fliegenaugen sind auch seltsam unheimlich und weder ekel noch Angst verspüre ich ihnen gegenüber. Auch die Grösse und dass sie am dreckigen Boden leben macht mir nichts aus: Ameisen tun das ebenso und sie stören mich nicht.

Vielleicht ist es die unberechenbare, autonome Bewegung oder der Fakt, dass die eine oder andere Spinne giftig sein könnte. Aber woher sollte ich das unbewusst wissen? Ob Spinnen mir irgendein wirres, telepathisches Signal senden weil SIE eigentlich MICH nicht mögen?

Wie so oft ist es bei meinen Phobien gleich wie mit allen meinen Präferenzen: Sie sind extrem spezifisch. Spinnen einer gewissen Grösse finde ich eklig, alles kleiner und grösser geht. Dann gibt es so etwa 4 Käferarten, die ich nicht mag. Engerlinge finde ich voll eklig, Raupen absolut süss. Schmetterlinge mega herzig, alle anderen Falter mega grusig. Asseln igitt, Blindschleichen jö. Ja ich weiss, ich vergleiche hier Äpfel mit Birnen, aber die sind ja auch total ähnlich. Obwohl: Äpfel hui, Birnen pfui.

Kann mir das irgendwer erklären? Bin ich damit alleine oder ist das eigentlich viel normaler als ich denke?

Interessanterweise weiss ich noch genau, seit wann ich mich vor Heuschrecken fürchte. Ich war so 9/10 Jahre alt und sah eine grosse Heuschrecke. Fand sie härzig, ignorierte sie aber. Eine Minute später sah ich wieder zu der Stelle, sie war verschwunden. Ich spazierte auf die Stelle zu und plötzlich springt sie von der Seite an mein Bein. Das hat mich total erschreckt. Ob das bei der Lösung meiner Frage hilft? Ich finde wohl all diese anderen Tiere nicht schlimm, weil sie mir nie was subjektiv Böses angetan haben. Was zum Henker haben mir dann aber die Spinnen angetan und warum erinnere ich mich nicht daran? Oder werden sie es erst tun und ich spüre einfach, dass sie Viecher was planen?

Interessanterweise haben die anderen Phobiker in meinem Umfeld noch grössere Angst. Deshalb musste ich mich in meiner Vergangenheit ziemlich allen Ängsten stellen. So sind mir heute sowohl Spinnen als auch Heuschrecken nur noch unsympathisch und machen mir keine Angst mehr.

Leider ist mein Versuch mein eigenes Verhalten zu verstehen trotzdem gescheitert.

Cheers und ein frohes Wochenende,
pfoffie

Kommentar verfassen