2. November 2015 um 12:00 Uhr

Die Wissenschaft dahinter

Es ist nicht so wie es aussieht. Letzte Woche habe ich vier unheimliche Geschichten erzählt. Heute versuche ich sie so wissenschaftlich wie möglich zu erklären!

erklaeren8

In meiner Zeit als ich «glaubte» brachte ich oft genau die letztwöchigen Geschichten als «Beweise» an. Mein Interesse an echter Wissenschaft, sowie viele viele Dokus über Grenzwissenschaftliches und Übernatürliches haben mir immer mehr die Augen geöffnet. Ich kann mich noch an eine Sendung über Kryptozoologie erinnern wo man einen «auf zwei Beinen gehenden Affen (Orang Pendek)» suchte – und nicht fand. Ich dachte plötzlich: Wenn es nicht mal so ein lahmes Tier wie den Orang Pendek gibt, wie soll es denn dann Nessie, Geister oder gar Dämonen geben? Wahrscheinlich eine etwas fehlgeleitete Schlussfolgerung, dennoch hier meine Erkenntnisse im Bezug auf die vier Geschichten von letzter Woche:

Die Riesenwesen im Wald sind Interferenzmuster
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hr habt euch vielleicht schon gefragt, was dieses komische Linienwackelwellenbild heute soll. Das habe ich gemacht, damit ich euch ein gutes Beispiel für ein Interferenzmuster bieten kann. Wenn sich die dünnen Linien kreuzen, erscheinen sie dicker und wenn das Auge dann die «dickeren Punkte» sieht, versucht das Gehirn darin ein Muster zu sehen, etwas bekanntes. Im Beispiel oben sollte man Bögen sehen. Ich versichere euch aber: Alle Linien sind gerade. Wenn ihr nun hoch und runter scrollt, sollten sich die Bögen sogar bewegen! (Funktioniert nicht auf gewissen Mobiltelefonen) Aber ich schwöre ich habe nichts animiert.

Ganz genau das passiert auch im Wald. Die Bäume sind wie die dünnen Linien. Ein leichter Windhauch oder eine sanfte Bewegung können schon reichen um die Illusion einer «weiteren» Bewegung zu erschaffen, vor allem wenn man’s nur aus dem Augenwinkel sieht. Egal wen ich gefragt habe, niemand hat wirklich etwas im Wald gesehen, nur die Bewegung und beim genauen Hinschauen war es schon wieder verschwunden.

Der Geist nach dem Friedhof war eine Eule
Eulen haben eine ganz spezielle Art wie sie fliegen. Sie starten von einem hohen Punkt – also einem Baum oder einem Gebäude – lassen sich fallen, holen so Schwung und fliegen dann hoch zum nächsten hohen Punkt. Das ist viel weniger anstrengend (und auch schneller) als geradeaus zu fliegen. In einer dieser vielen Geistersucherdokus – leider habe ich Sendung und Episode vergessen – erschrak eine der «Investigatorinnen» weil sie hinter sich die «weisse Lady» durchhuschen sah. Nach der Werbung wurde dann erklärt, dass es nur eine Eule gewesen sei. Eulen seien die Nummer 1 Erklärung für diese Art von Geistererscheinungen. Sie huschen tief unten vorbei und sind dann schon wieder ganz weit oben. Deshalb finden wir nichts, wenn wir uns umdrehen und auf unserer Höhe nach etwas suchen. Ich sass mit weit aufgerissenem Maul vor dem TV und war schockiert: Meine einzige Geistergeschichte mit echten Zeugen war gerade zerschmettert worden.

Der Geist in der Maschine ist schon etwas komplizierter
Ein Teil von mir wünscht sich, ich hätte auch für den Geist in der Maschine eine so einfache Erklärung. Einfach eine Doku geschaut und dann gewusst: Ach so, das war’s! Beim Geist spielen aber viele verschiedene Dinge eine Rolle.

Fangen wir an bei den Schlafproblemen. Das «kurz vorm Einschlafen aufgrund eines eingebildeten Lichtblitzes und/oder Lärms aufschrecken» ist ein ziemlich normales Phänomen. Es kommt während der Hypnagogie vor und wenn ich mich richtig erinnere, kann es im Zusammenhang mit Stress liegen. Ich war damals mitten in meiner Ausbildung und könnte kurz vor schwierigen Prüfungen gestanden haben.

Schlechter Schlaf wiederum kann zu ganz anderen Problemen führen. In der Doku über Schlafparalyse haben Leute von vielen schrägen Dingen erzählt, bei denen Sie vermeintlich wach waren. Was also, wenn ich mir die Geschichte mit dem stehenden Papier nur eingebildet habe? Womöglich habe ich auch das Papier gesehen und mir gedacht es wäre total unheimlich gewesen, wenn das einfach so auf dem Tisch gestanden hätte und irgendwie hat mein Gehirn dann daraus einfach eine Erinnerung erfunden. Dasselbe könnte man auch auf die Posterflagge anwenden. Oder aus irgendeinem Grund hatte meine Mutter oder so diese rausgeholt. Heute wird sich niemand mehr daran erinnern. Da für mich der Fall damals klar war, habe ich natürlich auch nie nachgefragt.

Und dann gäbe es noch den Radio. Ich sagte der Radio hätte nie wieder seltsame Sachen gemacht. Das ist aber nicht ganz wahr. Er zum Beispiel eine Phase, in welcher sich einfach das CD-Fach öffnete und schloss. Das war beim ersten Mal unheimlich, dann merkte ich, dass es an der Plasmalampe über dem Radio lag. Ich verschob sie und es hörte auf. Aber ich hatte ab sofort einen kleinen Zaubertrick auf Lager: Ich hielt eine Hand auf die weit entfernte Lampe und die andere in die Nähe des Radios – puff öffnete sich das CD-Fach. Elektronik ist also sehr anfällig für alles Mögliche.

Wer weiss, womöglich war ich in diesen Tagen aufgrund des angenommenen Stresses auch irgendwie elektrisch geladen. Durch das kleine Ritual wurde ich womöglich entspannt und entladen. Jahre später erzählte eine Arbeitskollegin von ihrem Autoradio das ab und zu einfach so das Volumen extrem erhöht. Ich scherzte, sollte ich jemals bei ihr mitfahren, würde das bestimmt passieren. Einige Monate später fuhren wir in ihrem Auto zu einer Installation bei einem Kunden – das erste Mal, das ich zu einem Kunden ging – und prompt geschah es. Sie versicherte mir, das sei das erste Mal seit Monaten, dass das geschehe. Womöglich ist das also vielleicht einfach etwas das ich kann.

Und der Geist in der Ecke…
Ausser einem fiesen Albtraum gepaart mit einem unglaublichen Zufall habe ich keine weiteren Ideen. Sehr enttäuschend.

Ihr seht, die Erklärungen werden immer vager und die Geschichten fühlen sich wohl deshalb auch unheimlicher an. Je eindeutiger und verständlicher ein Phänomen ist, um so weniger angsteinflössend aber auch weniger magisch ist es. Immer wenn mir sowas passiert, wünschte ich es passierte mir nicht. Sobald es vorbei ist bin ich traurig es nicht genauer untersucht zu haben.

En schöni Wuche,
Pfoffie

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