17. Juni 2016 um 12:00 Uhr, 1 Kommentar

Akzeptanz, Toleranz, Égalité

Will man eigentlich akzeptiert oder toleriert werden?egalite

So wir sind beim letzten Tag der Woche und auch beim letzten schwulen Beitrag angekommen. Zumindest vorerst 🙂

An der Pride gab es ja erwähnterweise diesen Amnesty-Flyer, der sich wirklich davor fürchtete, jemanden anzugreifen. Er zelebrierte quasi die Sonderbehandlung, was ja eine Sache ist, die ich generell problematisch finde. Im puren Gegensatz dazu stand – zumindest textlich – ein anderer Wagen. Leider kann ich mich nur noch vage an den eigentlichen Claim erinnern. Auf jeden Fall war das letzte Wort auf dem Banner «Égalité» und ich sagte zu Urs freudig verblüfft: DAS ist genau das Wort, das ich eigentlich immer gesucht habe.

Ich habe schon oft darüber gequatscht, ob ich nun toleriert oder akzeptiert werden sollte. Das ist eine sehr schwere Frage. Toleranz impliziert, dass ich etwas falsches mache, andere damit störe aber aus Goodwill oder so eben toleriert werde. Das geht ja schon mal gar nicht. Homosexualität stört etwa so fest wie ein Reiskorn in einem fernen Land. Akzeptanz ist da schon ein bisschen positiver. Sie impliziert in gewisser Weise den Willen, etwas eigentlich negatives nicht nur passiv zu tolerieren, sondern sogar in die eigenen Reihen aufzunehmen. Beides befriedigt mich aber nicht.

Natürlich nehme ich es keinem Übel, wenn man das so sagt. Es gibt ja auch fast nichts anderes, das man sagen kann. Am meisten freue ich mich immer, wenn ich höre: «Deine Sexualität ist mir vollkommen egal!»

Und da hätten wir doch schon wieder fast das Wort. Was ich im Bett tue sagt nichts über mich, mein Verhalten oder meinen Charakter aus. Égalité; Gleichheit, beziehungsweise das AnErkennen dieser, ist was ich mir wünsche. Es geht nicht um Gleichberechtigung oder darum, dass wir irgendwas (toleriert, akzeptiert, ignoriert, egalisiert) werden. Wir sind bereits gleich. So gleich wie alle Individuen einander sind. Die sexuelle Orientierung sollte alles so egal sein wie die Hautfarbe, Lieblingsband, Laktoseintoleranz oder Geschlecht. Alles interessante Dinge über die man sprechen kann, über die man Vorurteile haben kann und aufgrund welcher man sogar Sympathien begründen kann. Nur eines sollte man nicht: jemanden deshalb benachteiligen oder schlecht behandeln.

Lasst uns also sein, was wir sind: gleich. Und aufhören angestrengt Dinge zu tolerieren, die uns nicht im Geringsten tangieren. Dann muss auch niemand mehr gleichberechtigt werden.

Cheers und happy Weekend!
Pfoffie

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