30. Oktober 2015 um 12:00 Uhr, 1 Kommentar

Der wütende Kunde

Zum Abschluss eine kurze aber für mich zumindest intensive Geschichte. Die gestrige ist eigentlich meine liebste Gruselgeschichte. Diese hier bietet weniger Spannung, verfolgt mich aber bis Heute und lässt mich manche Nächte kaum schlafen. halloween5

Es geschah zwei Monate nachdem ich Daniel kennenlernte. Mein jetziger Ehemann wohnte in Chur und wir führten eine Wochenendbeziehung. Fast jeden Freitag fuhr ich mit dem Zug den langen und beschwerlichen Weg von Luzern nach Chur. So auch am 6. September 2008. Ich weiss noch, dass ich ziemlich müde ankam weil ich mich im Büro mit einem schwierigen Projekt eines schwierigen Kunden rumgeschlagen hatte. Wir gingen also vergleichsweise früh schlafen.

Obwohl wir dort einen Horrorfilm gedreht hatten, war Daniels Wohnung eigentlich gar nicht unheimlich. Als ich aber in jener Nacht plötzlich aufwachte, war alles unerklärlicherweise beklemmend gruselig. Ich weiss die Zeit nicht, aber es war mitten in der Nacht. Das Zimmer wirkte leicht erleuchtet und das Licht kam aus der Ecke neben dem Fenster. Ich traute mich kaum dorthin zu schauen, nahm aber all meinen Mut zusammen. Ich sagte mir, dass da nichts sein würde – wie damals als ich monatelang angst vor einem Geist im Gang meines Elternhauses hatte, bis sich herausstellte dass es nur das Licht der Stereoanlage meines Bruders war.

Und so schaute ich in diese Ecke und hätte fast laut herausgeschrien. Dort stand eine Person. Transparent und bläulich leuchtend. Sie schaute mir wütend direkt in die Augen. Ich spürte die Wut bis in mein tiefstes innerstes und machte mir noch viel mehr Angst. Es war ein Mann und ich wusste ich kannte ihn. Aber ich erkannte trotzdem nicht, wer genau es war. Er stand einfach da und sagte nichts, tat nichts ausser wütend sein. Ich drehte mich schnell wieder zu Daniel zurück, sagte ich hätte angst und frage ob er auch etwas sah. Verschlafen sagte er, es sei alles gut und ich hätte nur einen Albtraum gehabt. Ich tat es schliesslich auch als solchen ab, obwohl mich der Traum noch tagelang beschäftigte.

Am Montag erzählte ich Miri in der Pause von diesem Traum. Ihre erste und direkte Reaktion: «Ist jemand bei dir in der Familie gestorben? Oder jemand den du kennst?» Ich verneinte. Der Traum war ja bereits drei Tage her und wäre jemand gestorben, hätte ich das bestimmt schon erfahren.

Nach der Pause wurden wir zu einer ausserordentlichen Sitzung zusammengerufen. Unser Chef erzählte uns, dass «der schwierige Kunde» in der Nacht von Freitag auf Samstag die Treppe hinuntergestürzt und gestorben sei. Mir lief es eiskalt den Rücken herunter.

Happy Halloween euch allen!

Pfoffie

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