4. März 2016 um 12:00 Uhr

Sense8 – Review

Endlich habe ich mich durch alle 12 Episoden der ersten Staffel Sense8 durchgekämpft.sense8

Als ich letzten Sommer hörte, dass die Wachowskis eine Mysteryserie für Netflix produzieren, war ich total aus dem Häuschen. Ich mag sie und ihre Produktionen. Cloud Atlas, wahrscheinlich mein Lieblingsfilm, ist von ihnen und so hatte ich natürlich einige Erwartungen.

Doch die erste Episode liess mich mehr als enttäuscht zurück. Die Serie dreht sich um eine Gruppe von 8 Personen, die telepathisch verbunden sind. Interessanterweise sind alle diese Personen auf ihre besondere Art Teil einer Randgruppe. Wir haben einen schwulen mexikanischen Schauspieler, eine Transsexuelle, eine koreanische Geschäftsfrau, den Sohn einer Alleinerziehenden, einen netten Dieb, einen nicht korrupten Cop, eine Inderin und eine DJane. Zugegeben: Die zweite Hälfte ist nicht wirklich Teil einer bedrohten Randgruppe. Dennoch wurde in der ersten Episode eindeutig klar, dass sich alle irgendwie mit dem Thema «aus den Konventionen ausbrechen» rumschlagen. Die Wachowskis sind ja bekannt dafür, dass sie gerne mit Genderfragen und so herumspielen und eigentlich finde ich das super. Sie schaffen Awareness und das muss auf jeden Fall unterstützt werden. Dennoch fühlte sich für mich nach dieser ersten Episode alles so platt und unglaubwürdig an. Irgendwie fand ich es zu aufdringlich und ging sogar soweit, es als schlecht geschrieben zu empfinden.

Aus diesem Grund schaute ich Sense8 eine Ewigkeit nicht weiter und machte sogar negative Werbung darüber. Gleichzeitig verschlang in meinem Umfeld einer nach dem anderen die Serie und liebte sie. Einige liebten es so sehr, dass sie mir schon fast sowas wie Diskriminierung vorwarfen, weil es mir nicht gefiel. Was natürlich meine Meinung noch weiter sinken liess.

Irgendwann führte ich ein Gespräch mit meiner Freundin Lilith und sie war die erste, die zumindest meine Punkte verstand und es auch als erste nicht als einen Affront gegen Minderheiten sah. Sie wies mich aber freundlich darauf hin, dass meine Aussage falsch war: Mir gefiel lediglich die erste Episode nicht und sie empfahl mir, vor einer finalen Meinung die Show zu ende zu schauen.

Ich tat es und es wurde tatsächlich immer besser. Schon die zweite Episode empfand ich vollkommen anders. Erst jetzt begann ich etwas für die Charaktere zu empfinden. Plötzlich interessierte ich mich mehr für die Geschichte, empfand Spannung und wollte wissen wie es weiter geht. Und wie gesagt: Es wurde immer besser! Die Dinge, die mir an der ersten Episode nicht gefielen, waren zwar noch immer da. Doch irgendwie störten sie mich kaum mehr. Ob sie besser integriert waren oder sich etwas in mir verändert hatte, weiss ich nicht. Vielleicht hatte ich einfach den Abstand gebraucht. Oder aber ich war bei der ersten Episode einfach zufällig nicht empfänglich für aggressive Moral und expliziten Sex. Haha, ich bin wie ein Klischee-Amerikaner … wehe man sieht Brüste und muss sich Gedanken zu etwas machen.

Eingangs habe ich clickbaiterisch gesagt, ich hätte mich endlich durch alle Episoden gekämpft. Aber wirklich gekämpft – und zwar so richtig schwer – habe ich tatsächlich nur bei der ersten Episode. Danach wurde es gut, dann super und sogar grossartig. Die Story ist sehr interessant und komplex. Manchmal wohl sogar zu komplex für die Schöpfer selbst – ich bin mir zum Beispiel ziemlich sicher, dass ab und zu die Tageszeiten vollkommen falsch sind. Aber das ist ja nicht so schlimm. Sehr spannend ist auch, wie stark die individuellen normalen Leben der acht Protagonisten im Vordergrund stehen und nur zum Teil mit dieser «Wir sind eins»-Sache verknüpft werden. Natürlich wird dieser Teil stetig mehr und mehr und alles verbindet sich immer stärker. Und selbst wenn einem gar nichts davon im geringsten interessiert, lohnt es sich nur schon der tollen Aufnahmen wegen einzuschalten.

Ich habe nun ein bisschen Angst, dass meine eigentlich sehr positive Meinung zum Komplettprodukt unter den negativen Punkten vom Anfang untergeht. Ich überlegte sogar, den Teil wegzulassen. Aber meine tiefschlechte Erfahrung mit der ersten Episode gehört genauso zu meiner Meinung wie der grossartige Rest.

Schaut es euch an!

Cheers,
Pfoffie

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