17. August 2014 um 11:02 Uhr

@PubliBike, der schlechteste Service EVER #publibikezh

Das Konzept klingt grossartig: (E-)Fahrräder, die an Bahnhöfen warten und jederzeit einfach mit einer Kundenkarte gemietet werden können, wenn man sie braucht. Die Preise waren aber immer zu hoch und deshalb haben wir das gar nicht erst in Erwägung gezogen. Zum Glück wurde dann aber mein Mann auserkoren, den Service zu testen. Am End‘ war ich es dann, der den Service vor allem testete, da ihm nach dem zweiten Mal bereits (verständlicherweise) komplett die Lust verging. Dazu aber später mehr.

Startschwierigkeiten

Die Probleme begannen schon ganz am Anfang: Daniel konnte sich von Anfang an nicht online einloggen – zum Beispiel um den Pin der Karte zu ändern oder Angaben anzupassen. Auch diverse Versuche mit PubliBike in Kontakt zu treten, blieben bis Heute erfolglos. Irgendwann haben wir diesbezüglich dann aber auch einfach aufgegeben – es „geht“ auch ohne online-Login. Aber das war eigentlich die erste dunkle Wolke am PubliBike-Himmel. Dass dieses Omen bereits da war, bevor wir überhaupt ein Fahrrad angefasst hatten, ist schon traurig. Wir liessen uns aber natürlich nicht die Freude nehmen. Schliesslich würden wir die Chance haben, E-Bikes zu testen!

Die Fahrräder

Erahnend, dass man mit dem Service jeweils nur ein Rad gleichzeitig ausleihen kann, fuhr ich dann also am ersten schönen Wochenendtag mit meinem Fahrrad nach Luzern und traf dort Daniel. Tatsächlich konnte man wirklich nur ein Rad auf einmal ausleihen, was angesichts dessen, dass man einen Stundentarif zahlt, so ganz und gar überhaupt keinen Sinn macht. Aber ich will in diesem Abschnitt nicht erneut über die verrückten Preise dieses Services herziehen.

Leider hatte es gerade kein E-Bike in den Ladestationen und so liehen wir halt eines der drei Normalen – wir wurden ja sowieso dazu angehalten, beide arten zu testen. Und die Räder sind wirklich gut. Sie sind robust, angenehm und gut zu fahren. Die stufenlose Gangschaltung ist toll und das Gangspektrum ist absolut ausreichend für Fahrten im leicht hügeligen Luzern. Die Räder sind wirklich super und hätte ich nicht schon eines, würde ich mich wohl beim Kauf eines Stadtrades an etwas in dieser Art orientieren.

Die Notfall-Hotline

Dann kam jener Sonntag. Frühmorgens gingen wir wieder nach Luzern um am Bahnhof ein Fahrrad auszuleihen, Daniel musste im Geschäft was erledigen und wir dachten, das könnte man gut verbinden. Auch dachten wir: So früh am Morgen wird bestimmt noch niemand ein E-Bike ausgeliehen haben. Aber ganz offensichtlich waren wir wieder zu spät. Auch waren nur drei der fünf Plätze für Normale Fahrräder gefüllt. Die Leute müssen echt früh aufstehen, diese Fahrräder sind echt begehrt.

Wir radelten also gemächlich durch die Stadt, parkierten die Räder vor Daniels Büro und wollten beide abschliessen. Leider brach dann aber der Schlüssel des PubliBike-Schlosses ab, noch während Daniel es zu schliessen versuchte. Nun, abschliessen konnte er es, aber ja, halt mit einem abgebrochenen, kaputten Schlüssel in der Hand. Während Daniel seine Bürosachen machte, rief ich die Hotline an. Diese Informierte mich darüber, dass am Wochenende nur die französische Hotline verfügbar sei und man diese doch bitte in Notfällen anrufen soll.

