12. August 2015 um 12:08 Uhr, 1 Kommentar

Ich werde immer noch bodyshamed und es macht mir immer noch gleich viel aus

Wie ihr wisst (weil ich es euch IMMER WIEDER unter die Nase reibe) habe ich recht viel abgenommen. Ich gehöre (laut BMI und Spiegelbild) aber «noch» zu den übergewichtigen. Das Lustige ist: Man hat trotzdem bereits Neues gefunden um mich zu hänseln.

Auf Englisch nennt man das Bodyshaming und es gibt dafür keine wirklich gute Übersetzung. Hänseln ist zu allgemein. Mobbing zu krass. Gerade für Letzteres finde ich, braucht es immer zwei Parteien. Mobbing ist etwas, das man mit sich machen lässt (was auf keinen Fall eine Rechtfertigung für Mobber sein soll). Beim Bodyshaming geht’s darum, das Gegenüber auf irgendwelche optischen «Makel» hinzuweisen. Die Palette ist sehr gross. Im Normalfall geht es um Körperform, zu fett, zu dünn, zu knochig, zu muskulös. Daher auch das englische Wort. Natürlich kann das aber gut auf Sehvermögen, Kleidungsstil oder Hautfarbe (zum Glück entspreche ich wenigstens hierbei der hiesigen Norm haha) ausgeweitet werden.

Das Beste daran ist, dass es freundlich verpackt wird. «Du bist so dünn … Du siehst krank aus!» Wie nett, dass Person Y sich um meine Gesundheit sorgt. «Dicker hast du viel besser ausgesehen» Wie nett, dass Person X mir das, als ich «noch dicker» war, nie gesagt hätte. Es gibt Leute, die mir sowas sagen würden, das dabei ehrlich und gutmütig meinen würden. Die meisten die das aber tun, möchten unterbewusst wohl eher, dass ich mich schlechter fühle. Wahrscheinlich, weil sie von eigenen «Makeln» ablenken möchten.

Für’s Dick sein und’s Brille Tragen ertrage ich Angriffe ja schon seit der Kindheit. Einmal lief ich weinend zu meiner Mutter, weil ein Mädchen mich Fettsack nannte. Einmal weil irgendwer Brillenschlange gesagt hatte. Ab dann traf mich nichts mehr: Ja, ich habe mit Hänseln etwa in der zweiten Klasse abgeschlossen.

mobbing

Wie ihr in meinem Beitrag am Montag bestimmt gemerkt habt, war ich früher davon überzeugt es gäbe echte Regeln dafür, was attraktiv, was sexy und was auch immer ist. Zum Glück habe ich grundsätzlich zwei Dinge erkannt: 1. Es geht nicht darum gut auszusehen, sondern sich gut zu fühlen (gesund zu sein) und 2. Wird es immer Leute geben, die etwas an einem auszusetzen haben. Dummerweise sind diese Individuen lauter als die freundlich gesinnten. Zum Glück ist das alles aber eher deren Problem als meines. Wenn mich Person Z nicht (mehr) attraktiv findet ist das ja deren Verlust und nicht meiner. Lustig, dass ich fast dreißig Jahre alt werden musste, um dies herauszufinden. Zugegeben: herausfinden ist wohl das falsche Wort, sagen mir das doch schon so viele so lange.

Nun steh ich da, habe Brusthaare, höchstfarbige Kleider von Desigual und wohl einen «Dadbod». Somit entspreche ich dem diesjährig hochgehypten «Schönheitsideal». Definiert von mehr als 50% aller Personen, die jährlich das Schönheitsideal definieren. Was wahrscheinlich so die Meinung von 5% der Weltbevölkerung widerspiegelt. #Achievement Aber ich beschwere mich nicht, sondern geniesse meine 15 Minuten Trendysein. Nächstes Jahr bin ich dann wieder ein Hipsternerd. Zum Glück werde ich mich dafür nicht verändern müssen und zum Glück werden mich immer noch gleich viele Leute gleich gut finden.

Schöne Mittwoch,
Pfoffie

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