4. November 2015 um 12:00 Uhr, 3 Kommentare

#neophil VS #neophob

Ich bin total neophil und möchte immer das aller aller aller aller Neuste am liebsten schon drei Tage bevor es fertig ist. Ich bin damit nicht alleine aber es gibt auch das Gegenteil. neophilphob

Als Neophobie wird die Angst vor etwas Neuem, unbekannten Situationen, neuartigen Dingen oder fremden Personen bezeichnet. Menschen und Tiere mit der Angst vor Neuem bezeichnet man auch als neophob im Gegensatz zu neophil. Dies kommt direkt so von Wikipedia.

Manchmal kommt es mir vor, als seien Neophobe und Neugierige in einem Krieg. Beide Seiten wettern oft sehr aggressiv gegen die jeweils andere. Ich werde zum Beispiel ziemlich oft blöd angemacht, weil ich mir ein neues Gerät kaufe in welchem andere keinen Sinn sehen. Sei es nun eine Bluetooth-Zahnbürste oder das neue Apple TV. Zum Glück kann ich inzwischen mit sowas gut umgehen, wirklich verstehen tue ich dieses Verhalten aber nicht. Was ist denn Schlimmes dran, wenn ich gerne neue Dinge ausprobiere?

Hier schlägt aber eine kognitive Verzerrung zu. Wahrscheinlich der «Bestätigungsfehler». Natürlich finde ich es in Ordnung, neue Dinge zu wollen, denn das ist ja genau so, wie ich bin. Umgekehrt nerve ich mich nämlich genau auch über Leute die zum Beispiel kein E-Banking machen wollen oder immer alles konservieren wollen und nur «das Frühere» als gut anschauen. Natürlich spreche ich sowas nie aus – schon gar nicht beleidigend. Ich möchte gemässigt, freundlich und fair sein. Dennoch sind diese Gefühle da und mein Gehirn sagt mir, dass das vollkommen in Ordnung ist. Denn meine Einstellung ist ja die «normale».

Aber kann man das Ganze irgendwie objektiv anschauen? Oder die bessere Frage: Kann ich das Thema unbefangen behandeln? Ich versuche die Beweggründe von Neophoben zu verstehen aber es ist sehr schwer.

Aus der Sicht einer neophilen Person stoppen Neophobe den Fortschritt. Aus der Sicht einer neophoben Person gehen Neophile viel zu unvorsichtig und naiv an Dinge heran. Und genau deshalb braucht es beides. Wenn alle gleich denken und nie etwas hinterfragt würde, wäre das bestimmt schlecht für unsere Spezies. Eine pure Gruppe aus Neophoben wird sich niemals weiterentwickeln während eine Gruppe Neophiler sich ohne etwas zu hinterfragen in Windeseile in die Ausrottung weiterentwickeln würde. Es gibt keine richtige Seite. Es ist derselbe Krieg, wie ihn auch politische Parteien führen. Ich werde Konservative wohl nie verstehen, verstehe und anerkenne aber ihre Daseinsberechtigung. Das einzige was mich stört ist das oft sehr aggressive Vorgehen. Aber das ist ein so altes Thema das unabhängig von allem ist. Ob jemand ein Arsch ist, hängt nicht von der Einstellung ab, sondern davon ob die Person ein Arsch ist. 🙂

Natürlich gibt es hier dutzende Graustufen und man kann die Welt nicht einfach in «hasst neu» und «liebt neu» unterteilen. Aber für so einen Artikel ist es einfacher, wenn man sich auf die Extremen beschränkt.

Lustig ist ja, dass ich früher selbst extrem neophob war. Wahrscheinlich anerzogen. Und als ich endlich über meinen Schatten sprang und Neues probierte, wurde ich sofort süchtig! Ich machte quasi eine Saulus-Paulus-Verwandlung durch und kann Neophobie deshalb noch weniger verstehen. Ich denke immer: Sie müssten es doch nur mal ausprobieren, es würde ihnen bestimmt auch gefallen!

Aber da wären wir wieder bei den kognitiven Verzerrungen. Man kann nicht von sich auf andere schliessen.

Cheers, pfoffie

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