7. September 2015 um 12:12 Uhr, 4 Kommentare

Auf dem Weg durch die Nacht

Am Samstag fuhr ich mit dem Fahrrad von Horw nach Ebikon. Ein sehr interessantes Erlebnis.nacht

Wir hatten gerade «Mad Max: Fury Road» geschaut und vier Szenen von «28 Weeks Later». Ich hatte zwei Gläser Wein intus und es war eisig kalte 12°. Das erste Problem, das sich mir in den Weg stellte, war das Fahrradschloss. Wie immer im dunkeln. Ich drehte, war mir sicher die richtige Kombination zu haben, zog, nichts geschah, ich prüfte die Kombination, sie stimmte, zog nochmal, es ging nicht, prüfte nochmal, ach sie war doch falsch. All dies natürlich in der latenten Angst, von einem Zombie angegriffen zu werden.

Als ich endlich los fuhr, wurde diese latente Angst noch grösser. Es fühlte sich nämlich ziemlich stark nach Apokalypse an. Es war still, totenstill und leer, totenleer. Ich fuhr mit dem Rad über leere Strassen und kam dann irgendwann in Downtown Horw an. Ein einzelnes Fahrzeug fuhr mir entgegen und hielt kurz hinter mir an. Eine einsame Person stieg aus und ging irgendwohin. Ab dem Kreisel verfolgte mich ein Fahrzeug von welchem ich bis jetzt nicht verstehe, warum es mich nicht überholte. Beim nächsten Kreisel fuhr es wieder weg von mir. Vorbei an hohen Türmen und dem gelben Fussballstadion. Keine Menschenseele und der Bahnhof durch ein Gitter geschlossen.

Danach führte mich der Weg zuerst in die Eschen- und dann in die Bleicherstrasse. Beide stockdunkel. Das einzige Licht kam von mir, beziehungsweise meinem Fahrrad. Ein unangenehmes Gefühl beschlich mich. Was wenn jemand auf der Strasse stünde und ich würde die Person nicht sehen? Was wenn jemand böswillig auf der Strasse stünde, mich vom Fahrrad werfen und verprügeln, ausrauben oder Schlimmeres wollte? «Es ist kurz vor zwei Uhr!», erkannte ich plötzlich und beruhigte mich selber. «Jetzt ist niemand mehr wach.»

Doch dann fuhr ich auf den Bundesplatz und mit einem Schlag war das Leben wieder da. Viele Menschen, viele Autos und je näher ich dem Bahnhof kam, um so mehr wurden es. Um so lebendiger wurde es. Ich erinnerte mich, dass ja Samstag war und doch nicht «alle» schliefen. Natürlich waren mal wieder alle Menschen im Roadhouse und ich wusste nicht, ob ich mich hier nun besser fühlte als in den dunklen Strassen zuvor. Auch auf der Brücke und am Quai schlenderten noch dutzende wacher und fröhlicher Personen umher. Ich radelte schliesslich die Zürichstrasse hoch, überholte dabei eine Frau mit einer netten Jacke (was ich ihr ausser Atem auch mitteilte) und kam schliesslich auf dem Schlossberg an.

Mit einem lautlosen Knall war ich wieder in der einsamen Stille angelangt. Keine Menschen mehr, keine Fahrzeuge mehr. Nur ein einziges Auto noch, das mich auf der dunklen Strasse vor St. Klemens überholte. Fünf Minuten später war ich zuhause. Es war zwei Uhr. Samstag. Die Vororte apokalyptisch ausgestorben und die Mittelstadt noch immer mittellebendig.

Cheers,
Pfoffie

4 thoughts on “Auf dem Weg durch die Nacht”

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.