27. Mai 2015 um 12:12 Uhr

Meine Meinung zu #Periscope

Zum ersten Mal sah ich Periscope in Action auf der Bild.de-Website, als deren Journalist über das Germany’s Next Topmodel Finale berichtete. Ich sah nur seltsame Herzchen von der Seite hoch rasen und fragte mich: WTF?

Etwa eine halbe Stunde später fragte mich mein Chef, ob ich Periscope kenne. Das sei so eine App die den Journalismus bedrohe. Ich googelte sie kurzerhand und schon sah ich die tollen Herzchen wieder. Als Trendschlampe musste ich das natürlich sofort ausprobieren. Mir fiel gleich auf, dass mich kaum etwas in dieser App interessierte. Ich klickte auf das eine oder andere Video und sah gelangweilte Leute gelangweilte Dinge tun.

periscope

Es war mir total klar, warum Jemand eine solche App verwendet. Jeder will sich doch irgendwie irgendwo darstellen. Genau deshalb schreibe ich ja wahrscheinlich auch einen Blog. Aber warum jemand so etwas zuschauen würde, ist mir unklar. Natürlich, wenn es um etwas Weltbewegendes geht (Buschfeuer oder Heidi Klum), verstehe ich den Sinn. Aber warum sollte mir jemand zuschauen, wie ich einen Blogartikel darüber schreibe, was ich von Periscope halte?

Übrigens: Ich übertrage dieses Schreiben hier gerade eben mit Periscope und habe NUR drei Zuschauer und KAUM Herzchen (Danke Patric) gekriegt. Sehr traurig für mich, aber wenigstens ist mein Glaube an die Menschheit damit wiederhergestellt. haha!

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Interessanterweise erreichte ich mit meinem ersten Irgendwasrandomvideo überraschend viele Menschen. Mit dem Zweiten schon wieder weniger. Mit dem Vierten, wo ich dann meine Katzen zeigte … oh ja, da purzelten die Herzchen. Ist Periscope also eine Art Youtube-Snapchat? Weg vom Einheitsbrei und hin zur Exklusivität des Livestreams? Ja, das macht Sinn!

Wenn mich jetzt Person XY fragt, ob ich dieses oder jenes Video schon gesehen hätte, kann ich womöglich plötzlich sagen: «DAS HABE ICH LIVE AUF PERISCOPE GESEHEN!! Siehst du das violette Herzchen nach 7 Sekunden? Das ist von mir!» Irgendwie hat das schon was. Aber was kann man schon sehen dort?

Die meisten Videos haben an Türkisch erinnernde Titel. Dann gibt es eben Personen, die halt einfach irgendwas erzählen. Einer hat irgendwas gerappt. Die Anzahl an sinnlosem Müll ist jetzt schon hoch und wird mit der Popularität noch steigen. Im Moment wird man aber wohl noch einfach gefunden, weil halt noch nicht so viel auf Periscope läuft. Ich könnte das nutzen um Periscoperühmt zu werden. Aber Perühmt zu sein bringt einem wohl gleich viel wie Instafamous zu sein: Nichts ausser, dass man sich mit einem wertlosen, billigen Kunstwort betiteln kann.

Grundsätzlich finde ich Periscope aber eigentlich lustig und wirklich eine Art Youtube 2.0. Ich stehe dem Ganzen aber skeptisch gegenüber. Live ist schwieriger zu überwachen als Aufgezeichnetes wie auf Youtube. Wie lange geht es, bis die ersten wirklich anrüchigen Inhalte über Periscope geteilt werden? Wann wird der erste Unfall aufgrund von Periscope passieren? Der erste live-Selbstmord? Und: Wann werden die Menschen nur noch einschalten, um genau das zu sehen? (Oh, ich glaube das Letzte ist wohl schon vor Ewigkeiten eingetroffen)

Fazit: Es hat Potential und bringt etwas Exklusivität zurück ins Internet. Das Problem an Exklusivität ist aber, dass ich meistens (selbstverschuldet) davon exkludet werde.

Dank meinem unbändigen Selbstdarstellungsdrang, den mein Mann übrigens «unheimlich» findet, werde ich bestimmt noch das eine oder andere Mal bei Periscope irgendeinen sinnlosen Livestream aufbauen. Ist ja gratis UND kostet nichts.

À demain, pfoffie

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