29. März 2016 um 12:04 Uhr, 2 Kommentare

Auf halber Linie versagt

Ich ging echt früh ins Bett und habe trotzdem verschlafen.sommerzeit

Letzte Woche sagte ich noch grossartig zur Rezeptionistin: «Dieses Jahr kann man die Zeitumstellung voll nicht als Ausrede fürs Verschlafen brauchen!» Dank dem Ostermontag hätten wir ja einen Tag mehr Zeit um uns dran zu gewöhnen. Und gerade bei mir hat das nicht funktioniert. Ich hätte sowas von eine ganze Stunde verschlafen! Zum Glück konnte ich mich gerade noch «3 vor Hausverlassen» aus dem Bett und in Kleider quälen. Die Linsen in der Hosentasche rannte ich zum Bahnhof und habe den Zug gerade noch so geschafft. Leider war es schon der Zug eine halbe Stunde zu spät. Bei meinem Job mit flexiblen Arbeitszeiten ist das ja nicht so schlimm, trotzdem nervt es mich, weil es länger arbeiten bedeutet.

Auf der anderen Seite stimmt das ja gerade heute wiederum nicht. Eine halbe Stunde zu spät sein bedeutet dank der Sommerzeit noch immer eine Stunde früher wieder gehen zu können. Oder sagen wir «eine Stunde heller» und das ist doch grossartig, oder?

Man kann keinen Text über die Sommerzeit schreiben, ohne darüber zu debattieren, ob sie nötig ist oder nicht. Ursprünglich wurde sie 1916 vor allem eingeführt, um im Krieg an den Abenden weniger Energie an künstliche Beleuchtung zu vergeuden. Noch im selben Jahr wurde dieser Effekt jedoch quasi als nichtvorhanden entlarvt. Noch immer hält sich dieses Argument in den Köpfen vieler. Statistisch gesehen hat die Sommerzeit aber im besten Fall einfach keine Auswirkungen. Nachdem 2006 in den USA die «Tageslichtsparzeit» eingeführt wurde, verschlechterte sich aber zum Beispiel die Energiebilanz von Indiana sogar.

Ich glaube also nicht an den Ökowert der Sommerzeit und wurde sogar Verschlafens-Opfer. Ganz eindeutig muss ich also gegen dieses 100 Jahre alte Ungetüm sein. Bin ich aber nicht. Auch wenn ich alle halben Jahre wieder unglaublich verwirrt bin, so gefällt mir doch der Effekt, am Abend länger Sonne und Wärme zu haben. Klar ist das nur eine psychologische Täuschung und ich würde mich wohl kaum gross anders verhalten, gäbe es die Sommerzeit nicht. Aber ginge es darum, eine der beiden Zeiten abzuschaffen, würde ich die Winterzeit loswerden wollen. Im Winter ist am Morgen eh stockfinster, ob es das nun eine Stunde länger ist oder nicht, ist mir egaler als derselbe Effekt am Abend.

Das Problem mit der Winterzeit ist, dass viele sie für die «richtige Zeit» halten. Ich kenne diverse Leute, zum Beispiel meinen Vater, die den ganzen Sommer hindurch «eigentlich wäre es …» iterieren. Klar gibt es Gründe, warum die Winterzeit die «richtige» ist. Trotzdem ist auch sie von uns erfunden worden und es gibt kein universales, göttliches Gesetz, das verbietet, sie zu ändern. So etwas wie eine richtige Zeit gibt es also wahrscheinlich gar nicht.

Vielleicht ist also nicht die Sommerzeit das veraltete Konzept, von welchem wir uns lösen sollten, sondern die «richtige Zeit». Niemand will dich, Winterzeit, geh schlafen! Gleichzeitig ist es gut, sowas verwirrendes zu haben. Das hält das Gehirn wach. Wir sollten es uns nie zu einfach machen.

Was haltet ihr von diesen Zeitspielen?

Cheers,
Pfoffie

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