15. März 2011 um 14:20 Uhr, 11 Kommentare

Alle Gedanken nach Japan

Ein Erdbeben, ein unglaublicher Tsunami und als wäre das noch nicht genug, zerborsten auch noch die Atomkraftwerke und strahlen unheilvoll vor sich hin.

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie schrecklich das sein muss. Diese Angst vor etwas entferntem, das bedrohlich näher kommt und einen zu zerstören droht. Sei es nun ein Tsunami oder diese unsichtbare Strahlung. Das ist ein Szenario, über welches ich mir in meinem Schreibertum immer wieder den Kopf zerbrochen habe. Eine Erschütterung, entfernte Sirenen, Feuer, warnende Nachrichten. Ich konnte es nie wirklich greifen, nie wirklich darstellen und auch jetzt ist es mir vollkommen unmöglich zu empfinden, was ein Japaner in diesem Augenblick wohl fühlt, ihn beschäftigt.

Und genau das ist, was diese Situation noch viel schlimmer macht. Wir sehen die Welle, sehen die Bilder, sehen ein explodierendes Kernkraftwerk. Alles ist so weit weg, erschütternd zwar, aber auch unglaublich weit weg. So weit, dass man ein unerwartet starkes Erdbeben zur Anti-Atom-Propaganda nutzen kann. Und ich frage mich, wer in einem halben Jahr noch darüber redet.

Ich fühle mich wie gelähmt, weil ich nichts machen kann. Ich kann Geld spenden, aber das ist genauso nichts, wie wenn ich mich jetzt über die Gefährlichkeit der Atomkraft mokieren würde. Was soll man also tun? Ich stehe Ratlos da.

 

 

Japan fasziniert mich seit Ewigkeiten. Es begann mit Sailor Moon und ging über zu erwachseneren Animes. Es führte zu Filmen, Musik, Tradition und schlussendlich den ganzen kulturellen Eigenheiten Japans. Mein Interesse wuchs ständig weiter und gepaart mit meinem Sprachinteresse habe ich vor bald drei Jahren (oder?) angefangen, Japanisch zu lernen. Ich nahm mir vor: Irgendwann, dann, in der Zukunft mache ich Ferien in Japan und erlebe das Land. Irgendwann. Und jetzt befürchte ich, dass dieses irgendwann vielleicht erst in 5 oder 10 oder noch mehr Jahren möglich sein wird.

Und auch wenn das im Gegensatz zum aktuellen Leid der Japaner eine nicht annähernd erwähnenswerte Lapalie ist. Es zeigt trotzdem klar auf, dass unsere Lebensplanung eine reine Illusion ist. Ich denke, das wurde auch anderen Menschen in diesen Tagen klar.

 

Aber ja, lasst uns die Tragödie nutzen um die Atomkraft zu verdammen. Zumindest für diese Wochen. Sobald es dann wirklich an’s eingemacht geht, kann man ja dann immer noch mit der Erhöhung der Stromkosten für den Erhalt der Atomkraft argumentieren. Es geht im Moment ja nur darum, etwas zu verdammen. Und weil man Gott nicht für Erdbeben belangen kann, müssen eben die AKWs herhalten. Das Leben ist so einfach.

 

Ich meinerseits werde versuchen, all meine kleinen Problemchen und Gedanken in den Hintergrund zu stellen. Die dadurch erhaltene Gehirnkapazität werde ich in (genauso wertlose) Gedanken an Japan umwandeln. Was sind meine Probleme schon im Gegensatz zu dieser Bedrohung. Meine Gedanken machen die Sache zwar nicht ungeschehen, Geld, Propaganda, die journalistisch gewaschenen Detailaufnahmen und Lady GAGAs Japan-Armband aber leider auch nicht.

pfoffie

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