4. März 2015 um 22:00 Uhr, 1 Kommentar

«Der Reklats» – Eine urbane Legende

Die folgende Geschichte beruht auf Tatsachen. Nichts davon wurde erfunden. Der Reklats ist genau so echt wie der Dürre oder der Mottenmann. Berichte über ihn findet man in Aufzeichnungen bis zurück ins Jahr 1578. Dort wurde er erstmals offiziell so genannt. Ich gehe davon aus, dass der Reklats eine Art Dämon ist. Doch so genau kann man das natürlich nicht sagen.

Reklats

Wenn dich ein Reklats verfolgt, wirst du das zuerst nicht bemerken. Er sieht aus, wie ein ganz normaler Mensch. Zumindest, solange du sein Gesicht nicht siehst. Der Reklats verfolgt dich und er weiss genau, wo du hin willst. Es ist egal ob du im Auto oder im Zug sitzt, auf dem Fahrrad oder zu Fuss unterwegs bist. Er weiss ganz genau, wohin du gehst. Doch er verfolgt dich nicht wie andere Verfolger. Nein, er geht dir voraus.

Es ist ganz egal, was du versuchst. Egal, was für eine Entscheidung du triffst, wie kurzfristig du auch versuchst die Richtung zu ändern. Der Reklats wird es immer irgendwie schaffen, direkt vor dir zu sein. Und je öfter du versuchst, ihn abzuwimmeln, um so näher wirst du ihn an dich heran lassen. Natürlich wirst du dir einreden, das sei nur Zufall. Du wirst denken, die Person vor dir fühle sich bestimmt von dir verfolgt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Alles nur mit einem Ziel: Dir Zuhause das Leben zu stehlen.

Zuerst wirst du erleichtert sein, wenn der Reklats an deiner Haustür vorbeigeht. Es wird aussehen, als ob er an einem anderen Ort wohnen würde. Als ob alles wirklich nur ein Zufall gewesen war. Beruhigt wirst du nach Hause gehen, doch keine Minute später wird es an der Tür klopfen. Egal ob du sie öffnest oder nicht, du wirst ihn auf jeden Fall sehen. Er wird dich anstarren, bedrohlich und eiskalt. Er wird versuchen zu lächeln, freundlich zu wirken. Doch egal wie sehr er sich anstrengt, du wirst ihn erkennen, denn er trägt dein Gesicht. Er sieht aus wie du, womöglich etwas müder, etwas verbrauchter. Höchstwahrscheinlich ungepflegt und vielleicht mit alten Narben. Dennoch wirst du das Gefühl haben, in einen Spiegel zu schauen. Für dich wird die Geschichte hier höchstwahrscheinlich zu Ende sein.

Für deine Freunde und Familie beginnt sie aber erst. Ihnen werden plötzlich Veränderungen an dir auffallen. Zuerst natürlich die optischen, auch wenn der Reklats sie zu verstecken versucht. Doch der Reklats wird niemals seinen bösartigen Charakter verstecken können und innert kürzester Zeit dein ganzes Umfeld vertrieben haben. Er wird sich neue, andere Freunde zulegen. Deine Freunde werden nie erfahren, was wirklich mit dir geschah.

Genau das ist übrigens einer Bekannten aus Zürich passiert. Ein guter Freund von ihr, nennen wir ihn Johann, meldete sich nach einer durchzechten Nacht und erzählte von genau solcher Begebenheit. Natürlich machten sie Witze darüber, natürlich waren sie sich sicher, er hatte sich das nur eingebildet. Doch schon am Tag darauf brach Johann jeglichen Kontakt komplett ab. Wann immer sie ihn traf, war er abweisend und wütend. Er wirkte viel aggressiver, schien blaue Flecken und andere Kampfspuren auf seinem Gesicht mit Make-Up zu überdecken. Auf die Legende des Reklats stiess meine Bekannte dann einige Monate später. Anscheinend gab es Menschen, die den ersten Besuch des Reklats unverändert überlebten. Es gab aber niemanden, der jemals ein zweites Mal davon sprach. Das war 2012. Johann lebt immer noch in Zürich und meine Bekannte sieht ihn auch ab und zu. Er macht sich inzwischen aber nicht mehr die Mühe, die Narben abzudecken. Er macht sich nicht mal mehr die Mühe, sich Johann zu nennen.

Ende.

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