29. Juni 2015 um 12:00 Uhr, 3 Kommentare

«Biene» – Teil 1 einer Kurzgeschichte

Nach dem einschlagenden Erfolg meiner letzten mehrtägigen Kurzgeschichte «Der normalste Tod» (es war mit Abstand die am schlechtesten gelesene Woche mit einem Lesereinbruch von 40%), habe ich mich entschieden, das mit einer neuen Geschichte zu wiederholen. Die Geschichte heisst schlicht «Biene» und ist wieder in fünf kürzeste Kapitel aufgeteilt. Das Erste folgt sogleich und trägt den Namen «die erste Stunde»
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Biene – Teil 1: die erste Stunde

Mitten in meiner Existenz, irgendwo, irgendwann. Ich fahre mit meinem Fahrrad. Neben mir spriesst das Leben aus den Wiesen und auf der anderen Seite rasen die gehetzten Autofahrer irgendwohin. Ich fühle mich sicher, ich fühle mich gut. Die Geschwindigkeit wird erhöht, denn es geht bergab. Nun biegt sich die Autobahn von mir weg, oder ich mich von ihr. So genau kann ich das nicht sagen, aber jetzt bin ich allein. Allein unter Feldern, unter Bauern, unter Pferden und unter Bienen. Bienen, die wundervollsten Wesen dieses Planeten. Sie schenken uns Honig und den Pflanzen neues Leben. Und was machen wir? Wir räuchern sie aus, töten sie, fürchten sie, hassen sie. Da ist es nur verständlich, dass sie sich bisweilen gegen uns wenden. Und ich möchte mich wirklich nicht beschweren, denn die Dinger kennen mich ja nicht und der Kollateralschaden kann ja nie selber entscheiden, dass er zum Kollateralschaden wird. Aber dennoch werde ich diesem verdammten Vieh niemals verzeihen, dass es in meinen Mund geflogen ist und mich in den Hals gestochen hat. Natürlich hatte ich mich total erschreckt, versuchte es raus zu husten aber habe es damit wohl noch tiefer reingezogen. Ebenso natürlich geriet ich mit dem Fahrrad ausser Kontrolle und es musste mich mich genau an jenem überraschend steil abfallenden Waldrand überwerfen. Jetzt liege ich hier. Starre auf ein paar kaputte Pilze, die ich beim runterrollen demoliert habe und warte darauf zu ersticken. Wahrscheinlich habe ich mir alle Knochen gebrochen, aber wer weiss. Ich kann mich nicht bewegen, die Biene in meinem Hals schon.

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