19. Mai 2015 um 12:12 Uhr, 5 Kommentare

Objektivität ist traurig.

Ich versuche immer objektiv zu sein. Natürlich ist das schwierig und ich schaffe es wohl meistens auch nicht. Wir sind doch aber alle individuelle Subjekte und immer irgendwie befangen.

Früher war ich Apple Fan. In meiner Anfangszeit mit Apple hielt ich alles von Apple generell für gut. Was es genau war, dass das verändert hat, weiss ich nicht. Heute bin ich skeptisch, stelle Sinn und Magic in Frage. Wahrscheinlich bin ich auch einfach erwachsener und damit rationaler geworden.

Aber ein Fan zu sein hatte etwas Grossartiges. Viel mehr Vorfreude. Und auch so viel mehr Während- und Nachfreude. Negatives wird natürlich geflissentlich übersehen und man konzentriert sich ausschliesslich auf das Gute. Man hat ganz einfach und argumentfrei ein «Lieblings-». Es gibt weniger Entscheidungen zu fällen.

lieblings

Heute bringen mich «Was ist dein Lieblings-» an den Rand eines Nervenzusammenbruches. Naja, nicht ganz. Aber es ist eine Frage, die ich so gut wie nie beantworten kann. Was ist mein Lieblingsessen? Es gibt so viel! Der beste Ort in Japan? Meine Lieblingsfarbe? Das schönste Kunstwerk? Mein Lieblingsmusiker? Vielleicht Marina and the Diamonds? Aber nein, es gibt doch so viele!! Beste Freunde? Hahahahahaaaahahahaha.

Aber zurück zur Objektivität. Häufig zeigt sich diese, indem ich in Diskussionen des Teufels Advokaten gebe. Nicht, weil ich wirklich auf der anderen Seite stünde. Sondern weil ich die objektivstmögliche Lösung finden will. Weil jeder hat doch irgendwie recht. Und das zieht sich – inzwischen – durch meinen gesamten Denkprozess. Ich stelle viele meiner eigenen Gedanken und Erkenntnisse in Frage, immer wieder. Und das ist irgendwie unbefriedigend. Obwohl es eigentlich genau das Gegenteil sein sollte. Aber manchmal gibt es keine logische, objektive Antwort. Manchmal muss einfach mit dem Bauch entschieden werden. Und das habe ich irgendwie verlernt. Ich denke alles tausend Mal durch und suche nach der einen, wahren Wahrheit. Doch ich kann sie meistens nicht finden. Was entweder an meiner eigenen Inkompetenz liegt. Oder so etwas wie eine Wahrheit gibt es nicht.

Früher hatte ich übrigens Mühe mit der Frage «Was willst du essen?». Denn eigentlich war mir das meistens egal. Heute sage ich einfach irgendwas aus dem Pool der vielen Dinge, die ich mag. Einfach das erste, was mir in den Sinn kommt. Das ist dann aber weder objektiv, noch subjektiv sondern Würfeln. Funktioniert aber gut, da der Fragende meistens eh schon einen eigenen Wunsch hat. Vielleicht verwechsle ich Objektivität hier auch mit «Allen anderen immer alles recht machen wollen».

Ich vermisse das Gefühl vom Fan-sein irgendwie. Genau so wie ich auch das Gefühl von Glauben und Spiritualität vermisse. Aber es hat wohl alles einen Preis.

Cheers, Pfoffie

5 thoughts on “Objektivität ist traurig.”

Kommentar verfassen