Alle Gedanken nach Japan

Ein Erdbeben, ein unglaublicher Tsunami und als wäre das noch nicht genug, zerborsten auch noch die Atomkraftwerke und strahlen unheilvoll vor sich hin.

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie schrecklich das sein muss. Diese Angst vor etwas entferntem, das bedrohlich näher kommt und einen zu zerstören droht. Sei es nun ein Tsunami oder diese unsichtbare Strahlung. Das ist ein Szenario, über welches ich mir in meinem Schreibertum immer wieder den Kopf zerbrochen habe. Eine Erschütterung, entfernte Sirenen, Feuer, warnende Nachrichten. Ich konnte es nie wirklich greifen, nie wirklich darstellen und auch jetzt ist es mir vollkommen unmöglich zu empfinden, was ein Japaner in diesem Augenblick wohl fühlt, ihn beschäftigt.

Und genau das ist, was diese Situation noch viel schlimmer macht. Wir sehen die Welle, sehen die Bilder, sehen ein explodierendes Kernkraftwerk. Alles ist so weit weg, erschütternd zwar, aber auch unglaublich weit weg. So weit, dass man ein unerwartet starkes Erdbeben zur Anti-Atom-Propaganda nutzen kann. Und ich frage mich, wer in einem halben Jahr noch darüber redet.

Ich fühle mich wie gelähmt, weil ich nichts machen kann. Ich kann Geld spenden, aber das ist genauso nichts, wie wenn ich mich jetzt über die Gefährlichkeit der Atomkraft mokieren würde. Was soll man also tun? Ich stehe Ratlos da.

 

 

Japan fasziniert mich seit Ewigkeiten. Es begann mit Sailor Moon und ging über zu erwachseneren Animes. Es führte zu Filmen, Musik, Tradition und schlussendlich den ganzen kulturellen Eigenheiten Japans. Mein Interesse wuchs ständig weiter und gepaart mit meinem Sprachinteresse habe ich vor bald drei Jahren (oder?) angefangen, Japanisch zu lernen. Ich nahm mir vor: Irgendwann, dann, in der Zukunft mache ich Ferien in Japan und erlebe das Land. Irgendwann. Und jetzt befürchte ich, dass dieses irgendwann vielleicht erst in 5 oder 10 oder noch mehr Jahren möglich sein wird.

Und auch wenn das im Gegensatz zum aktuellen Leid der Japaner eine nicht annähernd erwähnenswerte Lapalie ist. Es zeigt trotzdem klar auf, dass unsere Lebensplanung eine reine Illusion ist. Ich denke, das wurde auch anderen Menschen in diesen Tagen klar.

 

Aber ja, lasst uns die Tragödie nutzen um die Atomkraft zu verdammen. Zumindest für diese Wochen. Sobald es dann wirklich an’s eingemacht geht, kann man ja dann immer noch mit der Erhöhung der Stromkosten für den Erhalt der Atomkraft argumentieren. Es geht im Moment ja nur darum, etwas zu verdammen. Und weil man Gott nicht für Erdbeben belangen kann, müssen eben die AKWs herhalten. Das Leben ist so einfach.

 

Ich meinerseits werde versuchen, all meine kleinen Problemchen und Gedanken in den Hintergrund zu stellen. Die dadurch erhaltene Gehirnkapazität werde ich in (genauso wertlose) Gedanken an Japan umwandeln. Was sind meine Probleme schon im Gegensatz zu dieser Bedrohung. Meine Gedanken machen die Sache zwar nicht ungeschehen, Geld, Propaganda, die journalistisch gewaschenen Detailaufnahmen und Lady GAGAs Japan-Armband aber leider auch nicht.

pfoffie

11 Kommentare

  1. …hab Deinen Beitrag gelesen und natürlich hast Du völlig recht, René. Wir machen es uns heute zu einfach. Und das jetzt die „pöhsen“ Atomkraftwerke populistisch dran glauben müssen ist ironisch, aber eine logische Konsequenz denn wenn man in Japan so eine Sicherheit vorgaukelte, wie sieht es dann wohl hier in Europa damit aus? Und sogar ich mach mit dabei, denn dennoch ist das vielleicht die einzige gute Sache die dieser Schrecken langfristig mit sich bringt: Mensch wird wieder sensibilisiert für jene Quellen die derzeit die Energie für Handy, Facebook und Co liefern und macht sich Gedanken darüber, ob es nicht sinnvoller wäre langfristig in Alternativen zu investieren die schon so lange überfällig wären. Es mag die Tragödie im Moment nicht lindern, aber vielleicht einige Augen öffnen die sich vor Realitäten verschlossen haben mit denen man nun konfrontiert wird. So wie es aussieht ist derzeit einiges in Bewegung. Da mag schnell ein weiterer Meiler im Wege stehen… Es ist sowieso schrecklich das man sich so Hilf- und Machtlos fühlt, angesichts einer solchen Katastrophe. So bekommt man wenigstens das Gefühl, das es irgend etwas langfristig positives in sich tragen könnte. Ich verstehe das…

  2. PS: aber mich machen übrigens auch alle Seiten wuschig die plötzlich schreien: „das Atomkraftwerk abschalten“, „dieses sofort abschalten“,… denn irgendwie haben die Betreiber dieser Seiten wohl ein Brett vor dem Kopf und wären die ersten die motzen wenn plötzlich kein Strom mehr für ihre Infrastruktur da ist!…

  3. Ich war schon immer gegen AKW und habe mich mit Taten dagegen eingesetzt.

    Der Anti AKW Knopf widerstrebt mir jetzt deshalb und weil ich im Moment zu sehr an die Opfer denke. Die Frage ist: Tut man in einem Jahr etwas, nicht jetzt. Jetzt geht es um Japan, nicht um uns, aber es geht auch um unser aller Erde.

