25. März 2015 um 12:17 Uhr, 1 Kommentar

Das Einzige, was Studien und Statistiken wirklich aussagen

Vor Kurzem habe ich darüber gelesen, dass meistens nichts passiert. Leider finde ich den Artikel nicht mehr. Der Titel war aber so ähnlich. Die Erkenntnis erstaunte mich eigentlich nicht, dennoch war ich überrascht. Ich hatte nämlich noch nie so darüber nachgedacht. Weder der armen überfahrenen Frau von Gestern noch Angelina Jolie bringt das jedoch noch etwas.

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Wir werden alle ständig mit brenzligen Situationen konfrontiert. Heute Morgen wäre ich zum Beispiel fast von einem aus dem Kreisel rasenden Wagen erfasst worden. (Das hätte dann dem Zofinger Tagblatt noch eine neue Headline verschafft) Beim Fahrradfahren rutschte gestern Abend mein Hinterrad etwa einen Centimeter lang über einen Kieselstein. Mir blieb beide Male das Herz stehen. Aber es ist nichts passiert. Ich lebe noch und wurde noch nicht mal verletzt. So wie mir geht es den meisten Menschen: Viele heikle Situationen, denen wir entkommen sind und ausser der einen oder anderen Erkenntnis und Lebensweisheit nichts abgekriegt haben. Statistisch gesehen ist die Chance, dass wir eine gefährliche Situation nicht überleben im Vergleich zu der Anzahl an gefährlichen Dingen die uns tagtäglich verfolgen, unglaublich klein. Aber das soll mal einer all den vielen Toten sagen, über die wir immer wieder lesen.

In meiner «neuen Fahrradfahrphase» (seit 2013) hatte ich nur einen einzigen Unfall. Ich trug keinen Helm, hatte aber Glück, dass auf der sonst stark befahrenen Strasse genau an diesem Tag kein anderes, schnellfahrendes Auto unterwegs war. Seit diesem Tag trage ich immer meinen Helm. Einige Personen in meinem Umfeld halten das für etwas übertrieben. Ich müsse doch für meine «normalen Stadtfahrten» keinen Helm tragen. Ich finde aber: «Lieber immer einen Helm tragen und ihn nie brauchen, als nie einen zu tragen und ihn einmal benötigt zu haben». Das ist auch die Einstellung von Angeline Jolie: Anscheinend hat sie riesige Angst vor Krebs und operiert alle nicht lebenswichtigen Organe aus, sobald nur die geringste Chance auf einen Tumor besteht. Vor zwei Jahren waren es die Brüste, dieses Jahr sind es die Eierstöcke. Ich möchte das auf keinen Fall werten, frage mich aber, ob das nicht einem Kampf gegen Windmühlen gleich kommt. Sollte sich ein Krebsgeschwür in Frau Jolie einnisten wollen, wird es das auf die eine oder andere Art irgendwann schaffen. Oder nicht?

Was soll man nun also tun? Soll man davon ausgehen, dass meistens nichts geschieht oder soll man immer mit dem Schlimmsten rechnen? Gibt es einen gesunden Mittelweg? Kann man es überhaupt «richtig» machen? Man stirbt nur einmal. Nur ein Moment der Leichtsinnigkeit könnte das Leben beenden. Man lebt aber auch nur einmal. Mit 90 an Altersschwäche zu sterben, nachdem man sich 90 Jahre lang an jeder Ecke abgesichert und kaum das Haus verlassen hat, aus Angst gleich zu sterben. Das kann es auch nicht sein. Wahrscheinlich denken wir deshalb meistens nicht über solche Fragen nach und sind nur kurz geschockt über schreckliche Todesfälle. Wir passen dann zwei-drei Tage auf während wir die Strasse überqueren. Dann ist es schon wieder vergessen und wir wandern wieder genauso unvorsichtig wie zuvor.

Am Freitag fliegen wir nach London. Zum «Glück» ist diese Woche schon ein Flugzeug abgestürzt. Es verhält sich da wie ja mit den Blitzen. Die schlagen ja nie zweimal an der gleichen Stelle ein. Wisst ihr übrigens warum? Weil sie meistens mehr als zweimal an der selben Stelle einschlagen. Verglichen mit der ganzen Bevölkerung mag die Chance vielleicht wirklich verschwindend klein sein. Für das einzelne Individuum ist die Frage jedoch immer gleich: Leben oder Tod. Und wo es nur zwei Optionen gibt, liegt die Chance immer bei 50%.

Das Einzige, was Studien und Statistiken wirklich aussagen: Solange die Chance auf etwas nicht 0% ist, könnte es dir passieren. Nicht mehr, nicht weniger.

Ich wünsche euch einen schönen und behüteten Nachmittag,
Pfoffie.

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