27. Juli 2015 um 12:30 Uhr

«CREEP» – Filmreview

Das Found Footage Genre ist tot. Das sagt man doch so, oder? Dummerweise ist es, genauso wie 3D, eines dieser «toten Dinge» die ich sehr mag. «Creep» tut so, als wäre es ein Found Footage Streifen. Aber ist er auch gut? 

CREEP

Dass «Creep» Found Footage ist – beziehungsweise bis zur vorletzten Szene des Films diesen Anschein macht – wusste ich vorher nicht. Netflix hat mich einfach immer wieder und wieder und wiederholt darauf hingewiesen, dass mir der Film gefällt. «Dieser blöde Bewertungsalgorhythmus soll mich nicht bevormunden!», dachte ich wütend (weil das Cover etwas billig aussah).

Gestern Vormittag war ich aber überraschend früh und alleine wach und wollte seichte Netflix-Unterhaltung konsumieren. Schliesslich entschied ich mich doch für Creep. Warum genau, das weiss ich auch nicht mehr. Es sagte vier Sternchen voraus, verglich den Film aber mit eher schlechten anderen Filmen und hatte eine für Netflix leider unangenehm gewohnt schlechte Beschreibung:

«Ein Videofilmer nimmt einen Auftrag in einem entlegenen Bergstädtchen an, um seiner Geldnot ein Ende zu bereiten. Sein Auftraggeber führt jedoch nichts Gutes im Schilde.» Man könnte es weder treffender noch langweiliger beschreiben.

Gut, ich habe den Film also geschaut. Er startet mit dem Filmemacher, der sich selber filmt und ich dachte «jö der ist megaherzig». Danach habe ich mich ununterbrochen gegruselt, gefürchtet oder unangenehm gefühlt. Letzteres ist wahrscheinlich das Schlimmste haha. Am helllichten Tag in unserem Wohnzimmer während mein Mann im Schlafzimmer schlief. Der Film macht einen sehr guten Job darin, den Charakter des «Auftraggebers» aufzubauen. So weiss man nie genau, in welche Richtung(en) der Film und die Charaktere eigentlich gehen möchten. Dass ich gelesen habe, dass der Regisseur und Protagonist noch zwei Fortsetzungen plant, liess mich in vollkommen falsche Richtungen theoretisieren.

CREEP geht sehr langsam voran. Wer also knallharte Action oder viel Horrorfilmtypisches erwartet, sollte seine Erwartungen runterschrauben. Es gibt schon den einen oder anderen Jumpscare und das ist auch vollkommen in Ordnung und cool und scary. Aber generell ist es ein eher gemächlicher Film – was aber nicht unbedingt angenehm ist.

Es gibt einige originelle Ideen und auch das unterliegende Konzept empfinde ich als überraschend und sehr gut. Befürchte aber, dass Fortsetzungen das nicht unbedingt weiterstricken können. Aber davon sind wir ja eh noch weit entfernt.

Sollte dich, lieber Leser, das nun angemacht haben, habe ich noch eine kleine schlechte Nachricht: Der Film läuft auf Netflix nur auf Englisch mit deutschen Untertiteln. Es werden aber nicht unbedingt sehr tiefgründige, schwer zu verstehende Dialoge geführt.

Fazit: Guter (wahrscheinlich sehr günstig gedrehter) Film. Wirklich effektiv umgesetzt ohne viel Effekthascherei. Genügend viele Jumpscares für ein gruseliges Setting, aber nicht zu viele und keine Schlechten, deplatzierten. Die Schauspieler sind super und der Kameramann sogar sexy. Was will man mehr?

Cheerio,
Pfoffie

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