    Ausnutzung würde ich es dennoch nicht nennen. Die Menschen begreifen jetzt, was immer zu befürchten war, wenn man weit genug dachte.

  4. schön gesagt, Paradise.

    Ich denke auch nicht, dass es unbedingt „ausnützen“ ist. Meine Befürchtung ist eher, dass es eben in einem halben bis ganzen Jahr schon wieder vergessen, unter den Tisch gekehrt und doch gar nicht so schlimm ist.

    Und ich glaube, dass gewisse Politiker dies als haltlosen Grund gegen Atomkraft benutzen werden oder bereits tun. Ich bin nicht für Atomkraft. Aber die Tragödie jetzt als Vorwand gegen Atomenergie zu verwenden finde ich ein bisschen geschmacklos (und eindimensional). Nur schon der ganze Uranmüll, der entsteht, sollte eigentlich als Argument reichen, oder?

  5. Ja ich bin auch für die Suche und Benutzung von besseren Alternativen und auch wenn’s darum geht, neue AKWs zu bauen, bin ich eigentlich dagegen. Mich nerven zwei Dinge.
    1. wie du sagst, dieses „jetzt abschalten“ ist utopisch und einfach nur sinnlose kampagnerei
    2. Ich befürchte, nur wenige dieser Augen bleiben lange geöffnet. Easy come, esay go.

  6. Im 2005 war der zunami in thailand und jetzt in japan aber kein mensch tut etwas dagegen … es werden spenden gesammelt aber die die es brauchen bekommen nichts es ist immer das gleiche spiel die welt ist und bleibt oberflächlich … vor langer zeit war nagasaki und hiroshima zeugen von atombomben und heute ist es schon lange wieder vergessen…

  7. Ich fand schon immer, wir können doch nicht etwas bauen, dessen Entsorgung ungelöst ist und das noch Tausende Jahre alles Leben zerstört.
    Das ist nicht zu Ende geplant.
    Komischerweise könnten wir schon lange auf erneuerbare Energie umsteigen. Aber man will noch warten, zu viel Geld kann noch gescheffelt werden.
    Die Diskussion hatten wir auch bei der immee riskanteren Oelförderung beim Rohrbruch im Golfdingsda. Nie mehr was davon gehört ùbrigens. Is das Leck zu?

  8. Ich gehöre der No-Future-Generation an. Wor gingen an Anti AKW Demos, sparten Energie, klebten Plakate, sprachen mit Leuten auf der Strasse, sammelten Unterschriften. Eine Zeitlang investierte ich meine ganze Freizeit dazu. Wir kauften nur in Brockenhäusern und Drittweltläden und riefen „es ist fünf vor 12“ Ich hielt in der Schule einen Vortrag üver AKW, wurde als Revoluzzi verlacht. Als Tscherbobyl passierte, war ich verzweifelt. Nach und nach habe ich resigniert. Der Ueberlebenskampf im Kapitalismus erschwert Alternativen. Man muss picobello daherkommen und weisses Papier benutzen. Der Schein ist wichtiger als das Sein. Trotzdem bedaure ich die Menschen sehr. Ich bin auch für die leergefischten Meere um Japan traurig und vieles andere mehr.

    Ich bin auch traurig, weil Du jetzt nicht nach Japan kannst, weil das Leben nicht so ist, wie es Dir versprochen wurde.
    🙁

    Ich las, die Japaner wollen weiterhin AKWs bauen. Fragemich, ob das alle sind oder nur manche.

    Das ist beängstigend: Den Kindern sagen zu müssen: Schau, das hinterlassen wir Euch so.

  9. „Der Ueberlebenskampf im Kapitalismus erschwert Alternativen. Man muss picobello daherkommen und weisses Papier benutzen. Der Schein ist wichtiger als das Sein.“

    Wie wahr und das Problem ist, dass man halt die Atomkraft jetzt nicht mehr „einfach so“ abstellen kann. Ich denke, es macht mehr sinn, die aktuellen AKWs „zu ende“ zu brauchen und dann den Betrieb aussetzen.

    Dass die Japaner, wie auch die chinesen, bereits öffentlich angekündigt haben, weiterhin AKWs zu bauen, überrascht mich nicht. China schert sich eh einen Dreck um sein Volk und Japan braucht wohl die Energie. Aber entschieden hat das bestimmt nicht das Volk.

    Ja, ich glaube, ich kann wirklich mal nach Japan… 🙂

  10. Absolut super das Lady Gaga dieses Initiative hat angefangen. Die Katastrophe in Japan ist wirklich undenkbar. Wir müssen allen tun was wir können um diese arme leute zu helfen. Solche Aktionen von super Stars Hilfen immer sehr gut.

    Hoffentlich können die Japaner den Reaktor reparieren oder sanieren. So dass die Katastrophe nicht größer wird.

    Grüß,
    Tiffany

    Knoten Armband

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