26. März 2015 um 12:33 Uhr, 1 Kommentar

Warum Hashtags auch im echten Leben super sind #Kommunikation

Es gab sie zwar schon früher (mit leicht anderer Verwendung), doch erst Twitter hat sie wirklich bekannt gemacht. #Hashtags. Ich weiss noch, wie das war, als sie aufkamen. Niemand hat wirklich verstanden, was das denn genau bringen soll. Inzwischen sind sie etabliert über die Internetgrenzen hinaus.

Am Anfang war ich skeptisch, sehr skeptisch. Ein Wort mit einem Doppelkreuz markieren, damit es zu einem Link wird? Gut, man kann dann darauf klicken und Twitter wird dann gleich nach dem Wort suchen … aber ich finde es jetzt nicht sonderlich schwer, selber ein Wort in das Suchfeld einzutippen. Und wie mit allen Dingen, deren Sinn ich nicht erkennen kann, ignorierte ich also Hashtags komplett. Natürlich machte ich sogar Antiwerbung und führte das gleiche Argument wie vor zwei Sätzen an. Ich konnte die Sinnlosigkeit sogar beweisen: Egal ob man nach «#WTF» oder nach «WTF» suchte, die Ergebnisse waren dieselben. Inzwischen ist das zwar nicht mehr so, aber diese Veränderung war nicht der Grund, warum ich die Hashtags plötzlich super fand.

hashtag

Das erste Mal sind mir Hashtags positiv aufgefallen, als im Fernsehen Tweets mit definiertem Hashtag gezeigt wurden. Man musste die vierbuchstabige Abkürzung des langen Sendungsnamens Twittern um gezeigt zu werden. Dass man dafür Hashtags verwendet, hat zwei Vorteile: Da Hashtags farblich hervorgehoben sind, kann man einen Stream aus Tweets sehr gut querlesen und sieht auf einen Blick, wo es um welches Thema geht. Der zweite Vorteil war aber das, was mich schliesslich vollends von den Hashtags überzeugte.

Es gibt Zeiten, da möchte man etwas über ein Thema sagen, ohne das eigentliche Thema wörtlich in den Satz einfliessen zu lassen. Gerade bei einem Dienst wie Twitter, wo Buchstaben Mangelware sind, kann das wichtig sein. Es ist einfacher (und kürzer) «Büsis spielen mit Toilettenpapier #herzig #nervig» als «Dass meine Büsis mit dem Toilettenpapier spielen ist zwar voll herzig aber auch mega nervig» zu schreiben. Doch das ist nur ein praktischer Vorteil der Hashtags. Das eigentlich grossartige findet auf einer Meta-Ebene statt. Dieses kleine Doppelkreuz vor einem Wort markiert es nämlich nicht nur als Hashtag, nein, es kann auch Bedeutungsverändernd/-erweiternd sein.

Jedes Wort hat im Normalfall nur eine einzige Bedeutung. Und selbst wenn es mehrere hat, sind diese eiskalt und trocken definiert. Jeder weiss, was Wörter wie rot, gross, schön und WTF bedeuten. Natürlich wird ein Hashtag niemals das Wort «rot» dazu bringen, «gelb» zu bedeuten. Aber wenn man ein Wort dank Hashtag als Schlagwort benutzt, wird seine definierte Bedeutung mit all den Erinnerungen und Gefühlen und Tweets gemischt, die jemals darüber verfasst wurden. So ist rot nicht mehr nur eine Farbe. Rot ist Erdbeeren, rot ist Tomaten, rot ist Lava, rot ist Japan, rot ist Blut, rot ist (red), rot ist Gefahr, rot ist Signal, rot ist Aggression, rot ist Schraubenzieher und noch so viel mehr.

Wahrscheinlich wird nicht jeder mit mir einig sein. Die meisten werden wohl wieder für einen Spinner halten 🙂 . Dennoch: Je etablierter und allgegenwärtiger Hashtags werden, um so mehr metaphysische Informationen werden sie erhalten und um so mehr werden sich alle mit dem Gedanken anfreunden. Und ich habe sowieso bei jedem, der dies hier liest, eine kleine Veränderung ausgelöst. Man wird denken «so ein Säich!», aber man wird es niemals ganz vergessen können. Irgendwann gewöhnt man sich an den Gedanken und benutzt die Hashtags, so wie ich, auch im wahren Leben. #Inception

Es gibt aber übrigens auch schlechte Hashtag-Beispiele. Instagram ist eines davon. Ein Bild und zwei Millionen Hashtags bei denen es nicht um Informationsaustausch, sondern um das Gefundenwerden geht. Vielleicht ist Twitter eine gute Hashtag-Schule, weil man nicht einfach so viel schreiben kann, wie man will. Bei den Hashtags verhält es sich übrigens wie mit jedem anderen Instrument: Es ist nicht für sich selbst gut oder schlecht, es kommt darauf an, wer es wie verwendet.

Übrigens: Man sagt offiziell DAS Hashtag. #surprise. Da mir diese Schreibweise nicht gefällt, habe ich während des ganzen Artikels peinlichst darauf geachtet, es nie im Nominativ Singular mit bestimmtem Artikel zu schreiben. Das ist bestimmt keinem aufgefallen. #mindblown

Bis Morgen.
Pfoffie

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