Das tat ich natürlich und fragte die nette Dame freundlich, ob sie Englisch oder Deutsch verstünde. Dies tat ich – ebenso natürlich – so Französisch wie es mir möglich war. Ihre etwas schnippische und arrogante Antwort war: «Das ist die französische Hotline.» Ich erklärte, dass die Deutsche an Wochenenden nicht verfügbar sei. Daraufhin sagte sie mir: «Die deutsche Hotline ist am Wochenende nicht verfügbar.» (Ja, sie hat mich einfach wiederholt) Nun, ich erklärte ihr dann mehr oder weniger gut, was für ein Problem wir hatten. Wusste ich ein Wort nicht, sagte ich es auf Deutsch oder Englisch, interessanterweise verstand sie mich immer. Sie schlug mir dann vor, das abgeschlossene Rad zum Bahnhof tragen. Ich sagte, das würden wir nicht tun. Das Fahrrad sei ja abgeschlossen und es sollte jemand von Ihnen abholen kommen. Das ginge aber nicht und wir müssten das tun, würde das Fahrrad gestohlen, müssten wir so-und-so-viel-hundert Franken zahlen. Etwas zahlen würden wir so oder so nicht, versicherte ich ihr freundlich und hoffte auf eine etwas konstruktivere Lösung. Sie wiederholte dann einfach noch ein paarmal, dass wir zahlen müssten und irgendwann legte ich auf.

Zum Glück konnten wir mit etwas knorzen das Fahrrad selber wieder aufschliessen, fuhren zurück, stellten das Fahrrad zurück in seine Station und …

Das Ausleihsystem

In den Zeiten von Zahlungsterminals in der Migros, die innerhalb von 5 Sekunden meine Daten rauslesen und meinen Einkauf bezahlen, erwarte ich von Technologie schon ein gewisses Mass an Geschwindigkeit. Die PubliBike-Terminals sind an Trägheit jedoch kaum zu überbieten. Hält man die Karte ans Terminal, blinkt etwa eine Minute lang die Info, dass Daten abgefragt werden. Dieses Infofenster flackert auf eine Art, bei der ich immer zwischen der Befürchtung das System sei abgestürzt oder explodiere gleich schwanke. Daraufhin muss man seine Pin eingeben (die wir ja nicht ändern konnten und somit immer die nehmen müssen, DIE AUF DER KARTE DRAUFSTEHT). Erneut wartet man und kann dann endlich ein Fahrrad wählen und hat 60 Sekunden Zeit, es aus der Station zu lösen. Aufgepasst: Das klingt nach viel Zeit, aber manchmal wird nicht richtig angezeigt, dass das Rad frei ist oder man reisst zu wenig fest daran, kriegt es nicht raus und die Zeit ist abgelaufen. Freude herrscht, man darf noch einmal warten und irgendwann die Pin eingeben. Yay! Einige Male hat das System nach dem Abfragen der Daten einfach alles wieder vergessen und ich musste die Karte noch einmal hinhalten.

An jenem Sonntag kamen wir dann also zurück zur Station und schoben das Rad in das dafür vorgesehene Loch. Versuchten es wieder rauszuziehen aber nein, es war fix drin. Irgendwann erhielt Daniel dann eine Mail, er solle endlich das Rad zurückgeben. Offenbar hatten wir irgendein grünes Blinken nicht abgewartet. Es war eine Odyssee.

Die E-Bikes

Ich stehe ja früh auf am Morgen und habe zwischen 6:00 und 6:30 etwas Wartezeit am Bahnhof Luzern. Also ging ich jeden Morgen die PubliBike-Station nach E-Bikes abchecken. Es hatte nie eines. Wir waren uns sicher, dass die Leute die Bikes entweder extrem früh aus den Terminals holten oder gleich zuhause behielten, weil sie – wie wir — beim Gratistesten dabei waren. Daniel fragte mal nach, erhielt aber keine Antwort. Ich lieh immer mal wieder ein Rad um an schönen Tagen damit nach Hause zu fahren, aber egal zu welcher Tageszeit ich vorbeikam, es hatte keine E-Bikes. Langsam stieg in mir der Gedanke, dass es in Luzern gar keine E-Bikes von PubliBike gab. Dieser Verdacht verhärtete sich, als ich auch Morgens um 1 keine E-Bikes in den Ladestationen sah. Wurden wir hier mit unlauteren Methoden angelockt?

