12. Mai 2016 um 12:00 Uhr, 4 Kommentare

Die Illusion der Zweinsamkeit

Mit dem einen Seelenverwandten gegen die ganze Welt.zweinsam

Ich war irgendwie immer ein Einzelgänger. Interessanterweise fiel es mir aber eigentlich nie wirklich schwer, Freunde zu finden. Während mich die meisten total seltsam fanden, gab es in jeder Gruppierung welche, die gerne mit mir Zeit verbrachten. Über die Jahre habe ich gemerkt, dass das immer mehr Menschen werden. Der Kreis an Menschen, der mich ebenso mag wie ich ihn, wurde immer grösser.

Dennoch verblieb ich in vielem gewissermassen einsam. Auch was meine damals hypothetische, irgendwann hoffentlich zustande kommende Liebschaft betraf. Ich stellte mir vor, wie irgendwo auf diesem Planeten ein zweiter einsamer Mensch umherirrte und mich suchte; eigentlich war es mir sogar klar, dass es so war. Würde ich diese Person irgendwann endlich treffen, würden wir verschmelzen, eins werden und gemeinsam als unbeirrbare Einheit die Welt bezwingen. Unser zusammentreffen würde explosiv, dramatisch und auf eine romantische Art schwierig sein. Es würde wohl Intrigen und Kämpfe geben und am Ende wären wir glücklich für immer.

Und kam es so? Nicht wirklich. Ich war ganz und gar nicht allein, hatte meine Freunde und plötzlich trat Daniel in mein Leben. Klar passen wir grossartig zusammen und klar lieben wir uns. Wäre es nicht so, wären wir nicht verheiratet. Dennoch: Wie in Filmen, Musik oder Literatur war es nicht. Meine Liebe hat sich einfach so ergeben. Wunderbar und total unspektakulär. Total angenehm, passend und ohne romantisches Drama. Es stimmte eben einfach. Wir trafen uns, er schlug vor einen Horrorfilm zu drehen und da wussten wir wohl, dass es perfekt passt. Es gab keine unsicheren, spannenden Phasen, sondern funktionierte einfach.

Zufälligerweise habe ich vor kurzem wieder alte Musik angehört und mir ist aufgefallen, wie aufdringlich das Thema dieser «Zweinsamkeit» immer war. Natürlich ist es in der heutigen Popkultur genau dasselbe, nur definiert mich das nicht mehr. Früher wurde ich aber durch den Inhalt der Kunst stark beeinflusst. Ich dachte es würde genau so sein und eigentlich bin ich enttäuscht, dass es nicht so war. Wahrscheinlich ist Ernüchterung der zentrale Teil des Erwachsenwerdens. All diese romantischen Vorstellungen sind eben nur dies; Vorstellungen. Nur Erfindungen die langfristig wohl gar nicht wirklich funktionieren. Jeder Liebesfilm endet bevor die Beziehung normal und damit fast belanglos wird. Wobei hier Belanglosigkeit nicht als etwas Negatives angesehen werden darf. Dass Dinge normal, alltäglich, zwar wichtig, zentral aber somit auf eine gewisse Weis auch belanglos werden, ist ein unabdingbarer Teil des Festlegens.

Klingt das traurig? Wahrscheinlich habe ich eine total düstere Weltanschauung. Ich sehe zwar Paare, die genau diese Art dramantische Beziehung vorleben. Einerseits beneide ich sie ein wenig. Andererseits sind sie aber leider viel zu oft wie Strohfeuer, die nicht sehr lange halten. Nicht, dass wir keine Dramen hätten, aber eben nicht auf so eine, von aussen gesehen «tolle» Art. Könnte es sein, dass irgendwo da draussen für sowohl Daniel als auch mich noch zwei andere einsame Leute auf der Suche nach uns umherirren? Die Personen, mit welchen wir das Liebesfilm-Drama ausleben könnten? Und was würde passieren, träfe einer von uns diese Person plötzlich? Es ist die typisch menschliche Suche nach einem Muster, einem göttlichen Plan, einem Schicksal. Alles Dinge, die es im zufälligen Universum wahrscheinlich nicht gibt. Ist es deprimierend, wenn man zufrieden mit dem ist, was man hat? Reicht Zufriedenheit nicht und sollte man nach mehr suchen? Und wenn ja, wann weiss man, dass es nicht mehr «nur» Zufriedenheit ist?

Wahrscheinlich, und das sollte wohl die Quintessenz dieses Beitrags sein, ist Zufriedenheit das höchste aller Gefühle.

Cheers
Pfoffie

4 thoughts on “Die Illusion der Zweinsamkeit”

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.