2. August 2016 um 11:59 Uhr

Die Warrens-Verschwörung

Ed und Lorraine Warren halfen vielen Poltergeistgeplagten. Aber wem haben sie wirklich geholfen?ed_and_lorraine_warren

Ihr wisst ja, ich mag Horrofilme total gern und insbesondere übernatürlicher Horror, der auf wahren Begebenheiten beruht hat es mir angetan. Diese Filme regen mich dann auch immer an, mich mit diesen Fällen auseinanderzusetzen. Ich habe von Ed und Lorraine Warren zum ersten Mal gehört, als ich mich mit dem Amityville Horror befasste. Inzwischen wurden diverse weitere Warren-Fälle verfilmt. Da hätten wir zum Beispiel «The Haunting in Connecticut» oder die beiden «Conjuring»-Filme.

Vor einigen Wochen habe ich nun Conjuring 2 gesehen, welcher mir fast noch besser gefällt als der erste. Der Film befasst sich unter anderem mit einem der grössten Probleme der Warrens: Man glaubt ihnen nicht und wirft ihnen vor, diese Dinge nur der Publicity und des Geldes wegen zu erzählen. Und der Film macht einen echt guten Job, auch im Zuschauer Zweifel zu wecken. Das hat mich zum Denken angeregt und ich möchte euch anhand des Enfield-Falles meine neue Warrens-Theorie erklären.

1977 wird in Grossbritannien ein ganz spezieller Fall bekannt. Eine Familie wird von einem Poltergeist geplagt. Nicht nur Freunde, sondern auch Nachbarn und sogar die Polizei bestätigen diverse unheimliche, unmögliche Vorkommnisse. Selbst ein Ermittler für paranormale Aktivitäten wird eingeschaltet und erlebt selbst alle diese Dinge. Die Sache wird von den Medien «Das britische Amityville» genannt und deshalb werden die Warrens eingeschaltet.

Und nun gehen wir einfach mal davon aus, dass alles nur erfunden ist. Der Grund dafür ist klar: Die ganze Geschichte dreht sich um eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern. Der Vater hat sie verlassen und zahlt nichts. Sie kommt kaum, beziehungsweise nicht über die Runden und hört womöglich irgendwann von den Amityville-Lutz’ und wieviel Geld die nach der Veröffentlichung des Falles sie gemacht haben. Womöglich kamen sogar die netten Nachbarn auf die Idee, etwas ähnliches in Enfield abzuziehen. Ich kann mir richtig vorstellen, wie die Hausfrau von Gegenüber so eine Sache zusammenspinnt um ihrer lieben Freundin zu helfen. Weitere Nachbarn und Freunde sind natürlich schnell überzeugt und womöglich findet sich sogar der eine oder andere Erfinder, der für spukhafte Effekte sorgt um die Polizei reinzulegen. Vielleicht braucht es das für die Polizei noch nicht mal. Enfield scheint vergleichsweise ein Kaff zu sein und alles was es braucht, sind zwei Polizisten, die man von der Sache überzeugt. Am Anfang hielt ich das für ziemlich weit hergeholt. Aber eigentlich klingt es nicht nur realistisch, sondern wäre auch total schön. So viele Leute, die sich zusammentun um einer armen Familie zu helfen.

Dann kommen die Warrens ins Spiel. Sie werden geholt um zu prüfen, ob die Geschichte stimmt und legitim ist. Unabhängig davon, reissen sie natürlich eine riesige Medienwelle mit sich, was natürlich auch Geld mit sich bringt. Grundsätzlich könnte man nun einfach sagen, dass die Warrens das ganze total ernst gemeint haben und einfach über’s Ohr gehauen wurden. Aber wenn man sich die Geschichten der Warrens anschaut, sind immer wieder «Benachteiligt» im Zentrum dieser okkulten Ereignisse. Klar erklärt man das anhand der «Geister und Dämonen haften sich an negativen Energien»-Sache. Dennoch ist es auffällig. Ich kann mir sogar vorstellen, dass die Warrens sogar ganz ehrlich auf der Suche nach Geistern und Dämonen waren und die «lasst uns eine arme Familie»-Sache einfach ein guter Nebeneffekt war. Würde es jemals ans Licht kommen, dass das meiste nur Schwindel war, wären sie geliefert. Doch in den Augen eines Gläubigen sind auch falsche Beweise richtige Beweise, solange sie die eigene Aussage unterstützen. Das habe ich mehr als einmal erlebt.

Vielleicht möchte ich einfach daran glauben. Dieses Szenario klingt so sympathisch und wunderbar menschlich. Auf der Mission, Geister zu finden, nichts als Menschen zu helfen, die einfach nur – ganz ohne Übernatürliches – verzweifelt waren; was könnte schöner sein?

Was meint ihr?

Pfoffie, der unvestigative Journalist

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