31. März 2015 um 12:00 Uhr

Wir kennen all die Idiome oder Englisch für Muttersprachler

Am Wochenende haben mein Ehemann und ich Englisch sprechende Freunde getroffen. Irgendwie sprachen wir über Sprachen und das Sprechen an sich. Ich fragte mich, wie unser Englisch für sie wohl klingt und ob ihr Gefühl ähnlich wie unseres ist, wenn wir mit einem Deutsch sprechenden Fremdsprachler sprechen. Sie bestätigten das, was ich schon immer wusste: «Your english is flawless»

Haha, ja klar. Ich klappte fast vom Stuhl vor lachen. Jedes Mal, bevor ich englisch Sprechende treffe, halte ich mein Englisch eigentlich für gut. Aber dann, wenn’s um die Wurst geht, habe ich plötzlich das Gefühl, ich hätte noch nie im Leben je ein Wort gesprochen, geschweige denn verstanden. Wahrscheinlich bin ich wie immer übertrieben kritisch mit mir selbst aber es ist schon so, dass ich mich in der Wildnis umgeben von Muttersprachlern nicht wirklich sicher fühle.

englisch

Natürlich bedankte ich mich für den Kommentar, insistierte jedoch, dass sie ruhig die Wahrheit sagen dürften. Sie jedoch insistierten ebenfalls:

«But your english is so fluent»

Dazu kann ich stolz nur eines sagen: Das ist wahr und das weiss ich auch. Das hat aber weniger etwas mit wahrem Können zu tun als damit, dass es generell einfach mal mit mir redet. Unabhängig davon ob ich nun die richtigen Wörter sage und mein Gegenüber richtig verstanden habe. Missverständnisse sind mir zwar unglaublich peinlich und unangenehm, aber ich bin mich das ja schon in meiner Muttersprache gewohnt. Bei einer Fremdsprache habe ich wenigstens eine Ausrede. Dasselbe mache ich übrigens auch mit Japanisch (zumindest mit meiner Japanisch-Lehrerin; ob ich mich in Japan trauen werde, weiss ich noch nicht).

Ich brachte dann an, dass sie mich ja ständig korrigieren mussten. Das sei ihnen aber natürlich nicht aufgefallen. Aber mal Hand auf’s Herz: Egal wie gut jemand Deutsch spricht, es würde mir schon auffallen, wenn ich diese Person stets bei einfachsten Wendungen korrigieren müsste. Ich verwechsle auf Englisch zum Beispiel immer Advance und Advantage. Und einer der beiden Freunde hat mich mindestens zweimal korrigiert, als ich Advance sagte (oder Advantage?). Womöglich fällt es aber auch wirklich nicht auf, wenn man mit jemandem spricht, von dem man eh nicht erwartet, dass er die Sprache perfekt kann. Wie wenn man mit einem Kind spricht und es stetig korrigiert. Das ist in Ordnung und bestimmt normal. Oder aber Englisch ist so eine internationale Sprache mit so vielen, so verschiedenen Dialekten, dass man ab einem gewissen Level wirklich einfach für «ein Muttersprachler von einem anderen englisch sprechenden Land» gehalten wird.

«And you understand all the idioms»

Dabei machte er noch ein Beispiel einer solchen Redensart. Ich habe sie inzwischen vergessen und im Übrigen auch gar nicht gekannt. Die Bedeutung war aber – für mich zumindest – sehr eindeutig. Die Bedeutung des Wortes «Idiom» kannte ich aber übrigens nicht. Ich hatte zwar das Wort schon gehört – auch auf deutsch – aber wirklich definieren konnte ich es nicht. Dank diesem Gespräch konnte ich es dann endlich, ohne es jemals übersetzen zu müssen.

Wahrscheinlich machen wir einfach die typischen Fehler anderer Deutsch Sprechenden nicht. Wir kennen die Grammatik und wir kennen einige Redewendungen und wissen, was man auf gar keinen Fall sagen darf. Der Rest kommt halt, wie er kommt. Wahrscheinlich ist das aber mit allen Sprachen so.

Egal wie herum es ist. Es ist auf jeden Fall gut: Denn entweder können wir wirklich überraschend gut Englisch oder wir haben einfach total nette Freunde. Oder von beidem ein bisschen.

Leider kenne ich niemanden, der gleich gut Deutsch spricht, wie ich Englisch. Zumindest denke ich das. Ich würde gerne eine Art Turing Test mit Fremdsprachlern machen. Das wär lustig.

Es ist aber auch noch eine wirklich gute Sache passiert: Wir gingen in einen etwas seltsamen Laden um einen Internationalen Stromadapter zu kaufen. Ich führte darin ein kurzes Gespräch. Nicht mehr als «wo kann ich hier zahlen» und noch ein bisschen über den Preis und so. Dann verliessen wir den Laden und ich dachte: OMFG, das war ja Englisch. Ja, alles war sehr trivial, dennoch war es für mich ein Riesending. Ich hatte mit dem Typen nämlich Englisch gesprochen, ohne eine Sekunde darüber nachzudenken. Die Erkenntnis kam erst fünf Schritte aus dem Laden, als ich mich erinnerte, was es kostete und mir einfach nicht die Deutsche Übersetzung für Six Pounds in den Sinn kommen wollte.

Unabhängig davon, wie gut oder schlecht ich Englisch spreche. Ich bin froh, es einfach so zu können. Ohne gross darüber nachdenken zu müssen und mich trotzdem gut damit durchschlagen zu können. Ich wünschte ich könnte das mit anderen Sprachen auch. Ich wünschte ich würde deutsche Idiome kennen 🙂

Cheerio,
Pfoffie

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