2. September 2014 um 13:03 Uhr, 2 Kommentare

Unterschiedliche Arten, geleistete Arbeit anzuerkennen.

Gestern vor fünf Jahren habe ich beim Zofinger Tagblatt meinen aktuellen Job zum ersten Mal angetreten. Davor habe ich bei einer Firma in Luzern ganz genau fünf Jahre lang gearbeitet. Daraus ergeben sich nun 10 Jahre Berufsalltag. Jede Woche mehr als 40 Stunden weg von Zuhause meine Zeit damit verbringend, Websites zu basteln oder zu reparieren. Wie ein Maurer, einfach weniger anstrengend für die Arme. Zeit ein Fazit zu ziehen.

Der Anfang war vielversprechend: Ich kam als Praktikant in ein junges Unternehmen, aufstrebend, familiär, ein bisschen alternativ (zumindest machten sie erfolgreich diesen Eindruck) und jeder war jedermanns bester Freund. Bezüglich der Arbeit wurde ich ins eiskalte Wasser geworfen. Man gab mir ein Buch mit dem Titel «Coldfusion in 21 Tagen» und erwartete, dass ich nach ungefähr einer Woche mit Coldfusion arbeiten kann. Natürlich erwartete man das auf eine lustige, freundschaftliche Art. Aber wenn ich zurückdenke, hatten sie (und auch ich) wirklich Glück: Ich war tatsächlich innert kürzester Zeit fähig, damit zu arbeiten.

Auf menschlicher Basis hat mir die Arbeit in Luzern sehr viel gebracht. Am Anfang zumindest. 2004 war ich extrem schüchtern, ängstlich, zurückhaltend und ruhig. Heute habe ich drei dieser Eigenschaften nicht mehr und bin mir sicher, das dem Umfeld in jener Firma zu verdanken. Zur Verbesserung meiner Programmierfähigkeiten hat man aber nicht wirklich beigetragen. Das lag zugegebenermassen vor allem an mir selbst: Ich habe mich nicht wirklich getraut, jemanden bei Problemen zu fragen. Hauptsächlich, weil ich Angst davor hatte, mich nicht an die Namen meinen Kollegen zu erinnern 🙂 . Als ich die Namen dann endlich wusste, hatte ich mir schon «alles» (Interessant, wie man zu jeder Zeit im Leben denkt, alles schon zu wissen) selber beigebracht. Die Firma hatte zwar nach eigenen Angaben kaum Mitarbeiterfluktuation, dennoch waren meine Programmierkollegen irgendwann sowieso alle weg.

Wann und wie die schlechten Zeiten begannen, weiss ich nicht mehr genau. Ich arbeitete schlechter, langsamer, ungenauer. Wurde in ein anderes Büro deportiert. Habe deshalb irgendwie nichts mehr mitgekriegt. Kriegte dafür aber, manchmal mehr, manchmal weniger öffentlich den Marsch geblasen. Es ging bergab, mit meiner Leistung und meiner Zufriedenheit. Die Leistung war der Firma natürlich extrem wichtig, meine Zufriedenheit war ihnen egal. So viel zum Thema freundschaftlich und familiär.

Eines bösen Vormittags wurde mir lauthals ein Fehler vorgeworfen, den ich nicht mal begangen hatte. Bei den Worten «Es hat nach einem René-Fehler ausgesehen» lief das Fass dann endgültig über. Meinem Wunsch nach einer Notfall-Sitzung kamen die Chefs jedoch nicht nach.

Glücklicherweise fragte mich in genau diesem Moment ein Freund nach Rat in Adobe Dreamweaver. Ich kannte die Lösung seines Problems und versprach ihm zum helfen, wenn er mir einen neuen Job besorgen würde. Das tat er dann auch. Und so kam ich ins ZT. Serendipity!

Der Job ist hier eigentlich genau gleich. Die Menschen aber irgendwie besser. Hier gibt es, zumindest in meinem kleinen Team, niemanden, der irgendwas vorheuchelt. Niemand, der so tut als wäre alles super, nur um dann auszurasten, wenn mal etwas leicht unterhalb dem Standard ist. Wenn was nicht gut ist, geht man normal und sofort damit um, bespricht es. Yay! Vom Chef erhalten wir viele Freiheiten. Aber nicht seltsame, virtuelle Freiheiten, bei denen man ständig überwacht wird. Nein, es sind Freiheiten, die einem dabei helfen, sich selbst zu entfalten, selbständig weiterzubilden. Ich brauche hier keine Kurse zu beantragen um etwas zu lernen, ich google es ohne schlechtes Gewissen.

Natürlich ist nicht alles immer rosig und es gibt auch hier harte Zeiten. Als ich vor ein paar Wintern einen Durchhänger hatte und meine Motivation am seidenen Faden hing wurde ich in ein Sitzungszimmer berufen. Dort hat mich der Chef aber nicht zurechtzuweisen versucht, sondern mich gefragt, woran es liegt. Was er tun kann, damit es besser wird. Dass man auf so eine Situation so reagieren kann, hätte ich mir gar nicht vorstellen können. Das war super und hat mir gezeigt, wie man mit Angestellten eigentlich umgeht. Davor war mir nicht mal klar, wie schlecht die Geschäftsleitung an meinem früheren Arbeitsort eigentlich war.

In Luzern wurde ich nach 5 Jahren kommentarlos quasi-gefeuert. Alles Gute, was ich jemals getan hatte war vergessen und wertlos. Fairerweise gebe ich zu, dass ich mich inzwischen umgekehrt auch nur noch an die schlechten Zeiten in Luzern erinnere. Wir sind dann wohl quitt. In Zofingen habe ich nun nach 5 Jahren 3 Flaschen Wein, ein Dankeschön und Zofinger Gutscheine erhalten.

Das Fazit nun? Entweder habe ich mich komplett verändert oder irgendwas lief vorher wirklich komplett falsch. Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem. Der alten Firma die ganze Schuld zuzuweisen wäre einfach und angenehm, würde aber bedeuten, dass ich mich kein Stück verändert hätte. Und eigentlich möchte ich mich gerne in den letzten 5 Jahren verändert haben.

Womöglich hat das Zofinger Tagblatt aber auch einfach viel die geringeren Ansprüche haha! 🙂

Auf hoffentlich weitere 5 Jahre! (Nicht nur, weil es dann einen Monatslohn extra gibt)

Cheerio, Pfoffie.

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