9. März 2015 um 11:44 Uhr, 1 Kommentar

Gespräche aufrechterhalten mit Dingen die man nicht mag

Wenn ich jemand neues kennenlerne, bin ich meist etwas scheu und zurückhaltend. Im Normalfall habe ich aber mehr angst vor der unangenehmen Stille, die es dann eben gibt, wenn beide Parteien nichts zu sagen haben – oder sich nichts zu sagen trauen. Ja, man kann ja über das Wetter sprechen. Aber ich habe einen ganz anderen Trick herausgefunden; einen noch viel schlechteren.

Wettergespräche sind ja wirklich toll. Denn das Wetter ist immer irgendwie. Entweder es ist schön und man ist froh, dass es das endlich ist. Oder es schneit und man ist froh, dass es das endlich tut. Oder es regnet und man ist froh … dafür fällt mir kein Grund ein. Natürlich kann man auch genau das Gegenteil von alledem sein. Das Gute ist jedoch: Meistens kann man über das Wetter A sagen und das gegenüber sagt dann vielleicht «Ach, A ist schon gut aber B mag ich eigentlich mehr.» Ich hatte noch nie einen Streit über das Wetter, selbst wenn man nicht derselben Meinung war. Fast niemand ist militant wenn es um das Wetter geht.

Mit allen anderen Themen ist das selten so einfach. Wenn man politisch nicht derselben Meinung ist, kann ein Gespräch darüber das zarte Pflänzchen der möglichen Freundschaft bereits im Keim ersticken. Dasselbe gilt natürlich für Musik-, Film-, Literatur- und alle anderen Geschmäcker. Selbst für Freizeitaktivitäten. «Oh du fährst Ski? Ich finde Wintersport ja absolut das grässlichste was es gibt.» Einen gemeinsamen Nenner zu finden ist oft schwer. Wirklich gleiche Interessen oder Meinung sind rar und werden meist nur durch Zufall gleich am Anfang einer Freundschaft entdeckt.

gesprachshilfe

Aber wovon es bei uns Menschen nur so strotzt, sind Dinge die wir nicht mögen. Die Liste von Sachen, die uns gegen den Strich gehen ist meistens so viel länger, als die mit dem, was wir mögen. Wir geben das nicht gerne zu und wollen uns lieber einreden, dass wir eigentlich alle mega positive Wesen sind und uns nur auf das Gute konzentrieren. Aber hast du diesen doofen Film da gesehen? Oder diese behinderte neue Single gehört? Was die da im Lande Ixypsilonien machen, ist einfach nicht in Ordnung! Diese Liste mit Kleinigkeiten und Grossigkeiten ist so lang, dass die Chance auf gemeinsame Desinteressen viel grösser ist.

Wenn ich also nach gefühlten drei Stunden Gesprächslosigkeit (also so ungefähr nach einer Minute) keinen Ausweg mehr sehe und wir über das Wetter schon beinahe eine Masterthesis geschrieben haben, greife ich in dieses Lästerkästchen. Ich versuche herauszufühlen, was mein Gegenüber nicht mag. Meistens ist nicht sehr schwer, denn die Meinung über das Wetter gibt sehr viel über jemandes generelle Einstellungen preis. «Also was sich die Personengruppe Irgendwer da erlaubt, ist einfach unerhört!» Und schon hat man ein Thema. Von der ungeliebten Personengruppe weiter zur ungeliebten Firma, zum ungeliebten Zeitgeist, zu Krankheiten und womöglich wieder zurück zum Wetter.

Und plötzlich sind 20 Minuten wie im Flug vergangen. Doch die Themen dieser Art haben einen entscheidenden Nachteil. Sie sind nicht nachhaltig. In den zwanzig Minuten hat man bestimmt 10 Themen aufgegriffen und verheizt. Man kann auch nicht darauf zurückkommen. Da man dieselbe Meinung hat und eh nicht wirklich viel darüber weiss, gibt es auch nichts mehr zu sagen. Ich versuche mir einzureden, dass diese Hassthemen wie eine Galgenfrist sind und eine Möglichkeit darstellen, etwas Gemeinsames zu finden, das positiv ist. Doch wenn man mal im Strudel dieser Themen ist, kommt man kaum wieder hinaus. Die zwanzig Minuten sind vorbei und man ist wieder an der selben Stelle wie vorher.

Man braucht aber nur ein einziges, gemeinsames Interesse um ganze Stunden im Schnellverfahren zu überspringen. Ich wünschte ich hätte eine Lösung für dieses Dilemma, aber das habe ich nicht. Manchmal frage ich die Leute ganz am Anfang (oder auch ein bisschen später) direkt: «Was interessiert dich am meisten?» Das ist eigentlich keine schlechte Methode. Doch dann sagen sie «Skifahren» und ich muss wieder ganz ganz ganz ganz schnell auf’s Wetter zurückkommen.

Haha, ich kann mich ja zum Glück für vieles begeistern und bin gern interessiert an Erfahrungen und Geschichten anderer. Also darf man mich auch gern mit Skithemen volllabern. Es gibt aber Menschen, die erzählen generell nichts einfach so und das ist dann ein ganz anderes Problem.

Habt eine gute Woche.

Pfoffie

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