16. Juni 2016 um 12:00 Uhr

#undetectable ist der traurigste Hashtag

An der Pride habe ich davon gehört und war irgendwie freudig, traurig, schockiert.undetectable

Einer der tollsten Wagen (zumindest was den Partylevel angeht) war der mit dem Hashtag «Undetectable». Natürlich hatte ich Landei keine Ahnung, was das bedeutet. Urs erklärte es mir: Neue HIV-Behandlungen sorgen dafür, dass nach einigen Monaten kein HIV mehr im Blut nachweisbar ist. Das freute mich natürlich. Ist doch grossartig, wenn man diese Sache so eindämmen kann.

Urs erklärte weiter, dass das auch bedeutet, dass man dadurch auch nicht mehr ansteckend ist. Das fand ich ebenfalls super: So muss man nicht mehr bei jeder Verletzung befürchten, ais Versehen irgendwen anzustecken.

Aber Urs erklärte mir noch weiter: Dieser Hashtag ist grad total trendy in den Dating Apps. So kann man als HIV-Kranker trotzdem ungeschützten Sex haben kann. Da erkannte ich, worum es den meisten dabei wohl geht. Irgendwie macht mich das total traurig. Da hat man diese schreckliche Krankheit, die einen langsam von innen heraus umbringt, dafür sorgt, dass man sich das ganze Leben lang mit irgendwelchen Medikamenten vollstopfen muss; aber hey, wenigstens darf man ohne Gummi ficken. Zumindest, wenn einem alle anderen Geschlechtskrankheiten egal sind.

Klar ist das natürlich auch für Paare super aber die brauchen ja nicht unbedingt einen Hashtag. Natürlich ist die Intention von drgay und so weiter nicht schlecht. Und ich bin wirklich froh, entwickeln wir die Behandlungen stets weiter. Aber so ein Hashtag könnte die Empfindung des HIV-Themas wieder in diese «das ist gar nicht so schlimm»-Richtung treiben, welche seit Jahren (inzwischen endlich erfolgreich) bekämpft wird. Wenn man sich genau über das Undetectable-Thema informiert, sieht man, dass sich die eigentliche Aussage vom Hörensagen eigentlich ziemlich unterscheidet. Aber wer informiert sich schon?

Cheers
Pfoffie

Kommentar verfassen