9. Mai 2016 um 12:00 Uhr

Die drei Arten der Schärfe

Erneut grossartiges aus der Rubrik Pfoffies egozentrische Weltanschauung.scharf

Früher mochte ich scharfes Essen gar nicht. Irgendwie habe ich das Gefühl, das war anerzogen. Plötzlich begann ich es zu lieben und merkte wie es mir gefiel verschiedenste Chili auszuprobieren. Dann trat Sushi so richtig in mein Leben. Ganz früher mochte ich das auch nicht; ebenfalls aus erziehungstechnischen Gründen. Später gab es eine Zeit in welcher ich mit Caroline viel Sushi ass, das «Grüne da» aber nicht, weil es uns zu scharf war. Als Sushi dann aber eben «so richtig» in mein Leben trat, wollte ich natürlich auch diese grüne Paste genannt Wasabi probieren.

Da fiel mir auf, dass Wasabi auf eine vollkommen andere Art scharf ist als Chili. Irgendwie zwar viel schärfer, gleichzeitig aber viel kurzzeitiger. Auch stieg die Schärfe in den Kopf und verflüchtigte sich dort. Während die Chilischärfe eher tief in den Körper ging und sich dort einfrass. Natürlich waren sie auch geschmacklich total verschieden. Stolz auf meine Erkenntnis erzählte ich einem damaligen Arbeitskollegen davon. Er reagierte wenig beeindruckt und sagte «Ja, es gibt eben die zwei Arten von Schärfe. Die Chili-Schärfe und die Meerrettich- (oder eben Wasabi-) Schärfe. Er sagte das so, als sei es Allgemeinwissen und ich glaubte und verteilte dieses Wissen. Oft stiess ich dabei auf weitere Menschen, die diese Aussage soweit unterstützten, dass sie mir bestätigten, dies bereits gewusst zu haben. Es war also tatsächlich Allgemeinwissen.

Vor ein paar Wochen fiel mir dann auf, dass Kimchi auch ganz toll und überraschend scharf ist. Interessanterweise war der Geschmack dem von Chili sehr ähnlich, während die Schärfe so stark und flüchtig wie die von Wasabi war. Wie konnte das sein? Für mich gab es nur eine Möglichkeit: Es gab noch eine dritte Art Schörfe; die Kimchi-Schärfe. Das macht doch Sinn, oder? Wenn es zwei gibt, die total verschieden sind, muss es doch irgendwie auch eine geben, die die beiden vermischt. Daraus schloss ich, dass es natürlich auch ein Nahrungsmittel geben muss, das nach Wasabi schmeckt aber so tief und fies scharf ist wie Chili.

Fast hätte ich es zu meiner Lebensaufgabe gemacht, diese Schärfe zu finden. Den Heiligen Gral der Schärfen sozusagen. Aber dann habe ich mehrere Wahrheiten erfahren. Zum Beispiel, dass Kimchi gleichermassen mit Rettich als auch mit Chili hergestellt wird. Dass daraus also schärfetechnisch eine Mischung entsteht ist keine Überraschung. Das hat mich schon ein bisschen enttäuscht; ich hatte gedacht, etwas wirklich interessantem auf der Spur zu sein.

Weiter habe ich gelesen, dass es (natürlich, was für eine Überraschung) auch Ingwer im Kimchi hat. Das erinnerte mich daran, dass auch Ingwer ziemlich scharf ist und zwar auf eine sehr eigene Art. Könnte man daraus schliessen, dass jedes scharfe Produkt auf seine ganz eigene Art Scharf ist? Höchstwahrscheinlich. Und dass die Theorie von nur zwei unterschiedlichen Schärfearten eine bescheuerte Theorie von Menschen ist, die anscheinend nur zwei Dinge in ihrem leben gegessen haben? Auf jeden Fall.

Jetzt habe ich Lust auf Rucola, der ist nämlich auch scharf. Rucola scharf? Ah das ist Senfscharf. Senfscharf!? Wo kommt das jetzt plötzlich her!?

Cheers und en Guete
Pfoffie

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