12. Februar 2015 um 14:45 Uhr, 3 Kommentare

Manchmal liebe ich mein aktuelles Ich.

Es ist noch nicht aller Tage Abend. Noch nicht mal aller dieser Woche! Es ist sogar ganz generell noch nicht Abend – haha! Wie auch immer, die Zeit ist gekommen, auch endlich mal ein bisschen gut über mich selbst zu berichten.

Es gibt Momente, an denen ich von mir selber «Wow, du bist schon super irgendwie» denken kann. Jetzt gerade ist übrigens kein solcher Moment, deshalb fällt es mir auch vergleichsweise schwer, das zu schreiben. Die Momente kommen aus ganz unterschiedlichen Gründen und dann meistens ohne Vorwarnung. Dieses egozentrische Lob und Hochgefühl bleibt aber natürlich selten wirklich lange bestehen. Dennoch schwingen diese Momente immer mit mir mit und im Gegensatz zu früher, berufe ich mich auch immer mal wieder darauf zurück. Mein altes Ich hing vor allem schlechten Erinnerungen nach; sehr destruktiv. Zum Glück konnte ich das überwinden.

Lassen wir aber vorerst die Vergangenheit und schauen uns einige dieser selbstverliebten Momente an.

ich_liebe_mein_aktuelles_ich

Am häufigsten geschieht mir das eigentlich während der Arbeit. Wahrscheinlich, weil Programmieren das ist, was ich in meinem Leben am meisten tue. Am liebsten sind mir die Momente in denen ich ein (mir) unlösbar erscheinendes Problem doch lösen kann. Noch besser ist, wenn diese Lösung zu einem optischen Feuerwerk führt, das man auch seinen Freunden zeigen kann. Meistens sind es jedoch Probleme, die nur andere Programmierer verstehen würden, wenn überhaupt. Ab und zu ist es aber auch etwas, das ich sogar auf dem Blog teilen kann.

Manchmal finde ich auch mein Gesinge gut, oder auch mein Gevideo und Gefotografiere. Am seltensten bin ich wohl mit mir zufrieden, wenn es um mein Geschreibse geht. Genau das, was ich eigentlich am besten machen wollen würde. Aber auch da gibt es glänzende Momente. Mein Buch, von welchem ihr nichts wisst und ich nicht erzählen kann, ist grossartig. Ja, man strauchelt bei jeder zweiten Seite über grässliche Schreibfehler, die einen aus dem Lesefluss reissen. Aber ich war halt – wie immer – mein eigener Korrektor und Lektor. Das ist wohl wie wenn man ein Fenster mit einem dreckigen Lappen putzt. Ich selber habe das Buch aber etwa fünf Mal gelesen. Gerade in diesem Augenblick überlege ich mir, es wieder zu lesen. Und ihr wisst ja, wie ich zu «Dinge mehrmals lesen» stehe. Aber es müssen nicht gleich ganze Bücher sein. Als ich am Montag die Wendung «ich fürchtete mich vor dem und den Unbekannten» geschrieben hatte, war ich total aus dem Häuschen. Wahrscheinlich ist sie grässlich lahm, unoriginell und billig. Aber ich fand sie so gut.

Aber es sind natürlich nicht nur Fähigkeiten, die in mir ab und zu ein bisschen Eigenliebe aufschäumen lassen. Im April gehen wir ja nach Japan und um mir selber «ein bisschen Stress in der letzten Minute» zu ersparen, dachte ich: «Am besten suchst du deinen Pass schon jetzt!» Da ich den Pass so selten brauche, liegt der immer einfach IRGENDWO in meinem Chaos. Also nahm ich mir einen Samstagvormittag Zeit und suchte und suchte und suchte und suchte. Während der Suche dachte ich die ganze Zeit: «Wenn ich ihn finde, werde ich ihn ab jetzt in meinem Wichtige Unterlagen Ordner versorgen!» Nun, kurz vor Zwölf entschied ich mich dann, einfach mal in genau jenen Ordner zu schauen. Siehe da: Der Pass war bereits dort verstaut. Ich hatte mir also genau das schon mal überlegt und bereits gehandelt. Das war total nett von mir. Dasselbe gilt auch für die Steuern. Bis vor etwa drei Jahren hatte ich immer einen halben Nervenzusammenbruch, wenn ich die Steuern ausfüllen musste. Nicht, weil es mir zu aufwändig war, sondern weil ich nie wusste wo all die Unterlagen verstaut waren. Inzwischen sammle ich immer alles in einem Couvert mit der Aufschrift «Steuern». Am Steuerausfülltag grabble ich nach diesem Couvert und alles ist da. Grossartig!

