2. März 2015 um 12:25 Uhr

Werbung und Kritik gehören verboten!

Letzten Montag habe ich ja bereits angepriesen, dass ich über eine meiner tollen diktatorischen Ideen sprechen möchte: Das generelle Verbot von Werbung und Kritik.

Eines meiner grossen Probleme mit der Werbung ist ihre Falschheit. «Wow, ist dir das auch schon aufgefallen», könnt ihr nun sagen. Aber das ist es mir natürlich schon lange. Vor allem wenn man an all das Geschwafel der «Dauerwerbesendungen» denkt. Ein Teleshopping-Produkt verliert bei mir an Vertrauen, nur schon weil es im Teleshopping vorgestellt wurde. Dabei sieht man das Produkt dort meistens wenigstens in Verwendung. Wenn das superkrasse Irgendwaschmittel in einem 30 Sekundenspot einfach sagt, dass es alles superweiss macht, glaube ich das eher. Auch wenn es unter’m Strich trotzdem nicht stimmt.

antiwerbung

Bei mir ist es mit dem Kaufen von Dingen so eine Sache. Ich habe oft angst, etwas Schlechtes zu kaufen. Deshalb schaue ich mich bei «für mich etablierten Produkten» gar nicht erst nach irgendwelcher Konkurrenz um. Eigentlich bin ich ja nicht so gern konservativ, aber es ist halt einfacher: Wie schrecklich wäre es denn, wenn ich anstatt aus zwei iPhones (wo die Unterschiede auf der Hand liegen) aus einigen Dutzend verschiedener und doch gleicher Smartphones auswählen müsste? Bei anderen Produkten ist das aber gar nicht möglich. In diesem Fall muss ich mich auf die Werbung verlassen. Und da gibt es in meinem vorurteilsverseuchten Gehirn nur zwei Optionen:

Entweder kann das angepriesene Produkt die angepriesenen Features gar nicht. (Das wäre dann die Teleshopping-Variante)

Oder es kann NUR das eine angepriesene Feature. (Das wäre dann die TV-Spot-Variante, auch bekannt als Molyneux-Effekt)

Bei Verbrauchsgegenständen ist das ja eigentlich kein Problem. Die werden ja alsbald verbraucht und einfach nicht wieder gekauft. Aber wir sollten eigentlich schon länger einen neuen TV-Apparat und einen neuen Staubsauger kaufen. Wir tun es jedoch nicht. Zu viele Optionen und eine falsche Entscheidung käme uns teuer zu stehen. Die Fernseher bewerben sich selbst mit hohen Pixelzahlen, stellen aber dennoch ein grusiges Bild dar. Und über die falschen Versprechungen der Staubsauger will ich gar nicht erst reden.

Aus diesem Grund wäre Werbung in meinem Land komplett verboten. Man würde nur noch auf die Produkte schreiben dürfen, was sie sind und weil man dann kein Werbebudget mehr bräuchte, könnte man die Produkte viel günstiger verkaufen. Bei günstigeren Produkten wäre es dann auch nicht mehr so schlimm, wenn man mal einen Säich kauft.

Dasselbe Gesetz, dass das unverdiente Hochloben in der Werbung verbietet, würde auch das unverdiente Zerschmettern mit Kritik verbieten. Natürlich indem Kritik an sich verboten würde. Jeder würde dann das Recht erhalten, eine erste Erfahrung mit etwas zu machen. Nischenprodukte wie Indie-Romane oder ganz ganz grottig schlechte B-Movies würden so auch zu Zuschauern kommen. Da durch dieses Gesetz viel mehr Menschen viel mehr Dinge konsumieren würden, würden die Preise automatisch noch weiter sinken. Dann wäre es auch nicht mehr so schlimm, wenn man mal ein schlechtes Album oder eine doofe BluRay kauft.

Die Idee kam mir übrigens, nachdem ich «das finstere Tal» gesehen hatte. Der Film gefiel mir ja. Hätte ich aber Trailer und Reviews darüber gesehen, hätte ich ihn niemals geschaut. Dasselbe gilt für «Wild», über welchen ich vielleicht auch mal schreiben sollte. Meine Freunde wollten den Film schauen gehen und ich entschied mich mitzugehen, ohne mich vorher in irgendeiner Form zu informieren. Ein grossartiger Film. Aber hätte ich ihn nach Trailern geschaut? Eher nicht. Ich hätte wohl «Wüste» gedacht und ihn abgeschrieben. Beim finsteren Tal hätte ich «Western» gedacht und ihn ebenfalls abgeschrieben. Ich habe bestimmt so viele Filme verpasst, nur weil mir dabei das Thema zum Beispiel nicht gefallen hatte. Umgekehrt habe ich viele schlechte Filme gesehen. Weil es Horrorfilme mit gutem Schnitt im Trailer waren.

Ich merke übrigens schon, dass dieses Gesetz (was für eine Überraschung) undurchdacht ist und einige Probleme aufwirft, die wohl zuerst noch ausgearbeitet werden müssten. Auf der anderen Seite wäre ich in meinem Land ja nur der Diktator. Irgendein «Legislative/Exekutive Rat» wird sich dann schon für mich mit diesen Problemen rumschlagen und das Gesetz richtig ausformulieren.

Auch wenn ich das alles natürlich nicht wirklich ernst meine, ist die Sache mit der Werbung tatsächlich ein Problem das mich beschäftigt. Eine richtige Lösung habe ich aber noch nicht gefunden. Sie zu verbieten ist keine, denn die Werbung würde wohl durch Mundpropaganda weiter existieren und noch viel verwerflicher werden als zuvor. Habt ihr eine Lösung?

– pfoffie

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