Nun, irgendwann war es dann endlich soweit und … wir erhielten eine Reaktion von PubliBike die uns darüber informierte, dass es tatsächlich keine E-Bikes in Luzern gibt. Wir sollten doch nach dort-und-dort gehen. Jaja, genau.

Noch etwas: Letzten Mittwoch lieh ich ein Rad aus (Es waren wieder genau 3 in der Station). Auf dem Weg wurde ich auf die PubliBike-Sache angesprochen, weil ich der einzige sei, den man jemals mit einem solchen Bike in der Stadt hätte rumfahren sehen. Am nächsten Morgen stellte ich das Rad zurück in die Station, es waren wieder nur 2 weitere dort. Heute Morgen, als ich wieder eines auslieh, standen sie noch genau gleich wie am Donnerstagmorgen. Das kann Zufall sein, aber es ist suspekt.

Instandhaltung

Eines der Fahrräder quietscht. Das Schloss des anderen ist kaputt. (Ich muss zwar zugeben, dass ich das die letzten paar Male nicht mehr geprüft habe) Gemacht wird offenbar nichts oder zumindest wenig. Die Räder werden einfach sich selber überlassen. Ist halt wahrscheinlich am günstigsten.

Zusammenfassung

Ich frage mich, was für eine Zielgruppe PubliBike hat. Für Fahrgemeinschaften kann man damit zu wenige Personen transportieren. Für Vielfahrer ist es zu teuer, auch wenn es über Nacht nur CHF –.50 kostet. Für Touristen ist der eintags-Erwerb zu unsichtbar und mit 10 Franken auch unglaublich unfair den Leuten mit Abo gegenüber. Auch für eine schöne Sonntagsausfahrt scheint es nicht gedacht zu sein, ansonsten wäre die Hotline wohl eher am Wochenende Besetzt und Werktags leer als umgekehrt. Um damit einzukaufen sind die Gepäckhalter ein bisschen zu lockerschwabbelig und unsicher.

Sind die PubliBikes also für Menschen gedacht, die unglaublich weit weg von der nächsten Einkaufsmöglichkeit wohnen, selber aber kein Fahrrad oder Auto haben und nur etwas kleines aber schweres kaufen müssen? Das sind bestimmt viele.

Das ist ein grosser Humbug, der mit imaginären E-Bikes lockt und dann gerade mal 3 normale Velos für die ganze Region Luzern anbietet. Es geht den Personen wohl eher darum, Geld mit ungenutzten Abos zu machen. Ich verstehe ja, dass aller Anfang schwer ist und dass PubliBike als neuer Service in der deutschsprachigen Region zuerst mal Fuss fassen muss. Dennoch war das eine enorm schlechte Erfahrung und ich werde mein ganzes Leben damit verbringen, Menschen von der Benutzung von PubliBike abzuraten. Ausser sie verändern nachweislich ihre Masche.

Zumindest waren die Fahrräder super.

 

— Eigentlich bin ich ja nicht mehr so der böse Hassblogger. Aber die haben nach einem Feedback in den sozialen Medien gefragt und das ist halt das ehrlichste was ich zu sagen habe.

Danke für’s Lesen. Pfoffie.

TL;DR: Wie der Titel bereits sagt, ist PubliBike ganz grosses Kino wenn es darum geht, was man alles falsch machen kann. Lasst die Finger davon. Weitere Reviews zum Service findet ihr hier.

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