Allgemein liebe ich mein aktuelles Ich meistens für die Momente, in denen es aus seinen alten Fehlern gelernt hat. Zum Beispiel wenn ich plötzlich – einigermassen – mit Geld umgehen kann und mich nicht jeden Monat vor unerwarteten Rechnungen fürchte. Oder wenn ich Sport mache oder ins Fitness gehe und dabei Dinge kann. Es ist eigentlich egal, was diese Dinge genau sind. In der Schule hatte ich im Turnen die Schulnote II. Nicht eine schweizer Zwei (oder deutsche 5), sondern eine «römische Zwei», die simpel «Besucht» bedeutet. Ich war so schlecht, dass ich nicht mal an den Turnprüfungen teilnahm. Heute wandere ich auf Berge, fahre stundenlang Fahrrad und stemme elektrische Gewichte. Darauf kann ich bestimmt ein bisschen stolz sein.

Zusammengefasst könnte ich wohl sagen, dass ich sehr stolz darauf bin, endlich für alte Probleme die Verantwortung zu übernehmen. Wie ihr von Vorgestern wisst, habe ich mich bei Weitem noch nicht allen Hindernissen gestellt. Aber sie (an) zu erkennen ist eines dieser Dinge, für das ich mir selber auf die Schultern klopfe.

Es gibt jedoch auch alte Herausforderungen, die ich zwar weiterhin habe, aber aktiv bekämpfe. Meine Angst vor Unbekanntem oder auch meine sozialen Ängste. So oft muss ich da immer noch über meinen Schatten springen und würde mich lieber in meinem kleinen Häuschen verkriechen. Dennoch tue ich es und werde meistens dafür belohnt. (Ausser wenn die Menschen freundlich sind hahahahaha) Dieser Mut, gegen sich selbst zu kämpfen, daran zu glauben, stärker als sein eigener Verstand zu sein, ist schon toll. Aber schliesslich unüberwindbares überwunden zu haben … nichts ist erfüllender.

Auch, dass ich Dinge inzwischen einfach tue oder mag ohne mich zu rechtfertigen. Zu erkennen, das etwas nicht scheisse ist, nur weil es alle anderen für scheisse halten, war einer der grossen Meilensteine in meinem Leben. Ihr findet Apple doof? Ihr hasst Kommerzpop? Grey’s Anatomy ist scheisse? I don’t give a.

Lustig ist, dass ich mich selten genau im gleichen Augenblick «super für mich selber» fühle, wie mich irgendjemand für irgendetwas lobt. Meistens erinnert mich Lob an alle Fehler die ich produziert hatte. Ein innerer Drang in mir möchte dann diese andere Person auf alle Schwachstellen hinweisen. Ich beginne dann meistens mit «Dankeschön, aber…». Manchmal kommt es aber doch vor und jemand sagt «das ist ja mega geil» und ich kann – lachend wie ein kleiner Schulbub – nichts anderes sagen als: «ich weiss!!!!» Diese Momente sind unbzahlbarer als alles, was VISA jemals als unbezahlbar angepriesen hat.

Bis Morgen, wo wir dann noch einmal mein altes Ich analysieren und Dinge finden, für die ich es liebe.

Kussis und Bussis und Dankeschöns fürs Lesen.

Pfoffie

3 Gedanken zu „Manchmal liebe ich mein aktuelles Ich.“

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