27. Mai 2016 um 12:00 Uhr

Alle Blicke sind nach vorn gerichtet – Teil N

Letzter Teil der Kurzgeschichte über Mord, Totschlag und wahre Begebenheiten.blickenachvorn

Teil N

Gerade eben habe ich das Haus verlassen und mich auf den Weg zur Busshaltestelle gemacht. Mein neuer Freund wird dort gleich ankommen und ich bin total aufgeregt. Er ist echt ein lieber und heute will ich ihm einerseits sagen, wie ernst es mir ist und andererseits zugeben, dass ich während der letzten zwei Monate noch mit einem anderen zusammen war.

Ich konnte es bis heute einfach nicht über mich bringen, mich von ihm zu trennen. Nicht, weil er mir leid getan hätte. Gar nicht. Die Wahrheit ist, dass er mir Angst macht. Aber jetzt fühle ich mich sicher. Oder zumindest sicherer. Deshalb habe ich mit ihm vor etwa einer Stunde Schluss gemacht. Genau so, wie man das eben tut. Per SMS. Er hat’s wohl noch gar nicht gesehen; ist ja jeden Abend in diesem blöden Gym.

Der Bus kommt und ich sehe all die typischen bekannten Gesichter. Frau Müller von der Rütistrasse, Simon aus 24A und diese alte Frau, von welcher ich nichts weiss. Der Busfahrer winkt mir zu; man kennt sich eben. Fast ganz hinten sitzt mein Liebster. Wie immer total herzig und sexy. Alle Blicke sind zu mir gerichtet, ausser seiner. Er schaut nach unten.

Der Bus hält und die Gäste steigen aus. Ausser mein liebster Gast. Sein Kopf liegt noch immer auf seiner Brust. Ob er schläft? Ich betrete den Bus und stupse ihn an. Ein Zettel fällt aus seiner Hand: «Du bist das N, das uns verband, Naomi!»

Mein Name ist Denise. Und ich habe einfach kein Glück mit Männern. Zuerst verbringe ich ein viel zu langes Jahr meines Lebens mit einem aggressiven Sportfanatiker, der sich nicht mal meinen Vornamen merken kann. Und dann plane ich meine Zukunft mit einem jetzt Toten, dessen Name mir wiederum vor etwa einer Stunde entfallen ist.

Ende

So das war’s. Die Geschichte ist vorbei und der Teil hiess natürlich N, weil wir nun die Perspektive der einzigen Person mit Namen miterleben durften. Das N, das M und O – also Mörder und Opfer verband. Gestern haben Corinna und Willie als nächstes Kapitel G vorgeschlagen und ich dachte mir zuerst: Wie kommen die denn auf sowas? MGO macht ja gar keinen Sinn!? Dann habe ich mich erinnert, dass sie ja meine vollkommen Wirre Idee mit den verbundenen Buchstaben kennen. Zugegeben: OMG wäre fast passender und auf jeden Fall lustiger gewesen. Übrigens: Ich wollte den einzelnen Teilen keine Nummer zuordnen, weil sie ja gleichzeitig stattfinden und ich keinen bevorzugen wollte.

Nun, wie sagt man so schön: Wenn man seinen Witz erklären muss, ist er schlecht 😀 Dennoch danke fürs Lesen.

Cheers und habt ein tolles Wochenende trotz oder mit dem Gewitter.

Pfoffie

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