4. August 2015 um 12:06 Uhr

«Sternschnuppen» – Eine Kurzgeschichte

Diese Geschichte basiert auf einem Traum den ich am Donnerstagabend hatte. Viel spass und wünscht euch was!


sternschnuppen

Sternschnuppen

Ich sitze auf einer Bank, das Wetter ist toll und es ist Abend. Die Sterne leuchten klar und hell und wunderschön. Ein Flugzeug durchkreuzt den Himmel und damit auch meine Sicht. Es fliegt still, sanft und gerade. In irgendeine Richtung. «Eine Ferienrichtung», denke ich und bin neidisch. All diese Menschen, die irgendwohin in den Urlaub, die Freizeit und -heit entschwinden können. Aber auch alle die, die gerade von dort zurückkehren. Vollgepackt wahrscheinlich mit wunderbarsten Erinnerungen. Womöglich noch immer voller Energie oder ausgelaugt erholt schlafend. In Einzelfällen freuen sie sich vielleicht sogar darauf, wieder zu arbeiten.

Dann sehe ich eine Sternschnuppe. Ebenso leise und geradlinig. Am liebsten möchte ich mir auch baldige Ferien wünschen. Möchte mir wünschen dem ewigen Trott auch eine kurze Zeit entfliehen zu können. Aber so etwas wünsche ich mir nicht. Die Reisenden im Flugzeug haben sich ihren Urlaub erarbeitet und ihr Schicksal verdient. Ich möchte mir mein Schicksal auch verdienen und nicht dank einem Wunsch an irgendeine Sternschnuppe in die Ferien verreisen dürfen. Ich wollte mir etwas wichtigeres, notwendigeres wünschen. Weltfrieden oder so? Man soll ja nicht zu gierig sein. Dann vielleicht einfach weniger Krieg? Oder dass die Menschen sich mehr zusammenraufen und eins werden? Mehr Freundschaft und Zusammenarbeit?

Bevor ich aber irgendeinen Wunsch zu Ende denken oder gar aussprechen könnte, rast der grell leuchtende Punkt mitten ins Flugzeug. Ein Flügel explodiert. Dieses Schicksal hat sich wohl niemand an Bord verdient. Doch anstatt wirklich schockiert oder in Sorge zu sein, bin ich überrascht. «Wie gross sind wohl die Chancen, dass sowas passiert?», frage ich mich selber in Gedanken. Das Flugzeug folgt noch immer seiner geraden Spur. Zumindest fast. Es macht eine leichte Linkskurve, sieht aber eigentlich stabil aus. Ich bin weiterhin umgeben von der Abendstille, deren einzige Geräusche vom Boden her zu mir dringen und durch Grillen produziert werden. Meine Hand hat inzwischen reflexhaft nach dem Smartphone gegriffen und ich stehe kurz davor, die Szenerie aufzuzeichnen. Ein Foto, ein Video, irgendwas. Für die Nachwelt, um es zu ergründen. Für die Wissenschaft! Für irgendwas. Doch ich schaffe es nicht, mir eine Rechtfertigung einzureden. Alles worum es ginge, wär mein eigener Geltungswahn. Es wäre mehr als pietätlos erkenne ich und wähle anstelle davon den Notruf. Meine Gedanken rasen um die armen Menschen in dem Flugzeug während ich den Summton abwarte. Ich bin froh, doch nicht auf dem Weg in die Ferien zu sein, doch nicht in diesem Flugzeug zu sitzen. Hier bin ich sicher. Aus dem Nichts rast plötzlich eine zweite Sternschnuppe auf das Flugzeug zu. Ein Einschlag, ein heller Blitz. Kein Ton ausser das Zirpen. Ich schlucke tief und kämpfe gegen das aufkommende Schwindelgefühl. Die Stelle im Himmel, wo vorher noch das Flugzeug flog, ist nun leer. Ich höre einen sanften Donner. Der Himmel ist klar, das Wetter perfekt. Der Donner war das letzte Geräusch dieses Flugzeug. Mein Blick fällt auf eine andere Stelle. Ein anderes Flugzeug wurde gerade von einer anderen Sternschnuppe getroffen. Als ich der Flugbahn einer vierten Sternschnuppe direkt in ein weiteres Flugzeug folgte, wird mir klar: Es sind keine Sternschnuppen.


Übrigens: Ich bin nach diesem Traum genau so aufgewacht, wie meine Protagonistin in der ersten Geschichte vom «normalsten Tod».

Ich spürte noch unter der Dusche den Schrecken bis in meine Knochen. Mein Herz raste und meine Handgelenke schmerzen vom Blut das durch ihre Adern schoss.

Danke fürs Lesen. Ich hoffe es hat euch gefallen.

LG Pfoffie

Kommentar verfassen