Kaum einer in meinem Umfeld erwähnt jemals meine sexuelle Orientierung!!! Ist das eine Frechheit oder eigentlich doch in Ordnung?toschweigen

Ja, das ist der am Montag versprochene Folgebeitrag. Der Montagspost endete ja mit «Das Erfreuliche ist …». Das zeigt wohl schon, in welche Richtung mein heutiger Beitrag in etwa gehen wird.

Ich wurde in meinem ganzen Leben noch nie diskriminiert. Zumindest nicht so richtig. Ja, ich empfinde «nicht Blut spenden zu dürfen» oder «nicht wirklich heiraten zu können» als Form von Diskriminierung. Die geht aber gegen alle meines «Schlages», nicht gegen mich persönlich und man könnte dagegen gemeinsam angehen. Ich persönlich musste mich aber niemals verstellen und konnte immer so sein, wie ich bin. Das hat mir weder in meinem sozialen Umfeld noch im Berufsleben jemals einen Nachteil gebracht. Und dafür bin ich wirklich dankbar, obwohl es mir natürlich gar nicht auffällt. Denn für mich ist es genau so normal, normal zu sein, wie es für mein Umfeld offenbar ist. Aber ich weiss, dass es Menschen gibt, die dieses Glück nicht haben.

Wahrscheinlich reicht eine einzige bösartige Person und man ist für immer kaputt. Die Frage ist nun: Gibt oder gab es in meinem Umfeld wirklich niemals solche Personen oder ignoriere ich sie einfach? Vielleicht hat mir aber auch meine Aufgeschlossenheit oder meine positive Einstellung dabei geholfen. Wenn jemand etwas abschätziges über mich sagt, fühle ich mich nicht einfach schlecht, sondern suche das Gespräch. Aber sowas ist wirklich schon lange nicht mehr passiert. Zum Glück!

Interessant ist, dass ich mit den meisten Heteromännern in meinem Umfeld sogar einen vollkommen offenen Dialog darüber führen kann. Wenn eine heisse Schnecke an uns vorbeigeht, wird das erwähnt – ganz egal ob die Schnecke ein Mann oder eine Frau war. Das Wort «schwul» fällt da so gut wie nie und es stört auch niemanden. Und genau das ist, was ich mir für die ganze Welt wünsche.

Wenn ein Mann eine Frau anflirtet und sie gibt ihm einen Korb ist das vollkommen in Ordnung und normal. Wenn ein Mann einen nichtschwulen Mann anflirtet ist das gleich «problematisch». Man soll also im Vornherein wissen was Person XY für sexuelle Präferenzen hat. Könnte sich Person XY nicht auch einfach geschmeichelt fühlen und auf einen Drink einladen lassen? Hier werden wohl wieder einige Aufschreien. Das wäre ja voll gemein, wenn der böse Hetero den armen Homo einfach ausnützen, ihm Hoffnungen machen würde. Aber Frauen tun genau das auch und es ist in Ordnung. Ich bin mir sicher, dass die meisten meiner Heteromännerfreunde kein Problem damit hätten von einem Mann angemacht zu werden. Aber ich bin mir auch gleich sicher, dass das nicht für die Mehrheit der Heteromänner gilt.

Es ist wie wenn ich jemanden zum Broccoliplausch einlade, der Broccoli nicht mag. Diese Person kann ja trotzdem vorbeikommen und sich einfach volllaufen lassen. 🙂 Es wäre schon schön gewesen, hätten wir beide Broccoli gemocht, aber vielleicht werden wir ja trotzdem Freunde.

Wie immer fühlt es sich beim Durchlesen so an, als hätte ich meinen Punkt nicht rüberbringen können. Was meint ihr? Alles was ich sagen will ist, dass man einfach locker und offen sein soll und sich nicht von irgendwas bedroht fühlen sollte, das einen eh nicht betrifft. Ist doch viel schlimmer wenn jemand allen Broccoli wegschnabuliert als wenn es noch mehr für mich übrig hat. Gott, ich habe solche Lust auf Broccoli.

Cheers, Pfoffie

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5 Kommentare

  1. Du hast einen super schönen und guten Beitrag geschrieben!
    Ich finde sowieso weshalb man bei denn Männern so blöd tun muss, sie haben doch auch ein recht, so zu leben wie sie glücklich sein können!!!…
    Bei denn Frauen die auch so ein leben leben, tut man nicht so blöd warum? Es gibt doch kein unterschied auser dem Geschlecht!!!… Das verstehe ich nicht!
    Ich liebe die Homo Männer die ich kenne! Sie sind sehr lieb und hilfsbereit!!!…
    Es soll doch jeder so leben können, wie es ihm gefällt und er glücklich sein kann und ist!!!…
    Ich wünsche Euch beiden weiter hin viel Glück und viele glückliche Stunden, Ich liebe Euch beide von ganzem Herzen, und bin immer für Euch da!!!…

    Mit herzlichst liebem Grüessli
    Mami

  2. Bitte ist gern geschehn, ich danke auch.
    Ich finde Ihr seit auch Persönlichkeiten, die vom Hergott erschaffen wurdet!!!…
    Ihr fühlt einfach anders, das ist auch keine Krankheit!
    Und wenn man die Menschen akzeptiert wie sie sind und leben, dann sollte das gar kein problem sein!
    Probleme machen diese Personen, wo eh mit allem Problem haben und nichts recht ist!
    Die haben selber ein Problem wo sie nicht wahr haben wollen, oder es nicht akzeptieren wollen!
    Das ist einfach meine Meinung!
    Jetzt wünsche ich Dir, trotz Regen einen schönen Tag, machs guet :-)))

    Mit herzlichst liebem Grüessli
    Mami

  3. Hallo, die alte Fastnacht hier, hab den Beitrag eben erst gelesen und konnte mir einen Kommentar nicht verkneifen…

    Du hast den Punkt bestens rüber gebracht.

    Ich vermute, dass sich viele Heteromänner in ihrer Männlichkeit bedroht fühlen, wenn sie von einem anderen Mann angeflirtet werden. Wie so oft sagt also auch hier die Reaktion des Heteromannes viel mehr über ihn (und unsere Gesellschaft) aus, als über sein Gegenüber. Mal abgesehen davon, dass dieses ganze Szenario impliziert, dass Mann weniger männnlich sei, wenn er auf Männer steht, was mir absolut lächerlich erscheint. Was hat sexuelle Orientierung denn damit zu tun, wie viel männliche oder weibliche Energie ein Mensch in sich trägt?

    Ohnehin trägt unsere Gesellschaft grosse Scheuklappen, wenn sie Menschen in die zwei Kategorien Mann und Frau oder schwul und hetero aufteilt. Als wäre das Leben und die Biologie und die Seele so einfach zu schubladisieren.

    Liebe Grüsse,
    Balbina

    1. Liebe Balbina,
      Vielen Dank für deine Worte! Ich kann dir nur zustimmen. Deine Erkenntnis, dass die Gesellschaft Scheuklappen trägt, wenn sie uns alle in Schubladen stecken will, teile ich ganz genau so. Ich verstehe, dass es gewisse Worte braucht um sich zu kommunizieren, um sich selbst zu beschreiben. Aber nur weil es ein Wort für etwas gibt, bedeutet das nicht, dass dies die einzige wahre Beschreibung ist.

      Liebe Grüsse,
      René

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